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Startseite»Nachrichten»Wieduwilts Woche: Merz hat recht: Die Familienunternehmer müssen laut werden
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Wieduwilts Woche: Merz hat recht: Die Familienunternehmer müssen laut werden

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 20, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Wieduwilts WocheMerz hat recht: Die Familienunternehmer müssen laut werden

Merz wollte zu mehr öffentlicher Einmischung ermutigen, formulierte aber wieder am Ziel vorbei. (Foto: picture alliance / Flashpic)

Die deutsche Debatte hängt schief: Die Gewerkschaften sind laut, die großen Wirtschaftsverbände auch, aber die wohlstandsrelevantesten Unternehmen sind es nicht. Am lautesten sind allerdings Misstöne des Kanzlers.

Friedrich Merz hat es wieder getan: Er hat im Freibad ein schönes Picknick kredenzt mit Crepes, Weintrauben und sauber gefalteten Servietten – um direkt danach eine Arschbombe vom Fünfer zu zünden.

Die Republik redet diese Woche, nebst Fußball und Trump, auch über einen kanzlerschen Golfplatzkommentar: Merz sagte einer hörbar genervten Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller nämlich, er treffe viele Unternehmer häufiger auf dem Golfplatz als abends in der Talkshow. Hängengeblieben ist vor allem: Golfplatz.

Gefallen ist der Kommentar bei einem Gespräch auf der großen Sause der Familienunternehmen in Berlin. Beide Verbände, die gediegene Stiftung Familienunternehmer und der etwas grellere Verband „Die Familienunternehmer“, luden ein zum Debattieren.

Diese Unternehmen bauen noch Dinge!

Der Zeitpunkt ist vital: Deutschlands Wirtschaft basiert wesentlich auf dieser Gattung, von Tankern wie Trumpf bis zum sprichwörtlichen schwäbischen Schraubenhersteller ist alles vertreten. Kaum vorstellbar: Diese Unternehmen bauen noch Dinge und filmen sich nicht nur für Instagram – oder schreiben Kolumnen ins Internet.

Und die Familienunternehmer haben seit langer Zeit beißende Dauermigräne: Die Energie ist viel zu teuer und die Arbeitsstunden auch. Außerdem ist die schöne Zeit vorbei, als man sich hierzulande neue Produkte ausdachte und China nur die verlängerte Werkbank war. Inzwischen sind die Chinesen vorn und so weiter und so fort. Kurz: Die Hütte brennt. Manche machen den Laden lieber dicht, als ihn ihren Kindern zuzumuten, sagte die Trumpf-Chefin sinngemäß.

Das Drama war also perfekt, vor allem für Kommentatoren und Medien mit Lust an Debattenverwüstung: Ha, da kann man mal sehen, der feine Herr Wirtschaftskanzler Merz versaut es sich nun auch noch mit den Unternehmern! Den Satz „hilft doch nur die AfD“ kann und darf man sich wohl dazu denken.

Der Kanzler hatte recht

Dabei hatte der Kanzler, jawohl, recht. Familienunternehmen sind eine vornehme, meist stille Spezies. Sie tummeln sich normalerweise nicht in der Politik, sie bevölkern nicht die Talkshows und sie reden selten acht Stunden im Interviewpodcast. Einige wenige Ausnahmen gibt es, jeder kennt etwa Wolfgang Grupp von Trigema, vor allem wegen des Affen damals – aber das Gros ist still.

Dafür gibt es strukturelle Gründe: Familienunternehmer brauchten sich den Erfolg nicht politisch zu erkämpfen. Der kam von allein, wenn man nur fleißig arbeitet und Qualität abliefert. Das verbindet sich mit protestantischen Idealen, kurz gesagt, man arbeitet und quasselt nicht.

Familienunternehmer bleiben auch gern in der Deckung, weil sie bei zu viel Präsenz fürchten, man könnte ihnen etwas wegnehmen. Linke Politiker etwa wünschen sich Erbschafts- und Einkommenssteuerreformen, die den Familien, aber eben auch ihren Unternehmen ordentlich ans Eingemachte gingen.

Hinzu kommt etwas anderes, das kaum jemand auf dem Schirm hat – außer den Familien selbst, die dafür umso schmerzhafter: Erfolgreiche Familienunternehmer sind wohlhabend und daher im Visier von Kriminellen, die beispielsweise ihre Kinder entführen, um die Cashcow ordentlich zu erleichtern. Manch einer möchte daher sein Gesicht und das anderer Familienmitglieder lieber gar nicht in der Öffentlichkeit sehen.

Familienunternehmer sind Leisetreter

Übertrieben? Mag sein. Jedenfalls macht es Familienunternehmer oft zu Leisetretern. Zumal viele Unternehmenslenker es überhaupt nicht gewohnt sind, in einer überreizten Öffentlichkeit aufzutreten. Sie können vor die Leute am Band treten, aber dürften sich bei Miosga & Co. schnell um Kopf und Kragen reden.

Diese Befindlichkeiten kennt das andere Ufer nicht: Gewerkschafter, insbesondere Betriebsräte, leben von und für die Lautstärke – zumal in Zeiten des Mitgliederschwunds. Was sie sagen, ist weniger verfänglich als etwa „Baut uns Atomkraftwerke“ oder „Wir wollen nicht so viele Steuern zahlen“. „Finger weg vom 8-Stunden-Tag“ mag Familienunternehmer aufregen, aber ist doch egal – die hört ja niemand.

Das meinte Merz. Er fragte vor seinem Golfplatz-Debakel auch, wo denn die Podcasts seien, die die Familienunternehmer regelmäßig bespielen. Ich weiß es auch nicht. „Gehen Sie regelmäßig in Interviews?“, fragte Merz. Doch es war eben ein Merz-Auftritt. Und daher bleibt, wie so oft bei Merz‘ Auftritten, ein diskursiver Trümmerhaufen, unter dem irgendwo ein richtiger Satz seinen letzten Atem aushaucht. Man wünscht sich, er wäre so zurückhaltend wie ein schwäbischer Schraubenbauer.

Quelle: ntv.de

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