Argentinien hat sich mit fünf Toren des Fast-39-jährigen Lionel Messi für die K.o.-Runde qualifiziert. Spielt das Alter für ihn überhaupt eine Rolle? In Messis sechster WM in Folge vollführt das Phänomen eine weitere Wandlung.
An diesem Montag in Dallas macht Lionel Messi einmal mehr, was ein Fußballer, der 39 Jahre alt wird, sonst nicht macht. „La Pulga“, der Floh, kann sich praktisch jeden Gegenspieler vom Leib halten, auf den richtigen Moment für den messerscharfen Pass warten – oder einfach selbst die Treffer erzielen. Mit seinen fünf (!) in den ersten zwei Partien hat Argentiniens Superstar den bisherigen Rekordtorschützen Miroslav Klose vom historischen Turnierthron geschossen.
Derjenige, der „das Phänomen“ genannt wurde, war Ronaldo, Brasiliens Stürmer mit Torgarantie, der sogar Torwartgigant Oliver Kahn doppelt bezwang. Aber sein Stern verglühte nach einigen Jahren, die Karriere trudelte aus. Portugals Cristiano Ronaldo versuchte insbesondere, auf seinen Körper zu achten, um seine Fähigkeiten zu konservieren. Messi hingegen ist ein Phänomen, weil er nie aufgehört hat, eines zu sein.
Rekord-Messi schießt Argentinien zum Sieg
„Der Floh“ war ein Wunderkind. Ein Top-Dribbler und Weltklassestürmer. Er verwandelte sich in eine hängende Spitze und Dreh- und Angelpunkt im Mittelfeld. Nun ist er zum Zauberer geworden, der sein Alter ignorieren und bislang als einziger Spieler seiner Mannschaft Tore erzielen kann.
Andere beginnen ihre Karrieren so
Wie so häufig ist viel geschrieben und geraunt worden über Messi, der schon seit Jahren bei Inter Miami in den USA spielt. Wird er noch die frühere Klasse haben, oder ist es in der Major League Soccer zu einfach? Wird er auf die mutmaßlich andere Härte umschalten können? Das Alter holt auch ihn ein. Aber unklar ist, wann es seine Zauberei wirkungslos machen wird. Messi erreicht aktuell Dinge, mit denen andere ihre Karriere beginnen, schreibt der argentinische Sportjournalist Alejandro Wall. Wie seinen ersten WM-Hattrick, als ältester Spieler jemals.
Bei seiner sechsten Weltmeisterschaft wurde das intensive Ringen mit den Österreichern von ihm entschieden, dem ältesten Spieler auf dem Platz und im Kader. Andere alternde Akteure werden in solchen intensiven Duellen häufig in der zweiten Halbzeit ausgetauscht, weil der Körper nicht mehr mitmacht oder der Trainer sie schonen will. Messi nicht. Er führte in den letzten Minuten der regulären Spielzeit konzentriert einen Konter an, spielte vom Flügel einen perfekten Pass durch die Verteidiger. In der Nachspielzeit setzte er einen direkten Freistoß neben den linken Pfosten.
Das Spiel war zu Ende, aber Messi hätte wohl weiter marschieren können. Das argentinische Fußballportal „Olé“ resümierte: „La Nuestra 2 – Gegenpressing 0“, unsere Elf gewinnt gegen das Gegenpressingmonster von Trainer Ralf Rangnick.
Locker, hungrig, bissig
Vor vier Jahren war Messi aus dem argentinischen Rosario noch der Unvollendete, und nicht wenige meinten, er würde es auch bleiben. Derjenige, der irgendwie alles richtig gemacht hatte, aber nicht mit dem größten Titel der Fußballwelt belohnt worden war. Diego Maradona hingegen hatte das Leben gelebt, trotzdem sportlichen Erfolg gehabt – und den WM-Titel 1986 gewonnen. Seine Karriere ging in dessen 30ern in Drogenskandalen unter. Nach D10S‘ Tod, des Gottes mit der 10 auf dem Rücken, sei dessen Geist in Messi gefahren, spekulierten argentinische Journalisten. Denn plötzlich gewann Argentinien wieder Titel. Erst das südamerikanische Kontinentalturnier Copa América, dann den dritten Stern in Katar 2022.
Seit jenen Jahren spielt Messi eine andere Rolle, weiß offenbar intuitiv, wann er locker bleiben muss, wann hungrig sein, wann sogar bissig. Dieser Geist war auch gegen Österreich präsent. Messi setzte in der Anfangsphase einen Elfmeterschuss rechts am Tor vorbei. „Ich war sauer, weil ich den Elfmeter verschossen habe“, würde er nach dem Spiel sagen. Argentinien geriet unter Druck, verlor zeitweise sogar seine Ordnung. Aber schon in der ersten Hälfte schlug der Weltmeister chirurgisch zu. Messi schlich sich in den Strafraum und verwandelte einen Flachpass nahezu im Schlaf. Kein Österreicher war weit und breit zu sehen.
Der Treffer in Hälfte zwei war eine Demonstration des Wollens, bei dem Messi den Ball mit dem vierten argentinischen Versuch in Folge ins Tor zwang. „Wenn Leo aktiv wird, werden alle aktiv“, sagte Argentiniens Trainer Lionel Scaloni danach. Alle bisherigen argentinischen WM-Treffer 2026 erzielte die 10, ihre Teamkollegen sind stets bemüht. Aber auch ein Gegentor hat der Weltmeister bislang nicht kassiert. Ein Spruch macht nun die Runde: „Si no es de Messi no vale“. Wenn es nicht Messis ist, zählt es nicht.
Verwendete Quelle: ntv.de
