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Startseite»Politik»EU schreibt TFA schädliche Wirkung auf die Fortpflanzung zu
Politik

EU schreibt TFA schädliche Wirkung auf die Fortpflanzung zu

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 10, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 10.06.2026 • 18:03 Uhr

Die Chemie- und Pharmabranche setzt Trifluoressigsäure, kurz TFA, als Lösungsmittel und Katalysator ein. Die EU hat nun herausgefunden, dass sich TFA schädlich auf die menschliche Fortpflanzung auswirkt.

Andreas Meyer-Feist

Die EU-Chemikalienbehörde Echa hat die „Ewigkeitschemikalie“ Trifluoressigsäure (TFA) untersucht. Sie kommt als Abbauprodukt in Pestiziden und Kühlmitteln vor und ist eine Untergruppe der PFAS-Substanzen.

Der Prüfausschuss der Behörde stufte TFA als besonders schädlich und absolut unzerstörbar ein. Nach EU-Angaben kann sie die Fruchtbarkeit verringern, das Kind im Mutterleib schädigen sowie Schilddrüse und Leber beeinträchtigen.

Weil sich der Stoff schnell in Wasser auflöst, kann er auch in die Böden und später in das Trinkwasser kommen. TFA kann noch nicht aus dem Abwasser gefiltert werden. Die Einstufung der EU-Behörde könnte die aktuelle Verbotsdebatte rund um die PFAS-Substanzen beeinflussen, zu der auch dieser Stoff gehört. Die EU-Kommission arbeitet an umfassenden Einschränkungen, die die bisher eingeführten Teilverbote ergänzen sollen.

Verbot als Gefahr oder Chance für Industrie?

Das Bundeswirtschaftsministerium sieht ein komplettes Verbot kritisch – mit Blick auf die Probleme der Industrie, PFAS durch weniger schädliche Substanzen zu ersetzen.

Die grüne Europaabgeordnete Jutta Paulus warnte davor, sich mit Teilverboten zufriedenzugeben: „Dann würde schnell jegliche Forschung an Alternativen eingestellt werden – wenn ich weiß, dass das, was ich ersetzen will, sowieso nie beschränkt werden wird.“

Umweltorganisationen kritisch gegenüber TFA

Die Substanz sei „sehr beständig und sehr mobil“ und berge das Risiko, „eine sehr dauerhafte und weit gestreute Kontamination der Wasserressourcen“ zu verursachen, erklärten europäische Umweltorganisationen.

Die Empfehlung des Prüfausschusses könnte Einfluss auf die in vielen Ländern noch längst nicht abgeschlossene Meinungsbildung zu diesem Thema haben. Der Druck auf die EU-Kommission, den Europäischen Rat und das EU-Parlament, eine politische Lösung zu finden, dürfte jetzt noch einmal größer werden.

TFA bisher wichtig für einige Medikamente

TFA ist eine langlebige, synthetisch hergestellte Chemikalie. Sie gehört zur großen Gruppe der PFAS. TFA ist die kleinste aller PFAS-Verbindungen. Kommt sie in die Umwelt, bleibt sie für immer dort. Die Pharmaindustrie nutzt TFA als starkes Lösungsmittel und Katalysator. Es hilft dabei, Wirkstoffe für Medikamente, wie zum Beispiel gegen Diabetes, herzustellen.

Chemiekonzerne nutzen TFA als Grundchemikalie. Gase in Auto-Klimaanlagen, Kühlschränken und Wärmepumpen entweichen oft in die Luft. Dort werden sie durch UV-Strahlung direkt in TFA umgewandelt und regnen in die Umwelt ab. Viele Unkraut- und Pilzvernichtungsmittel in der Landwirtschaft enthalten Fluorverbindungen. Wenn sie zerfallen, bleibt TFA im Boden zurück.

Teil-Verbote haben nur bedingt gewirkt. Die Industrie weicht bisher noch auf andere Ewigkeitschemikalien aus, weil nicht die ganze Stoffgruppe verboten wurde.

Einige PFAS bereits weltweit verboten

Einige besonders gefährliche, „langkettige“ PFAS sind seit Jahren weltweit und in der EU verboten. Daten des Umweltbundesamtes zeigen: Die Konzentration dieser Stoffe im Blut der Bevölkerung geht seit dem Verbot zurück. Die EU-Kommission plant nicht mehr, jeden Stoff einzeln zu prüfen. Stattdessen soll die gesamte Gruppe von allen PFAS-Chemikalien komplett verboten oder stark eingeschränkt werden.

Deutschland setzt bisher auf strenge Trinkwasser-Grenzwerte. Wasserwerke müssen das Wasser auf eine ganze Gruppe dieser Stoffe kontrollieren.

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Dr. Heinrich Krämer
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