Wenn die Hausbank schließt, werden Wege für Kundinnen und Kunden oft länger. Und für den Mittelstand kann das Investitionen erschweren. Größere Banken bieten aber auch neue Perspektiven.
Für viele Menschen auf dem Land verändert es den Alltag, wenn die kleine Bankfiliale von nebenan schließt. Manche Bankhäuser werden kreativ, um Wege zu verkürzen und den Service möglichst zu erhalten.
Doch die Folgen reichen weit über längere Wege hinaus: Auch die Finanzierung von Unternehmen und damit die wirtschaftliche Entwicklung ganzer Regionen können betroffen sein.
Mobile Filialen als Ersatz
Im Landkreis Nordsachsen in Sachsen zeigt sich, was der Rückzug aus der Fläche bedeutet. Dort fährt die Sparkasse Leipzig mit einer mobilen Filiale durch die Dörfer.
Für ältere Kundinnen und Kunden ist diese „Bankfiliale auf Rädern“ oft die einzige einfache Möglichkeit, Überweisungen abzugeben, Bargeld zu holen oder Sparbücher nachtragen zu lassen. Das hilft. Es zeigt aber auch, was vielen älteren Kunden fehlt: eine Bank vor Ort, die regelmäßig geöffnet ist.
Was Filialschließungen für Unternehmen bedeuten
Auch in Hohne in Niedersachsen ist die letzte Bankfiliale weg. Wer Bargeld braucht, bekommt es im Supermarkt an der Kasse. Für viele im Ort klingt das nach einer Notlösung. Inge Häveker fährt mit dem Bus nach Lachendorf, um Geld zu holen und Kontoauszüge zu ziehen. Die Rückfahrt wird zum Problem: Der nächste Bus kommt erst eineinhalb Stunden später.
Maren Busse, Friseurmeisterin im Ort, muss ihre Bareinnahmen mit dem Auto zur Bank bringen. Sie sagt, sie fühle sich als kleine Unternehmerin von der Sparkasse allein gelassen.
Viele Filialen verschwinden
Seit 1970 ist die Zahl der Sparkassen um fast 60 Prozent gesunken, die Zahl ihrer Filialen hat sich ungefähr halbiert. Noch drastischer ist der Rückgang bei den Genossenschaftsbanken: Von den Instituten sind mehr als 90 Prozent verschwunden.
Auch die privaten Banken ziehen sich stark aus der Fläche zurück. In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben sie rund zwei Drittel ihrer Standorte abgebaut.
Digitalisierung und Regulierung treiben Fusionen
Christoph Kaserer, Professor für Finanzmanagement und Kapitalmärkte an der Technischen Universität München, nennt im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk zwei Hauptgründe. Der erste ist das Online-Banking. Immer mehr Geschäfte laufen digital. Hinzu kommt die Personalfrage: Filialen sind teuer, weil sie Beschäftigte brauchen. Banken verlagern deshalb Leistungen ins Netz.
Der zweite Grund ist für Kaserer problematischer: Regulierung. Kleine Banken müssten viele Vorgaben mit weniger Personal und weniger Gewinn stemmen als große Institute. Kaserer verweist auf Schätzungen von 20.000 bis 50.000 Seiten Regeln. Diese sollen Kunden schützen und das System stabil halten. Für kleine Banken werden sie aber selbst zum Kostenproblem.
Negative Folgen für Kreditvergaben
Für kleine und mittlere Unternehmen kann der Rückzug schwerer wiegen. Kaserer sagt im Interview mit dem ARD-Wirtschaftsmagazin Plusminus, Kreditvergabe sei immer auch Risikoeinschätzung. Eine Bank vor Ort kenne ein Unternehmen besser. Dadurch falle die Kreditentscheidung leichter.
Wenn Banken verschwinden, könne deshalb die eine oder andere Investition ausfallen. Für den regionalen Mittelstand sei das eine schlechte Nachricht.
Das stützt auch eine Studie zum „Relationship Lending“ der Universität Rostock und der Universität Augsburg. Sie zeigt für Deutschland: Beziehungen zwischen Banken und kleinen und mittleren Unternehmen beeinflussen Kreditverfügbarkeit, Zinsen und Sicherheiten. Entscheidend sind nicht nur Zahlen in der Bilanz. Wichtig sind auch Vertrauen und Kontakte zwischen Kundenberater und Geschäftsführung.
Welche Chancen größere Institute bieten
Trotzdem ist nicht jede Fusion per se ein Verlust. Größere Institute können Kosten senken. Wird eine kleine, wenig liquide Bank von einer größeren und liquideren Bank übernommen, kann das Unternehmen bei Anschlussfinanzierungen auch helfen.
Entscheidend ist, ob die neue Bank die regionale Nähe erhält. Ohne dieses Wissen aus der Fläche droht aus einer effizienten Struktur ein anonymer Markt zu werden.
Das Bankensterben ist deshalb mehr als eine Frage von Filialen. Es geht um Zugang zu Bargeld, Beratung und Krediten. Für viele Kundinnen und Kunden geht es um Selbstständigkeit. Für den Mittelstand geht es um Investitionen. Und für Regionen geht es um die Frage, wie viel Nähe ein digitales Bankensystem noch bieten kann.
