Nach Sprengstoffdrohnen-BeschussIsrael greift Hisbollah-Ziele in südlichen Vororten Beiruts an
Der gegenseitige Beschuss Israels und der Hisbollah eskaliert weiter. Die Terrormiliz greift Israel mit Sprengstoffdrohnen an. Daraufhin ruft Israel zur Evakuierung von fast 30 Orten im Süden des Libanon auf. Nun folgt die Reaktion der israelischen Armee auf die Attacken.
Nach Angriffen der libanesischen Hisbollah-Miliz auf den Norden Israels hat die israelische Luftwaffe erneut Ziele in Vororten der libanesischen Hauptstadt Beirut angegriffen. Es seien „Terrorziele“ der Hisbollah in den als Dahija bekannten südlichen Vororten beschossen worden, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und des Verteidigungsministers Israel Katz. „Der Angriff erfolgte als Reaktion auf den Beschuss israelischen Territoriums durch die Hisbollah.“ Auch die israelische Armee teilte mit, es sei Hisbollah-Infrastruktur in Dahija angegriffen worden.
Arabische Fernsehsender zeigten Bilder eines Luftangriffs in dem Gebiet. Dabei stiegen hohe Rauchwolken auf. Anwohner berichteten örtlichen Medien zufolge von mindestens zwei Explosionen. Es gab zunächst keine Informationen zu möglichen Opfern.
Die Hisbollah hatte zuvor nach israelischen Militärangaben erneut den Norden Israels mit mehreren Sprengstoffdrohnen angegriffen. Das israelische Militär teilte mit, es habe zwei Einschläge auf israelischem Gebiet nahe der Grenze zum Libanon gegeben. Niemand sei verletzt worden. Zuvor hatten in mehreren Orten an der Nordgrenze Warnsirenen geheult. Das israelische Nachrichtenportal „ynet“ berichtete, eine Drohne sei im Bereich des Grenzorts Schlomi eingeschlagen. Von der Hisbollah gibt es bisher keine Stellungnahme zu den Angriffen.
Evakuierung der Vororte angekündigt
Kurz nach den Einschlägen hat die israelische Armee die Menschen in 29 Orten im Süden des Libanon dazu aufgerufen, sich wegen geplanter Angriffe in Sicherheit zu bringen. Der arabischsprachige Armeesprecher Avichay Adraee gab bei X zwei aufeinanderfolgende Warnungen aus, zunächst eine für 13 Orte im Süden des Libanon, anschließend für 16 weitere Orte nördlich des Flusses Sahrani. Auch Netanjahu hatte Angriffe auf die südlichen Vororte von Beirut angekündigt, sollte die Hisbollah Ziele im Norden Israels angreifen.
Der rechtsextreme israelische Finanzminister Bezalel Smotrich schrieb dazu in einem Post auf X, der Angriff sei ein Test der „Dahija-Doktrin“, die Netanjahu erklärt habe. Dahija sind die Vororte Beiruts, die als Hochburg der proiranischen Hisbollah-Miliz bekannt sind. Dort leben auch viele Zivilisten.
Smotrich forderte von Netanjahu, „noch heute“ Gebäude in Dahija zu zerstören. „Wir befinden uns in entscheidenden Tagen für die Gestaltung der Region auf viele Jahre hinaus“, schrieb der rechtsextreme Minister. „Wir haben den Bewohnern des Nordens Sicherheit versprochen – und dieses Versprechen müssen wir einhalten!“ Der israelische Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir erklärte auf X, Dahija müsse „erzittern“.
Hisbollah lehnt Waffenruhe ab
Bereits am Samstag hatte Israels Armee erneut Angriffe auf Ziele der Hisbollah-Miliz im Süden des Libanon geflogen. Eigentlich gilt im Libanon seit dem 17. April eine Waffenruhe. Israel und die Hisbollah-Miliz greifen sich dessen ungeachtet weiter täglich an. Anfang Juni einigten sich Israel und der Libanon in einem neuen Vorstoß auf eine Umsetzung der Waffenruhe. Die Hisbollah lehnte dies jedoch ab.
Der Libanon war Anfang März in den Iran-Krieg hineingezogen worden. Der mit der Hisbollah verbündete Iran will als Teil eines Rahmenabkommens mit den USA zur Beendigung des Iran-Kriegs auch eine Waffenruhe im Libanon erreichen. Israel ist jedoch strikt gegen eine solche Verbindung der beiden Fronten. Im Libanon strebt Israel eine Zerstörung der Hisbollah und eine Friedensregelung mit der Regierung an. Die Hisbollah fordert unter anderem einen vollständigen Abzug israelischer Bodentruppen aus dem Land.
