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Politik

Dollar, Trump und KI-Aktien: Werden die USA zum Risiko im Depot?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 5, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Stand: 05.06.2026 • 11:34 Uhr

US-Aktien waren für deutsche Anleger lange ein Erfolgsfaktor. Doch der schwache Dollar, Trumps Politik und KI-Abhängigkeit werfen die Frage auf: Wie viel USA im Depot ist noch gesund?

Angela Göpfert

Die USA war für Anlegerinnen und Anleger lange vor allem eines: der sichere Renditemotor im Depot. Wer in den vergangenen zehn Jahren auf den US-Leitindex S&P 500 gesetzt hat, konnte seinen Einsatz mehr als verdreifachen. Anlegende profitierten von Konzernen wie Apple, Microsoft, Alphabet, Nvidia oder Amazon – von Tech-Giganten, KI-Fantasie und global starken Geschäftsmodellen.

Doch genau diese Erfolgsgeschichte hat auch eine Kehrseite. Viele Anlegerinnen und Anleger sind heute viel stärker in den USA investiert, als ihnen bewusst ist. Das gilt auch für jene, die regelmäßig einen ETF auf den MSCI World besparen.

So viel USA steckt im MSCI World

Denn der MSCI World ist nach Marktkapitalisierung gewichtet. Je stärker also die Aktien eines Unternehmens steigen, desto größer wird ihr Anteil im Index. Weil US-Konzerne in den vergangenen Jahren an der Börse besonders erfolgreich waren, ist auch ihr Gewicht im MSCI World immer weiter gestiegen.

„Die Anleger unterschätzen ganz massiv, dass der MSCI World Index mittlerweile massiv übergewichtet ist in den USA“, betont Kapitalmarktstratege Stefan Riße vom Vermögensverwalter Acatis im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion. „Wir reden über einen Anteil von 72 Prozent, mit denen man an US-Aktien hängt – und damit auch am Dollar.“

Der Dollar wird unter Trump zum Risiko

Seit dem zweiten Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump im Januar 2025 hat der Dollar zum Euro deutlich an Wert verloren – bislang schlägt ein Minus von über elf Prozent zu Buche.

Für deutsche Anlegerinnen und Anleger heißt das: Selbst wenn US-Aktien an der Wall Street kräftig steigen, kann der schwächere Dollar die Rendite in Euro spürbar schmälern. Ein Teil der in Dollar erzielten Kursgewinne kommt dann hierzulande gar nicht an.

Selbst Superreiche prüfen ihre Dollar-Wetten

Dass dieses Thema inzwischen auch viele superreiche Familien rund um den Globus beschäftigt, zeigt eine aktuelle Umfrage der Schweizer Bank UBS unter sehr vermögenden Family Offices.

Rund zwei Drittel der befragten Familien mit privaten Vermögensverwaltungsgesellschaften rechnen demnach damit, dass das Vertrauen in den Dollar als Reservewährung in den kommenden zwölf Monaten abnimmt. Fast die Hälfte kommt zu dem Schluss, dass sie über alle Anlageklassen hinweg zu stark im Dollar engagiert ist – und sich daher künftig breiter aufstellen will.

Warum der Dollar unter Druck steht

Die Gründe für den schwächeren Dollar sind vielfältig: Dazu gehören hohe US-Schulden, große Haushaltsdefizite, hartnäckige Inflation und steigende (geo-)politische Unsicherheiten unter der Trump-Regierung.

Edgar Walk, Chefökonom bei Metzler Asset Management, sieht im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion vor allem die US-Finanzlage kritisch: „Die USA steuern in diesem Jahr auf ein rekordhohes Staatsdefizit von rund zwei Billionen Dollar zu. Gleichzeitig gibt es keine Perspektive, dass die Regierung auf absehbare Zeit sparen will.“

Auch Riße streicht das Negative heraus: „Die Schulden steigen unter Trump nochmals schneller als unter Biden oder Obama.“ Hinzu kommt: Trump sieht einen schwächeren Dollar durchaus als Vorteil, kann er doch US-Exporte günstiger machen und so die Industrie stärken.

Wenn aus KI-Boom ein Klumpenrisiko wird

Das Währungsrisiko ist aber nur ein Teil der Geschichte. Dazu kommt: Innerhalb des US-Marktes hängt immer mehr an einigen wenigen Konzernen aus einer Branche. Metzler-Ökonom Walk formuliert es zugespitzt: „Die US-Börse repräsentiert nicht mehr die US-Wirtschaft, sondern nur noch den Technologiesektor.“ Dabei drehe sich alles um ein Thema – Künstliche Intelligenz. Von daher seien Investitionen in US-Aktien heutzutage deutlich riskanter als früher.

Kapitalmarktexpertinnen und Kapitalmarktexperten sprechen in diesem Zusammenhang von einem Klumpenrisiko. Gemeint ist: Ein Depot hängt zu stark an einem einzelnen Faktor. Bei einem hohen USA-Anteil im Depot kommen dabei gleich mehrere Klumpenrisiken zusammen: der Fokus auf ein Land, eine Währung, eine Branche und ein Investment-Thema.

Warum Amerika trotzdem wichtig bleibt

Trotzdem wäre die Schlussfolgerung falsch, Amerika einfach aus dem Depot zu streichen. Die USA bleiben der wichtigste Kapitalmarkt der Welt. Nirgendwo sonst gibt es so viele große, international führende Börsenkonzerne. Und nirgendwo sonst fließt so viel Kapital.

Auch Kapitalmarktstratege Riße warnt davor, die USA komplett zu meiden: „Man kommt an den USA am Ende nicht vorbei, man muss sie im Portfolio schon drin haben.“ Für ihn stellt sich daher nicht die Frage, ob Amerika ins Depot gehört – sondern mit welchem Gewicht. Eine US-Positionierung von über 70 Prozent, wie im MSCI World Index, hält er für viel zu hoch.

Klumpenrisiko USA – wie Anleger gegensteuern können

Diversifizierung lautet deshalb das Zauberwort, also die Risiken im Depot breiter streuen – über Regionen, Branchen, Währungen und Anlageklassen hinweg. ETF-Anleger können über Alternativen zum MSCI World nachdenken. So enthalten etwa der MSCI ACWI oder auch der FTSE All-World neben Industrieländern auch Schwellenländer – und decken damit einen größeren Teil des globalen Aktienmarktes ab. Noch breiter aufgestellt ist der MSCI ACWI IMI, der zusätzlich kleinere Unternehmen umfasst.

Anlegerinnen und Anleger können aber auch in Anleihen investieren – oder in Edelmetalle. „Gerade vor dem Hintergrund der hohen Verschuldungszuwächse in der Welt, aber insbesondere auch in den USA, ist eine gewisse Goldbeimischung sicherlich nicht falsch“, betont Acatis-Experte Riße.

Die USA-Frage, die sich Anleger jetzt stellen sollten

Unterm Strich bleiben die USA für Anlegende unverzichtbar. Die großen US-Konzerne haben über Jahre enorme Werte geschaffen – und viele von ihnen verdienen weiter sehr viel Geld. Doch die alte Gleichung „viel USA gleich viel Rendite“ ist riskanter geworden.

Ein erster Schritt für Privatanlegerinnen und Privatanleger hierzulande kann deshalb sein, überhaupt zu prüfen, wie hoch der USA-Anteil im eigenen Depot tatsächlich ist. Dazu gehören nicht nur Direktinvestments in US-Aktien, sondern auch ETFs und Fonds mit hoher Dollar-Quote: Wie viel Amerika steckt bereits im Portfolio – und ist dieser Anteil bewusst gewählt? Wer darauf keine Antwort hat, ist womöglich stärker von den USA abhängig als ihm lieb ist.

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Dr. Heinrich Krämer
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