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Startseite»Nachrichten»Andrejewas Dämonen: Wie Russlands hitziges Supertalent sich selbst bändigte
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Andrejewas Dämonen: Wie Russlands hitziges Supertalent sich selbst bändigte

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 7, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Andrejewas DämonenWie Russlands hitziges Supertalent sich selbst bändigte

Ein Moment zum Genießen: Mirra Andrejewa küsst den Siegerpokal bei den French Open. (Foto: REUTERS)

An Talent mangelte es Mirra Andrejewa nie, dafür aber etwas an Geduld und einem stabilen Nervenkostüm. Beim Finalsieg der French Open gegen Qualifikantin Maja Chwalinska sind genau das ihre Stärken.

Schon lange vor ihrer Premiere in Paris war Mirra Andrejewa ein Grand-Slam-Champion – wenn auch nur in ihrem Kopf. „Ich habe schon oft Visualisierungen gemacht“, verriet der russische Tennis-Teenager. In Gedanken und Träumen sei sie das Wie, Wann und Wo immer wieder durchgegangen, aber: „Das Gefühl in der Realität ist natürlich viel besser als in meinen Träumen.“

Ihr Blick wanderte dabei zur Suzanne-Lenglen-Trophäe, die neben ihr auf dem Tisch des Pressekonferenzraums stand. Nun, da die 19-Jährige die French Open gewonnen und sich die Prophezeiung ihres großen Durchbruchs erfüllt hatte, will sie mehr. „Ich habe das Gefühl, dass das Ganze ein bisschen süchtig macht“, sagte Andrejewa lächelnd.

Tennis-Legende Boris Becker ist sicher, dass die jüngste French-Open-Gewinnerin seit 34 Jahren „noch viele Grand Slams gewinnen“ werde: „Alles in allem haben wir einen neuen Star im Damentennis.“ Auch, was den Unterhaltungsfaktor angeht.

Andrejewa und der Spruch von Snoop Dogg

Unmittelbar nach ihrem 6:3, 6:2-Finalsieg gegen die polnische Qualifikantin Maja Chwalinska hatte Andrejewa bei der Zeremonie auf dem Court Philippe Chatrier eine ungewöhnliche Dankesrede gehalten. „Ich möchte auch mir selbst danken“, sagte sie. Und zwar dafür, dass sie immer an sich selbst glaube, sich jeden Tag als Person und Spielerin verbessern wolle und auch „gegen so viele Dämonen“ in ihr drinnen ankämpfe.

Ihre Eingangsworte waren an die Rede von Rapper Snoop Dogg bei dessen Aufnahme in den „Hollywood Walk of Fame“ angelehnt. Den Spruch „Ich möchte mir selbst danken“ trägt sie auch als pinken Schriftzug auf ihrer Trainingsjacke. Den habe sie „die ersten Male eher als Witz abgekupfert“, sagte Andrejewa. „Aber dann wurde mir klar, dass es tatsächlich stimmt.“

Ikone Roger Federer dient als Vorbild

Und die Dämonen, die sie in ihrer Siegesrede andeutete? Konkret erklärte sie sie nicht, aber die Russin erzählte von einem Gespräch mit ihrer Psychologin, die ihr gesagt habe: Du kannst immer wählen, wer du auf dem Platz sein willst. „Also habe ich entschieden, eine Kämpferin zu sein.“ Aber eine Kämpferin mit Stil. Deswegen habe sie versucht, das Verhalten von Tennis-Ikone Roger Federer „zu imitieren“. Sie wolle „gut aussehen auf dem Platz, nicht frustriert“.

Andrejewa galt bislang als emotionale Spielerin, die angesichts ihres riesigen Ehrgeizes und ihrer spürbaren Ungeduld auch mal die Nerven verliert. Im Vorjahr wurde sie in Paris vom französischen Publikum ausgebuht, als sie bei ihrer Niederlage gegen Loïs Boisson aus Frust einen Ball in Richtung der Ränge drosch. Für Aufsehen sorgte auch ihre wüste Beleidigung gegen Zuschauer nach dem Aus in Indian Wells. Ihre Psychologin und auch ihre Trainerin, die ehemalige spanische Top-Spielerin Conchita Martínez, halfen ihr aus dieser emotionalen Negativ-Spirale.

Hochtalentiert – aber auch hochemotional

Andrejewa galt schon länger als potenzieller Grand-Slam-Champion. Als Tennis-„Wunderkind“ wurde sie bereits 2022 gefeiert, als sie im Alter von 15 Jahren ihr Debüt auf der Tour gab. Ihre Siege bei den Masters-Turnieren in Dubai und Indian Wells im Jahr 2025 weckten Erwartungen, die Andrejewa danach zunächst nicht ganz erfüllen konnte. Mit dem gestiegenen Druck kam die junge Athletin nicht immer klar.

Bei ihrem Titel-Turnier in Paris blieb Andrejewa aber ganz bei sich. Auch im Finale bei windigen Bedingungen gegen die unorthodox spielende Chwalinska, die mit hohen Bällen, viel Slice und zahlreichen Stopps agierte. Die Favoritin meisterte diese Geduldsprobe souverän und stoppte den sensationellen Lauf der polnischen Weltranglisten-114.

„Ich habe mein Bestes versucht, Entschuldigung“, sagte Chwalinska bei ihrer Rede ans Publikum gerichtet. Die 24-Jährige verpasste es, als erst zweite Qualifikantin nach Emma Raducanu (US Open 2021) einen Grand-Slam-Titel zu gewinnen. Ihr Lob an die Siegerin versteckte sie in einer lächelnd vorgetragenen Botschaft: „Du bist so jung und so talentiert – das ist so nervig.“

Quelle: ntv.de, Jörg Soldwisch, dpa

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