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Politik

Hisbollah im Libanon lehnt Waffenruhe mit Israel ab

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 4, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 04.06.2026 • 15:31 Uhr

Die erneuerte und von den USA unterstützte Waffenruhe im Libanon hielt nicht lange: Schon in der Nacht gab es neue Gefechte. Nun meldete sich die Hisbollah zu Wort: Sie lehnt die Vereinbarung ab.

Die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz lehnt die jüngste Waffenruhevereinbarung zwischen Israel und der libanesischen Regierung ab. „Das angekündigte Abkommen ist ein Fahrplan zur Zerstörung eines Teils des libanesischen Volkes und zur Unterwerfung des übrigen Teils“, hieß es in einer im Fernsehen verlesenen Erklärung von Hisbollah-Chef Naim Kassim. Eine Auslegung der Waffenruhe, nach der die Hisbollah ihre Angriffe einstellen müsse, während die israelischen Angriffe andauerten, komme einer „Kapitulation“ gleich.

Für die Miliz seien eine vollständige Waffenruhe und der Abzug Israels aus dem Süden des Libanon entscheidend, sagte Kassim. Zugleich erklärte er, die Hisbollah befürworte einen umfassenden Waffenstillstand, der das Ende aller israelischen Angriffe, den Rückzug Israels aus libanesischem Gebiet, die Rückkehr der Vertriebenen und den Wiederaufbau einschließen müsse. Er warnte, dass der Norden Israels nicht sicher sei, solange libanesische Dörfer bombardiert und Menschen getötet würden.

Erneuerte Waffenruhe hielt nicht lang

Schon kurz nach der gemeinsamen Erklärung von Libanon, Israel und den USA zu einem neuen Versuch der Umsetzung einer Waffenruhe liefen im Libanon Meldungen über Beschuss im Süden des Landes, israelisches Bombardement auf Städte und Dörfer sowie Drohnen- und Raketenangriffe der Hisbollah-Miliz in Nordisrael.

Der Krieg geht weiter. Erst gestern starb eine Familie im Süden des Libanon, die gehofft hatte, die Waffenruhe würde gelten – und sie wären zu Hause sicher. „Sie waren in ihrem Haus“, berichtet der Bruder des getöteten Familienvaters, Yaakoub Abdallah. „Sie hatten ihr Haus für einige Zeit verlassen, weil das Dorf bedroht wurde – aber dann dachten sie: Es ist jetzt sicher, wir gehen zurück.“

UN-Blauhelmsoldat getötet

In der Nacht wurde im Südlibanon auch ein UN-Blauhelmsoldat getötet, weitere verletzt, meldete die UN-Mission UNIFIL. Die Gewalt müsse aufhören, forderte UNIFIL in einer Erklärung.

Insgesamt mehr als 3.400 Menschen wurden im Libanon seit Kriegsbeginn im März getötet – bei dem heftigen israelischen Beschuss gegen Stellungen der Hisbollah-Miliz sterben immer wieder auch Zivilisten. Auf israelischer Seite wurden etwa 30 Menschen getötet, die meisten von ihnen Soldaten.

Auch wenn viele Menschen im Libanon ein Ende der Gewalt fordern: Die Verhandlungen mit Israel werden vielerorts skeptisch gesehen – viele befürchten eine dauerhafte israelische Besatzung in Teilen des Landes. Die israelische Armee ist weit vorgerückt.

Keine direkten Gespräche mit der Hisbollah

Die Hisbollah als Kriegspartei sitzt bei den Verhandlungen in Washington nicht mit am Tisch, lehnt Gespräche ab. „Die Hisbollah wird begreifen müssen, dass es nun ein Abkommen zwischen Israel und dem Libanon gibt, das von den USA unterstützt wird“, sagte der israelische Botschafter in Washington, Yechiel Leiter.

Das Pilotzonen-Projekt werde unter US-Federführung stehen, sagte Leiter. „Spezialeinheiten und die libanesische Armee werden die Kontrolle über verschiedene Gebiete übernehmen und sich schrittweise über den gesamten Süden ausbreiten – damit wir nicht erneut in jenes Muster verfallen, bei dem Israel abzieht, die Hisbollah zurückkehrt und wir genau dasselbe durchmachen wie in den vergangenen 40 Jahren.“

Doch der Libanon bleibt gespalten: Die Regierung, selbst nicht Kriegspartei, will ein Ende der Hisbollah-Macht im Libanon und ein Ende des iranischen Einflusses im Land. Aber die Regierung ist zu schwach, um die Hisbollah zu entwaffnen.

Israels Vormarsch nützt der Hisbollah

Und je weiter Israel im Libanon vorrückt, umso größer sind die Sympathien im Land für die Hisbollah – umso wichtiger wirkt die Miliz als selbsternannte Widerstandskraft im Libanon – und umso unwahrscheinlicher ist es, dass die Hisbollah ihre Waffen abgibt.

„Was bleibt, ist der interne libanesische Konflikt – den muss die Regierung bewältigen“, sagte Nahost-Beobachter Saeed al Bostani aus Washington im saudischen Fernsehsender Al-Hadath. „Die Umsetzung des Abkommens soll ja in dem Gebiet erfolgen, das derzeit von der Hisbollah kontrolliert wird. Das sind die Hindernisse, die dieser Erklärung bei der Umsetzung im Wege stehen könnten.“

Israel und der Libanon haben vereinbart, ihre Gespräche Ende Juni fortzusetzen – wenn es nicht vorher zu einer Einigung mit dem Iran kommt, dürften aber mindestens bis dahin die Kämpfe im Libanon weitergehen – in einer Region, in der offiziell eine Waffenruhe gilt.

Mit Informationen von Anna Osius, ARD-Studio Kairo

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