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Startseite»Nachrichten»Und wieso jetzt nicht El Mala?: Bitterer Karl-„Schock“ raubt Nagelsmann etwas Unersetzbares
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Und wieso jetzt nicht El Mala?: Bitterer Karl-„Schock“ raubt Nagelsmann etwas Unersetzbares

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 6, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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Und wieso jetzt nicht El Mala?Bitterer Karl-„Schock“ raubt Nagelsmann etwas Unersetzbares

06.06.2026, 03:10 Uhr

Von Sebastian Schneider, Chicago
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Lennart Karl verpasst die Fußball-Weltmeisterschaft. (Foto: picture alliance / Pressefoto Ulmer)

Bitterer kann es kaum kommen: DFB-Shootingstar Lennart Karl reißt sich im Training einen Muskelbündel – und verpasst die Fußball-Weltmeisterschaft. Für den Bundestrainer ist das ein Problem. Und bei der Nachnominierung überrascht Julian Nagelsmann.

Wer abergläubisch ist, hätte die Signale schon sehen können: Dunkle Wolken waren über dem Soldier Field in Chicago am Freitagvormittag aufgezogen, als die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ihr Abschlusstraining vor dem letzten WM-Test gegen die USA (ab 19.05 Uhr, LIVE bei RTL und im ntv.de-Liveticker) begann. Und während die Anwesenden den verletzten Manuel Neuer vergeblich auf dem Platz suchten, konnte niemand am Spielfeldrand ahnen, dass man am Ende des Tages über eine ganz andere Personalie sprechen würde.

Bundestrainer Julian Nagelsmann deutete es wenig später in der Pressekonferenz mit betretener Mine an: Der „Lenny“ hat sich im Training verletzt. „Es sah ehrlich gesagt nicht so gut aus.“ Während Nagelsmann das erklärte, war Lennart Karl schon auf dem Weg ins Krankenhaus. Nagelsmann bat die anwesende Presse, ihm nicht hinterherzufahren. „Er muss jetzt selber erstmal die Situation verarbeiten, wir auch“, sagte er. „Und dafür brauchen wir eine Diagnose.“

Die bittere Erkenntnis ist schon wenige Stunden später da: Karl erleidet einen Muskelbündelriss im linken, vorderen Oberschenkel, verkündete der DFB. Für den 18-Jährigen bedeutet die Verletzung das Turnieraus. Denn bis der Muskel zusammengewachsen ist und er wieder spielen kann, da ist selbst die größte Weltmeisterschaft der bisherigen Geschichte schon vorbei.

„Nur ein kleiner Trost“

Für Karl selbst ist das WM-Aus eine ganz persönliche Tragödie. Bitterer hätte es für ihn kaum kommen können. Ein solches Turnier auf den letzten Metern zu verpassen, ist immer eine harte Nachricht. Marco Reus etwa verletzte sich 2014 beim letzten Testspiel vor dem WM-Triumph. Aber eine Muskelverletzung in einem Training zu erleiden, vereinfacht sie nicht. Karl selbst fehlen die Worte. Er wisse gar nicht, wo er anfangen soll, schreibt er auf Instagram. Aber: „Es tut unbeschreiblich weh.“

Es ist ein Schock für die gesamte Mannschaft. Bei seinem Abschied aus dem Teamhotel sollen auch Tränen geflossen sein. „Es tut mir wahnsinnig leid für Lenny“, ließ der Bundestrainer mitteilen. „Es ist für ihn und uns alle ein großer Schock, dass er die WM verpasst“, sagte Nagelsmann. Dass Karl noch jung ist und noch viele Turniere vor sich habe, sei „nur ein kleiner Trost“. Man hätte ihn „sehr gerne im Team gehabt“.

Was hat er für ein Jahr durchgemacht: Die Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko wäre für Karl der Gipfel einer wahrlich besonderen Saison gewesen. Der selbstbewusste Flügelstürmer hat einen bemerkenswerten Aufstieg hinter sich. Beim FC Bayern profitierte er vom sehr schmalen Kader. Karl kam so in seinem ersten richtigen Bundesliga-Jahr schon auf 26 Einsätze. Dazu gesellen sich gleich acht Auftritte in der Champions League.

Seine Darbietungen im Bayern-Mittelfeld, vor allem auf dem rechten Flügel, katapultierten Karl auch in die Nationalelf. Schon bei seinem Debüt im März in der Schweiz merkte man, dass er etwas mitbringt, das der Nagelsmannschaft bis dahin noch fehlte: der jugendliche Leichtsinn. „Er hat mit seiner Unbekümmertheit, seinem Spielwitz, seinem Tempo und als Typ super in die Mannschaft gepasst“, sagte Nagelsmann.

Der Bayern-Block bröckelt weiter

Und so ist es auch für den Bundestrainer selbst eine kleine Tragödie. Nagelsmann verliert mit Karl etwas, was er nicht ersetzen kann. Karl ist ein „Straßenkicker“. Jemand, der viel probiert, der mutig ist, der einfach zocken will, der nicht durch vergangene Turniere belastet ist. Der sich tatsächlich um „nichts scheißt“, wie er es zuletzt selbst formulierte. Mit seinen 1,68 Metern und dem tiefen Schwerpunkt ist er nur schwer zu verteidigen. Mit seinem Selbstbewusstsein wird es nochmals schwieriger.

Abgesehen davon bricht für Nagelsmann ein weiterer Teil des Bayern-Blocks weg, auf den er eigentlich bauen wollte. Nicht nur Ex-Welttorhüter Neuer laboriert noch mit seiner linken Wade – und wird erst in der nächsten Woche ins Teamtraining einsteigen. Schon im Vorfeld musste Serge Gnabry, der sich in bestechender Form befand, wegen einer Muskelverletzung für das XXL-Turnier absagen. Mit seiner Vielseitigkeit und Erfahrung ist das für die Offensive tatsächlich ein herber Verlust.

Und nun eben Karl. Die FIFA-Regeln erlauben es dem Bundestrainer, das freigewordene Bett im Teamhotel noch vor dem Turnier wieder aufzufüllen. Im Presseraum wurde nach den bedächtigen Worten Nagelsmanns schon über die Nachnominierung gerätselt: Wer wird es wohl sein? Bestimmt doch Said El Mala, oder? Der Flügelstürmer hatte beim 1. FC Köln einen ähnlich kometenhaften Aufstieg wie Karl hingelegt. Auch Chris Führich, der beim VfB Stuttgart seine Saison in bestechender Form beendete, wurden Chancen eingeräumt.

Ouédraogo, nicht El Mala

Am Ende wurde es keiner der beiden. Nagelsmann entschied sich, keinen unmittelbaren Ersatz zu holen (weil das auch schwierig ist), sondern einen mindestens genauso hochveranlagten Fußballer mitzunehmen: den Leipziger Assan Ouédraogo. Mit ihm „bekommen wir nun einen Spieler dazu, der ähnlich wie Lenny einen klasse Einstand bei uns hatte. Er ist ebenfalls hochtalentiert und soll hier mutig und unbeschwert aufspielen“, sagte Nagelsmann.

Der 20-Jährige ist eines der aufsehenerregendsten Talente im deutschen Fußball. Auch der offensive Mittelfeldmann zeigte wie Karl sein Können schon bei seinem DFB-Debüt: Im November traf er beim 6:0-Erfolg gegen die Slowakei gleich unmittelbar nach seiner Einwechslung. Im Frühjahr legten ihn dann aber gleich zwei Knieverletzungen lahm, er feierte rechtzeitig noch vor dem Turnier sein Comeback in der Bundesliga.

Bleibt nur die Frage, warum sich Nagelsmann gegen El Mala entschieden hat? Ganz einfach: Der Bundestrainer hat genügend Optionen für die rechte Offensivseite. Da ist etwa der Stuttgarter Jamie Leweling, notfalls kann auch Kai Havertz dorthin ausweichen. Als Rechtsfuß fühlt sich El Mala ohnehin eher auf der linken Seite heimisch, damit kommt er als direkter Ersatz gar nicht infrage.

Stattdessen kommt auf Nagelsmann eine weitere Aufgabe zu: Denn Karls Ausfall holt jemanden in den Fokus, der sich dem Vernehmen nach zuletzt mit seiner Bankrolle angefreundet hatte: Leroy Sané lieferte sich mit dem 18-Jährigen ein Duell um den Platz in der WM-Startelf. Den gewinnt der 30-Jährige nun mutmaßlich kampflos. Nagelsmann hatte angekündigt, Sané so sehr zu „kitzeln“, dass er tatsächlich mal ein erfolgreiches Turnier spielt. Das muss er nun beweisen.

Quelle: ntv.de

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