Marktbericht
Halbleiteraktien leiden unter Gewinnmitnahmen – zunächst in den USA und nun auch in Asien. Zudem stocken die Friedensverhandlungen im Nahen Osten. Das alles sind keine guten Vorzeichen für den DAX.
Vor dem Wochenende dürfte der DAX seine Vortagesgewinne wieder abgeben. Der Broker IG taxiert den deutschen Leitindex etwa zwei Stunden vor Xetra-Handelsbeginn 0,5 Prozent tiefer auf 24.810 Punkte. Damit kommt so langsam auch die 21-Tage-Linie bei aktuell 24.695 Punkten wieder ins Spiel. Am Feiertag hatte er noch um immerhin 0,6 Prozent zugelegt.
Nach der ausgeprägten Rally der Technologieaktien in den USA – angetrieben durch Künstliche Intelligenz (KI) – hat sich nun jedoch ein wenig Ernüchterung breitgemacht. Ein enttäuschender Ausblick von Broadcom hat die Tech-Börse Nasdaq gebremst.
Der Experte Timothy Arcuri von der Bank UBS betonte, der Chip-Hersteller habe anders als erhofft die KI-Umsatzprognosen für 2026 und 2027 nicht erhöht. Die Messlatte, um immer wieder für positive Überraschungen zu sorgen, liege mittlerweile hoch, kommentierte Blayne Curtis vom Analysehaus Jefferies. Stacy Rasgon von Bernstein Research geht davon aus, dass die Aktien nach ihrer Rally vorerst eine Pause einlegen.
Am Donnerstag brachen die Broadcom-Papiere um 12,6 Prozent ein. Das zog auch andere Chip-Aktien mit nach unten, die zuletzt gut gelaufen waren. Der Nasdaq 100 verlor 0,5 Prozent auf 30.408 Punkte. Zuvor hatte er um bis zu 1,6 Prozent nachgegeben. Weil Anlegerinnen und Anleger lieber auf Standardwerte umschwenkten, zog der amerikanische Leitindex Dow Jones dagegen um rund 1,7 Prozent an – und stellte eine neue Bestmarke auf.
Auch in Asien wurde die Tech-Euphorie gedämpft, sodass die Investoren Gewinne mitnehmen. Der technologielastige südkoreanische Kospi rutschte am Morgen um mehr als sechs Prozent ab. In Tokio verlor der japanische Leitindex Nikkei knapp 1,6 Prozent auf 66.406 Punkte.
Auch die ins Stocken geratene Friedensvermittlung der US-Regierung im Nahen Osten dämpfte die Risikobereitschaft der Investoren. Die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz lehnte eine Waffenruhe im Libanon ab, während Israel einen Truppenabzug ausschloss. Das alles sind vor dem Wochenende auch keine guten Vorzeichen für den DAX.
Am Morgen stehen auch die deutschen Autohersteller im Fokus. Nach einer Analyse der weltweit 19 größten Autobauer durch die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY hinken sie zum Jahresbeginn der internationalen Konkurrenz hinterher. So sind die Umsätze von Volkswagen, Mercedes und BMW von Januar bis März im Vergleich zum Vorjahr um mehr als vier Prozent gesunken – während die ausländischen Wettbewerber gemeinsam auf steigende Einnahmen kamen.
Ein Umsatzplus von 6,7 Prozent verzeichneten dabei die beiden anderen europäischen Hersteller Stellantis und Renault. US-Hersteller konnten um fünf Prozent zulegen, japanische Autobauer um 4,3 Prozent. Ein Minus von 1,4 Prozent verbuchten dagegen die chinesischen Autohersteller.
Ein Grund für das deutliche Gewinnwachstum der US-Hersteller seien neben der Abschirmung des US-Markts gegen Produkte aus dem Ausland unter anderem teilweise gekippte Einfuhrzölle, die zu hohen Rückzahlungen an die Hersteller führten, sagte EY-Autoexperte Constantin Gall. „Die gesamte deutsche Autoindustrie befindet sich in einem tiefgreifenden Strukturwandel: wegfallende Auslandsmärkte, teure Überkapazitäten, hohe Software-Investitionen und ein langsamer Hochlauf der Elektromobilität belasten die Ergebnisse“, sagte Gall.
