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Startseite»Nachrichten»Kratom oder 7-OH: „Tankstellen-Heroin“ besorgt US-Experten
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Kratom oder 7-OH: „Tankstellen-Heroin“ besorgt US-Experten

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 17, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Kratom oder 7-OH„Tankstellen-Heroin“ besorgt US-Experten

Im Internet wird Kratom als Pulver, Tee, Extrakt oder Kapseln angeboten. (Foto: picture alliance / Sipa USA)

Eine neue Droge mit hochpotentem 7-OH und unbekannten Chemikalien alarmiert die US-Behörden. Experten warnen bereits vor der nächsten Opioid-Welle – und lebensgefährlichem Mischkonsum.

In den USA zeichnet sich das Aufkommen einer neuen Droge ab, deren Gefährlichkeit Expertinnen und Experten bereits Sorge bereitet. Der Tiktoker und Apotheker Grant Harting berichtet in einem Post, er habe kürzlich eine Pille an einer Tankstelle gekauft, die „superkonzentrierte“ Mengen des potenziell tödlichen Narkotikums 7-OH sowie einen Cocktail aus möglicherweise giftigen, unbekannten Chemikalien enthielt.

Die Chemikalie stammt aus der Kratompflanze – einer jahrhundertealten Heilpflanze, die nun zur Herstellung einer weitaus stärkeren Droge verwendet wird. Das psychoaktive Pflanzenprodukt aus den Blättern des tropischen Baums Mitragyna speciosa wirkt in niedrigen Dosen stimulierend und in höheren sedierend oder opioidähnlich. Die wichtigsten aktiven Alkaloide sind Mitragynin und 7 Hydroxymitragynin – genannt 7-OH, die an Opioidrezeptoren binden und so ihre Wirkungen entfalten.

Hartings Kauf entwickelte sich „von einer sehr heiklen und gefährlichen Situation zu einer unglaublich verrückten und gefährlichen Angelegenheit“, sagte er, nachdem er die Pille zur Analyse in ein Labor geschickt hatte. Sie enthielt technisch gesehen zwei Dosen, aber es war kaum möglich, sie zu halbieren – selbst als er mit einer Rasierklinge daran herumschnitt. Hartings Analyse von weiteren Tabletten, die er an verschiedenen Tankstellen gekauft hatte, ergab zudem „einige zusätzliche Chemikalien, von denen wir nicht genau wissen, was sie sind“.

Besorgniserregende Zahlen

Die beim US-Gesundheitsministerium angebundenen Centers for Disease Control and Prevention beobachten bereits seit Jahren einen Anstieg der Krankenhauseinweisungen und Todesfälle im Zusammenhang mit Kratom. Auch die Anrufe bei US-Giftnotrufzentralen zeigen erhebliche Steigerungen im Zusammenhang mit der Substanz. Im vergangenen Jahr wurde mit 3434 Meldungen ein Rekord aufgestellt, im Vergleich zu nur 258 Meldungen vor zehn Jahren. Deutlich mehr Krankenhauseinweisungen sind ebenfalls ausschließlich auf Kratom zurückzuführen.

Laut der US-amerikanischen Drogenbekämpfungsbehörde (Drug Enforcement Administration ) kann Kratom eine Reihe von Nebenwirkungen hervorrufen, darunter Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Schläfrigkeit, Mundtrockenheit, Juckreiz, Appetitlosigkeit und Muskelschmerzen. Schwerwiegendere Komplikationen wurden bei starkem oder chronischem Konsum oder bei der Mischung mit anderen Substanzen wie illegalen Drogen, Antidepressiva oder Alkohol berichtet. Dazu können Organschäden, Bluthochdruck, Herzrasen, Psychosen, Atemprobleme, Krampfanfälle, Muskelabbau, Substanzgebrauchsstörungen und Entzugserscheinungen gehören. Laut CDC haben 80 Prozent der Todesfälle im Zusammenhang mit Kratom ihre Ursache in Mischkonsum.

Die Food and Drug Administration (FDA), die Lebensmittel, Arzneimittel und verschiedene Gesundheitsprodukte überwacht und reguliert, bezeichnet 7-OH bereits als „die nächste Welle der Opioid-Epidemie“. Die Bundesbehörde ist für den Stoff zuständig, weil er in den meisten US-Bundesstaaten noch immer völlig legal in Gummibärchen, Getränken und sogar Eiscreme enthalten ist. Die Hersteller sind in vielen Bundesstaaten nicht verpflichtet, 7-OH bei den Inhaltsstoffen anzugeben.

Oliver Grundmann von der Pharmakologischen Fakultät der Universität von Florida warnte in der „New York Post“, dass 7-OH als „Kratom“ verkauft werde, es sich aber nicht um das bisher verwendete Blattmaterial handele. „Es ist viel potenter, was bedeutet, dass man weniger davon benötigt, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.“

Im Internet wird Kratom als Pulver, Tee, Extrakt, Kapseln oder „Herbal Speed“ bzw. „natürliches Nahrungsergänzungsmittel“ angeboten, oft mit dem Hinweis, dass es „nicht für den Verzehr geeignet“ ist. In Deutschland ist es aktuell nicht als Arzneimittel zugelassen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) rät ausdrücklich von der Anwendung zu medizinischen Zwecken ab, weil Sicherheit und Wirksamkeit nicht ausreichend geprüft sind. Viele europäische Staaten haben den Erwerb oder Besitz bereits eingeschränkt oder verboten und Kratom als süchtig machende und potenziell gesundheitsschädliche Substanz eingestuft.

Quelle: ntv.de, sba

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