Die französisch-iranische Künstlerin Marjane Satrapi ist tot. Sie starb im Alter von 56 Jahren in Paris. Mit ihrer autobiografischen Graphic Novel „Persepolis“ wurde sie weltberühmt.
Klare, scharfe Linien. Minimalistische, eindrückliche Schwarz-weiß-Bilder, die ebenso einfühlsam wie radikal die Geschichte Irans nach der islamischen Revolution darstellen. In der mehrteiligen Graphic Novel „Persepolis“ erzählte Marjane Satrapi ihre Kindheit und Jugend als rebellische, Punkrock hörende Teenagerin, die Unterdrückung der Bevölkerung durch das Mullah-Regime – und die schmerzhafte Entscheidung für das Exil.
„Persepolis“ wurde 2007 verfilmt – und auf dem Filmfestival in Cannes mit dem Preis der Jury ausgezeichnet. Außerdem war „Persepolis“ als bester ausländischer Film und als bester Animationsfilm für den Oscar nominiert. In weiteren Comics wie „Sticheleien“ oder „Huhn mit Pflaumen“ zeichnete Satrapi ebenfalls Porträts der iranischen Gesellschaft und vor allem der iranischen Frauen – humorvoll, teils melancholisch, immer widerständig.
„Wenn die Leute mit mir lachen können, dann bin ich nicht mehr diese abstrakte Vorstellung einer Frau, die aus diesem unendlich weiten ‚Mittleren Osten‘ kommt“, hatte Satrapi gesagt. „Dann werde ich zu einer Person, und sie fühlen sich mir nahe. Und so können Botschaften ankommen.“ Überhaupt sei es wichtig, Humor zu haben. „Das Leben ist kurz und voller Enttäuschungen. Wenn man das alles dann noch zu ernst nimmt, dann muss man richtig doof sein.“
„Wir müssen vor allem die Hoffnung bewahren“
Seit Mitte der 1990er-Jahre lebte Satrapi in Frankreich, erlangte 2006 die französische Staatsbürgerschaft. Sie engagierte sich aus dem Exil, unterstützte zum Beispiel die Proteste nach dem Tod von Jîna Mahsa Amini im Jahr 2022. Auch in den folgenden Jahren ging sie auf Demos, zeigte ihre Unterstützung für die Menschen in Iran – wie im September 2024 in Paris.
„Die Menschen kämpfen seit mehr als 40 Jahren für ihre Freiheit“, sagte Satrapi. „Schauen Sie sich die Schleier von 1982 an – und vergleichen Sie sie mit heute. Jeder Millimeter Stirn oder Haar, den wir gewonnen haben, waren zehn weitere Meter in Richtung Freiheit. Ich denke, wir müssen vor allem die Hoffnung bewahren.“
Als Satrapi letztes Jahr in die französische Ehrenlegion aufgenommen werden sollte, lehnte sie das ab – aus Protest gegen die „heuchlerische Haltung Frankreichs gegenüber Iran“, wie sie sagte. Satrapi kritisierte vor allem, dass Frankreich Visa-Bewerbungen von jungen iranischen Dissidenten und Künstlern abgelehnt habe.
„Sie sagte: Ich lasse mich mit diesem Preis nicht kaufen. Wenn ich ihn annehme, dann bedeutet das, dass ich schweigen muss. Aber ich will nicht schweigen“, erklärte die Soziologin Azadeh Kian, die eng mit der Künstlerin befreundet war, bei France Info.
Viele Würdigungen für Satrapi
Diese Haltung wollte Satrapi aber nicht als Ablehnung Frankreichs verstanden wissen – ein Land, das sie liebe und das ihres sei, wie sie sagte. In der Mitteilung ihrer engen Vertrauten an die Nachrichtenagentur AFP heißt es, Satrapi sei „aus Trauer gestorben“ – etwas mehr als ein Jahr nach ihrem Ehemann, dem schwedischen Filmemacher und Produzenten Matthias Ripa. Auf ihrem Instagram-Account hatte die Künstlerin ihrer Trauer über diesen Verlust Ausdruck verliehen.
Zahlreiche Politiker, Schauspieler und Künstler würdigten Satrapi. Der Illustrator Luz veröffentlichte eine Zeichnung von ihr im schwarzen Anzug, auf dem in den iranischen Nationalfarben grün, weiß und rot „Punk, Leben, Freiheit“ steht. In Anlehnung an die Bewegung „Frau, Leben, Freiheit“ in Iran. Und den großen Kampf, den Marjane Satrapi als rebellische, Punkrock hörende Teenagerin aufgenommen hatte.

