Experten haben monatelang nach Lösungen gesucht, um die Altersbezüge bei einer älter werdenden Bevölkerung stabil zu halten. Nun sind ihre Rentenvorschläge bekannt geworden – und werden heftig debattiert.
Die rentenpolitische Sprecherin der Linkspartei im Bundestag, Sarah Vollath, nennt die Vorschläge nichts anderes als massive Rentenkürzungen. Die CDU/CSU klatsche laut in die Hände.
In der Rheinischen Post spricht die Linken-Politikerin von Kürzungen, die Menschen mit kleinen Einkommen hart treffen würden. Vollath sagte, schon heute schafften es viele Menschen nicht, bis 67 zu arbeiten. Das Arbeitsleben zu verlängern, sei völlig realitätsfern.
Ökonom fordert weitere Schritte
Der Ökonom Marcel Fratzscher vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin nennt die schrittweise Erhöhung des Renteneintrittsalters ein kluges und richtiges Element. Für ihn gehen die Vorschläge der Rentenkommission in die richtige Richtung, bleiben aber insgesamt zu vorsichtig.
Fratzscher sagt in der Rheinischen Post, es ändere sich auf absehbare Zeit nichts Grundlegendes an Altersarmut, der starken Belastung der jungen Generation und der Schieflage bei der Gerechtigkeit. Unter anderem nennt Fratzscher die empfohlene schrittweise Erhöhung des Renteneintrittsalters sehr langsam. So lasse sich die junge Generation kaum entlasten.
Vorschlag für einen Staatsfonds
Künftig soll nach Empfehlung der Rentenkommission das Renteneintrittsalter an die durchschnittliche Lebenserwartung gekoppelt sein. 40 Jahren als Beitragszahler sollen danach etwa 20 Jahre als Rentnerin oder Rentner folgen.
Den Vorschlag der Kommission, ein kapitalgedecktes Element bei der Altersvorsorge nach schwedischem Vorbild einzuführen, bewerten Ökonominnen und Ökonomen unterschiedlich: Fratzscher vom DIW weist auf die dadurch steigenden Kosten hin, die Unternehmen und Beschäftigte zusätzlich belasten würden.
Der Wirtschaftswissenschaftler Jörg Althammer von der Katholischen Universität Eichstätt sieht es positiv, wenn das Rentensystem durch den Kapitalmarkt stabilisiert würde – etwa durch einen Staatsfonds. Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios sind in der Rentenkommission nach 150 Stunden Sitzungszeit etwa 30 Empfehlungen entstanden, auf die sich Unions- und SPD-Mitglieder des Gremiums am Ende einigen konnten.
SPD-Mitglied: „immer fair und an der Sache orientiert.“
Annika Klose, SPD-Mitglied der Kommission sagt zu der Arbeitsgruppe, sie habe die Kommissionsarbeit sehr konstruktiv und sehr fachlich orientiert wahrgenommen. „Man muss sich ja auch vor Augen halten, es war eine mehrheitlich wissenschaftlich besetzte Kommission mit einem sehr breiten Auftrag, Lebensstandardsicherung über alle drei Säulen für niedrige und mittlere Einkommen bei einer nachhaltigen Finanzierung sicherzustellen.“ Und natürlich sei es auch mal hitzig zugegangen in den Diskussionen. „Aber im Grundsatz würde ich sagen, war es immer fair und an der Sache orientiert.“
Ihre Vorschläge will die Rentenkommission am Dienstag ihrem Auftraggeber – der Bundesregierung – übergeben. Diese will dann daraus eine Reform entwickeln.

