Spätere Rente, private VorsorgeBericht: Kommission einigt sich auf heikle Rentenreform
Ein Expertengremium beschließt einem Medienbericht zufolge einen Reformplan, der das Berufsleben vieler Menschen verlängern soll. Die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren soll demnach wegfallen. Zudem soll der Staat künftig weniger verbeamten.
Die Rentenkommission hat sich nach Informationen von ZDFheute früher als erwartet auf ein gemeinsames Reformpaket verständigt. Demnach sollen die Menschen künftig länger arbeiten, die abschlagsfreie Rente mit 63 soll wegfallen. Zugleich empfiehlt das Gremium, die gesetzliche Rente künftig auch stärker über den Kapitalmarkt abzusichern.
Das Paket umfasst dem Bericht zufolge 30 Empfehlungen und wird von allen 13 Kommissionsmitgliedern als Gesamtwerk getragen. Die Kommission verstehe ihre Vorschläge ausdrücklich nicht als loses Ideenbuffet, aus dem sich die Regierung einzelne Punkte herauspicken kann, sondern als zusammenhängenden Reformplan.
Im Zentrum steht dem ZDF zufolge das Renteneintrittsalter. Es soll nach den Vorstellungen der Kommission ab 2032 weiter steigen – allerdings sei von der befürchteten „Rente mit 70“ keine Rede. Grundlage soll ein sogenanntes Zwei-zu-eins-Modell sein: Wenn die Lebenserwartung um ein Jahr steigt, sollen die Menschen davon acht Monate länger arbeiten und vier Monate länger Rente beziehen. Nach den derzeitigen Prognosen steigender Lebenserwartung bedeute das einen Anstieg des Renteneintrittsalters von einem halben Jahr pro Jahrzehnt, also eine Rente mit 69 erst im Jahr 2071 und eine Rente mit 70 sogar erst 2091.
Rente mit 63 soll gestrichen werden
Auch bei einem anderen Reizthema hat sich die Kommission offenbar geeinigt: Die Rente mit 63 soll abgeschafft werden. Eine starre Orientierung allein an der Lebensarbeitszeit lehnt das Gremium laut ZDFheute ab. Die Sonderregelung belaste die Rentenkassen erheblich und entziehe dem Arbeitsmarkt dringend benötigte Fachkräfte.
Hinzu kommt eine weitere unpopuläre Empfehlung: Der derzeit ausgesetzte Nachhaltigkeitsfaktor soll nach 2031 wieder greifen. Damit würden Rentenerhöhungen stärker an das Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern gekoppelt – und nicht mehr so eng an die Lohnentwicklung. Für viele Rentner hieße das auf lange Sicht: Die Bezüge würden voraussichtlich weniger stark steigen.
Neben der umlagefinanzierten gesetzlichen Rente soll eine verpflichtende kapitalgedeckte staatliche Altersvorsorge aufgebaut werden. Als Vorbild gilt Schweden. Künftig sollen Arbeitnehmer und Arbeitgeber demnach zusätzlich zwei Prozent für individuelle Rücklagen über staatliche und private Fonds aufbauen.
Weniger Beamte?
Auch bei den Beamten schlägt das Gremium zwei grundsätzlich neue Maßnahmen vor: Nach dem Bericht soll künftig nur noch für hoheitliche Aufgaben verbeamtet werden. Das könnte die Zahl der Beamten etwa an Schulen und Hochschulen verringern. Außerdem sollen Bund und Länder verpflichtet werden, für Pensionen konsequent Rücklagen zu bilden.
Auffällig ist in dem ZDF-Bericht zugleich, woran die Kommission nicht rütteln will. Die von der schwarz-roten Koalition bereits beschlossenen rentenpolitischen Maßnahmen – darunter die von der CSU durchgesetzte Mütterrente III und die von der SPD verteidigte Haltelinie beim Rentenniveau von 48 Prozent bis 2031 – bleiben unangetastet. Zwar seien beide Maßnahmen von Fachleuten sehr kritisch gesehen worden, doch die Kommission wolle nicht in bereits geltende Gesetze eingreifen.
Am Montag wird sich die Rentenkommission ein letztes Mal treffen, um jedoch nur Formalia zu besprechen. Am Dienstag sollen die Empfehlungen Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas übergeben werden.
