WM-Schmach für Ecuador
Torwart-Nobody liefert Spiel für die WM-Geschichtsbücher
Ecuador wird als Geheimfavorit für die WM gehandelt. Nun droht nach der Nullnummer gegen Curacao das schnelle Aus. Den Südamerikanern hilft wohl nur ein Sieg gegen Deutschland.
Ecuadors Stars um die Champions-League-Finalisten Piero Hincapie vom FC Arsenal und William Pacho von Paris Saint-Germain sanken nach der Schmach auf den Rasen von Kansas City. Der nächste deutsche WM-Gegner mit einem Gesamtmarktwert von rund 370 Millionen Euro ist an einem 37 Jahre alten Torwart-Nobody verzweifelt und hat sich gegen den Fußball-Zwerg Curacao eine Nullnummer geleistet. „Es ist eine harte Zeit für die Fans“, räumte Trainer Sebastián Becaccece ein.
Im letzten Gruppenspiel gegen Deutschland geht es am kommenden Donnerstag (22 Uhr/ARD und MagentaTV sowie im ntv.de-Liveticker) nicht mehr wie erhofft um den Gruppensieg. Sondern nach zwei Spielen, null Toren und gerade mal einem Punkt nur um den Verbleib bei der XXL-WM. „Wir müssen nun ein Team schlagen, das wir noch nie zuvor geschlagen haben“, sagte der Argentinier Becaccece. Sein Zusatz „Warum nicht?“ klang fast schon nach einer rhetorischen Frage.
Es braucht jetzt die Curacao-Sensation
Das Team um Pacho, Hincapie und 115-Millionen-Euro-Transfer Moises Caicedo vom FC Chelsea steht in der Gruppe E tatsächlich am Abgrund. Nur ein Sieg gegen die makellose DFB-Elf, die bereits als Gruppensieger feststeht, dürfte noch ins Sechzehntelfinale führen. Und wenn Curaçao (1 Punkt) nicht sensationell die Elfenbeinküste (3) besiegt, führt für Ecuador selbst bei einem Erfolg über Deutschland der Weg nur noch über die besten Dritten ins Ziel.
Das späte 0:1 gegen die Elfenbeinküste und das 0:0 trotz klarer Überlegenheit gegen den Debütanten sind unglückliche Ergebnisse für die Ecuadorianer, die in der Qualifikation in Südamerika noch Platz zwei hinter Weltmeister Argentinien belegt hatten. Im Arrowhead-Stadium von Kansas City kamen sie am Samstagabend einfach nicht an Eloy Room, der 15 Chancen Ecuadors vereitelte, vorbei. Seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 1966 hatte nie ein Keeper mehr Chancen während der regulären Spielzeit vereitelt.
„Ein bisschen ärgere ich mich …“
„Es klingt wirklich schön, wenn man das alles so zusammenzählt, aber während des Spiels habe ich darüber überhaupt nicht nachgedacht“, sagte Room: „Aber natürlich wusste ich, dass es ein intensives Spiel war, mit vielen Paraden.“ Die Bestmarke in einem WM-Spiel bleibt aber weiter bei Tim Howard. Der Torhüter der USA verzeichnete bei der WM 2014 im Achtelfinale gegen Belgien (1:2) sogar 16 Paraden, durfte aber dank Verlängerung damals eben 120 Minuten lang spielen.
„Ein bisschen ärgere ich mich, dass ich den Rekord von Tim Howard nicht erreicht habe“, so Room: „Aber ich glaube, er hat beim Zuschauen des Spiels schon geschwitzt, weil ich ihm ziemlich nahe gekommen bin. Aber nein, es ist unglaublich.“ Room hätte Howards Rekord fast eingestellt, doch beim späten Lattentreffer von Angelo Preciado (90.) musste der Torhüter des FC Miami nicht mehr eingreifen.
Er habe das aber „nicht allein“ geschafft, betonte der 72-malige Nationalspieler: „Ich habe das gemeinsam mit der Mannschaft gemacht – mit meinen Verteidigern, den Mittelfeldspielern und den Stürmern. Wir haben das als Team geschafft.“ Für ihn sei es „etwas ganz Besonderes, aber gleichzeitig ist es auch einfach mein Beruf. Deshalb habe ich versucht, der Mannschaft zu helfen“, so Room. Das habe diesmal „perfekt funktioniert“.
Verwendete Quellen: ntv.de, tno/dpa/sid
