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Reisners Blick auf die Front: „Die Drohnenangriffe tragen die Handschrift von Trumps Tech-Bros“

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 22, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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Reisners Blick auf die Front„Die Drohnenangriffe tragen die Handschrift von Trumps Tech-Bros“

22.06.2026, 19:59 Uhr Von Frauke Niemeyer
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Elon Musk, Starlink-Chef, und Alex Karp, CEO von Palantir, beim Forum für Künstliche Intelligenz des US-Senats in Washington. (Foto: IMAGO/ABACAPRESS)

Seit Tagen attackieren die Ukrainer mit Hunderten Drohnen den Nachschub für die Halbinsel Krim. Dahinter steht ein Plan, der vor drei Jahren noch gescheitert ist. Nun sieht Oberst Reisner Chancen, denn Kiew hat Trumps Tech-Bros hinter sich.

ntv.de: Oberst Reisner, in der vergangenen Woche hat die ukrainische Armee täglich teils mit 300, 500 oder noch mehr dokumentierten Drohnen Russland oder russisch besetztes Gebiet angegriffen. Welche Effekte sehen Sie?

Markus Reisner: Erinnern Sie sich an die Sommeroffensive der Ukraine 2023? Damals scheiterte sie mit dem Versuch, mit zwei Angriffskeilen zu Lande bis zum Asowschen Meer vorzustoßen, kombiniert mit Angriffen auf die Brücke über die Straße von Kertsch. Ziel dieser Operationsführung war, die Krim von der Logistik abzuschneiden. Durch derart hohen Druck wollte man Wladimir Putin zu Verhandlungen zwingen.

Das hat damals nicht funktioniert.

Weil es weder gelungen ist, die Brücke über die Straße von Kertsch zu zerstören, noch haben die Landangriffe wirklich Wirkung entfaltet. Heute weiß man, dass der damalige Oberbefehlshaber, General Saluschnyj, anfan Juni schon vier Tage nach Beginn aufgrund der schweren Verluste die Operation abbrechen musste. Bemerkenswert ist: Jetzt versucht die Ukraine, dasselbe Ziel zu erreichen. Doch jetzt setzt sie Drohnen ein – wir sind endgültig im 21. Jahrhundert angekommen

Welchen Teil des Plans übernehmen die Drohnen?

Sie versuchen, teils durch Künstliche Intelligenz gesteuert, die Logistikrouten auf den Wegen zur Krim zu unterbrechen. Zudem treffen die Ukrainer offensichtlich Vorbereitungen, wieder die Kertsch-Brücke anzugreifen. Die Idee ist dieselbe wie 2023: Es geht um die Isolierung des Großraums Krim von der Versorgung der Russen, um so viel Druck zu erzeugen, dass die Russen verhandeln müssen.

Auf welchem Niveau findet das derzeit statt? Stehen die Ukrainer am Anfang dieses Prozesses oder ist er schon weit fortgeschritten?

Es kursieren Videos, die den Rückschluss zulassen, dass im Schnitt pro Tag 10 bis 30 Fahrzeuge der Russen zerstört werden. Das heißt, im Schnitt gibt es täglich etwa 100 Angriffe. Das erzeugt einen enormen Druck auf die Logistik der Russen.

Sie sagen immer, ein Ergebnis wird erst dann zum Erfolg, wenn es messbar ist. Wirken sich die Zerstörungen schon spürbar aus?

Es lässt sich nicht genau sagen, wie groß auf russischer Seite der tatsächliche Bedarf an Treibstofflieferungen auf die Krim ist. Erkennbar ist jedoch, dass Treibstoff auf der Halbinsel bereits rationiert wird und für Zivilisten nicht mehr zugänglich ist. Aus meiner Sicht sind die abgefangenen Treibstoffkonvois also in ihrer Menge bereits signifikant, das ist meßbar schmerzhaft für die Russen.

Derzeit wird viel vom Drohnentyp Hornet gesprochen. Kommt der bei diesen Angriffen zum Einsatz?

Wir unterscheiden zwischen Drohnenangriffen auf strategischer Ebene, also gegen weit entfernte Ziele wie Raffinerien, Energieanlagen oder gegen Moskau, und operativen Angriffen, etwa gegen die Krim-Versorgung. Bei Letzteren kommen sogenannte Mid Range Systeme zum Einsatz, wie auch die Hornet. Sie ist mit KI bereits in der Lage, Ziele selbstständig zu erfassen und sich in diese hineinzustürzen.

Dabei soll sie spottbillig sein.

Mit etwa 5000 Dollar Kosten pro Stück ist die Hornet tatsächlich relativ billig herzustellen und das in hohen Stückzahlen. Das ermöglicht es den Ukrainern, diesen Druck aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Ich zeige Ihnen ein Video, auf dem der Angriff einer Hornet zu sehen ist, dem ein russischer LKW im letzten Moment ausweicht. Die Hornet ist eine Kooperation zwischen internationalen Unternehmen und einer ukrainischen Drohneneinheit, die sich Wild Hornets, also Wilde Hornissen, nennt. Eine ähnliche Entwicklung wie bei den Hornets sehen wir übrigens auch auf strategischer Ebene. Dort gab es in den vergangenen Tagen mehrere Wellen von schweren Angriffen mit mindestens 300 Drohnen pro Tag. Das hat einen riesigen Unterschied gemacht.

Woher nimmt die Ukraine diese Fähigkeit, gerade jetzt diese Unterschiede zu machen? 

Ich bin überzeugt, dass die Ukraine im Moment massive Unterstützung der amerikanischen Big-Tech-Unternehmen bekommt, auf verschiedenen Ebenen. Denken Sie an Maven und Prisma, zwei Programme von Palantir, die der Ukraine bei Zielerfassung und Raketenabwehr helfen. Das Projekt Hornet geht unter anderem auf Eric Schmidt zurück, den langjährigen CEO von Google. Schmidt hat der Ukraine eine langfristige Kooperation angeboten. Eines der Ergebnisse ist dieses Format.

Was hat Schmidt gemacht? Investiert?

Er wird vor allem als Investor im Hintergrund tätig gewesen sein. Aber es wird auch einen Auftrag von US-Präsident Donald Trump an Leute wie Schmidt, Palantir-Chef Alex Karp und andere geben, sich der Unterstützung der Ukraine anzunehmen. Nachdem das US-Militär mit Blick auf Abnutzungskrieg und Waffenlieferungen offensichtlich an seine Grenzen gekommen ist, erkenne ich hier die Handschrift der sogenannten Tech-Bros von Trump. Elon Musk hat dabei mit Starlink schon früh den Anfang gemacht.

Da ist die Abhängigkeit von den US-Firmen sehr direkt, oder?

Ja. Wenn wir Maven von Palantir als Beispiel nehmen: Das Programm wird eingebunden, indem es Satellitenaufnahmen, unter anderem des US-Militärs, mehrmals am Tag auf Abweichungen gegengecheckt. Damit kann die Ukraine klar erkennen, wo sich aktuell russische Flugabwehrstellungen befinden, wo Ziele getroffen wurden und wo nicht. Basierend darauf werden weitere Einsätze geplant. Oft fungiert dann eine erste Drohnenwelle als Köder für die russischen Flugabwehrsysteme. Dabei werden jedoch ihre Detektionssignale und somit ihre Standorte erkannt. Eine zweite Drohnen-Welle schaltet die Abwehrsysteme dann gezielt aus, damit die dritte Welle durchkommt und ihre Ziele trifft. Der ganze Prozess ist KI-unterstützt.

Wie versuchen die Russen, sich anzupassen?

Sie bauen weitere Brücken, also Pontonbrücken auf die Krim. Damit versuchen sie, ihre Versorgungslinien dezentraler zu gestalten. Sie eskortieren auch Konvois, tarnen Transporter mit Zebramuster, um die Bilderkennungssoftware der Drohne zu stören. Tanklaster werden als Holztransporter getarnt, mit aufgemalten aufeinander gestapelten Baumstämmen über den Tanks. Aber die Russen kämpfen gegen KI, das ist das wirklich Bemerkenswerte.

Und die erkennt den Täuschungsversuch?

Laut Aussage von ukrainischen Kameraden, mit denen ich gesprochen habe, übernimmt der Mensch, wenn die KI die Täuschung nicht erkennt. Das ist durch Starlink möglich. Der Drohnenpilot kann die Drohne immer noch steuern, wenn er das will. Er überwacht den Angriff noch, das nennt man human on the loop. Der Mensch kann also auch noch Einfluss nehmen.

Und die russische Abwehr funktioniert dann nur bedingt?

Mit dem Versuch, die wichtigsten Brücken im Norden der Krim zu unterbrechen, sind die Ukrainer recht erfolgreich. Die drei wichtigsten Brücken – bei Armiansk, Henichesk und Chongar – sind erheblich beschädigt. Das große Problem der Ukraine war immer, ihre Entwicklungen im großen Stil zu skalieren, also große Stückzahlen zu erzeugen. Das hat sich geändert. Seit dem 18. Juni haben wir mindestens fünf große Angriffswellen auf russisches Territorium erlebt mit mehr als 300 oder sogar 500 Drohnen. Das zeigt: Die Ukraine ist in der Lage, mit ihren Verbündeten so große Stückzahlen von Drohnen zu erzeugen, dass sie eine umfängliche Offensive auf der strategischen und auf der operativen Ebene vortragen kann. In der Domäne Luft und nahezu ausschließlich mit Drohnen.

Quelle: ntv.de

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