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Eine für alle: „Willst du mich heiraten, Baby?“

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 28, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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Eine für alle „Willst du mich heiraten, Baby?“

28.06.2026, 06:34 Uhr

Eine Kolumne von Sabine Oelmann
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Jeremy Irons und Dominique Swain in „Lolita,“ einer Adaptation des gleichnamigen Romans von Vladimir Nabokov. Es gibt Diskussionen, ob man den Film aus dem Jahr 1997 (und andere Versionen) überhaupt noch zeigen sollte. (Foto: ASSOCIATED PRESS)

Feminismus. Was löst dieses Wort in Ihnen aus? Gleichgültigkeit? Wut? Neugier? Also gleichgültig dem Feminismus gegenüber sind immer noch erschreckend viele (Männer), auch zunehmend mehr Frauen. Dabei müssten wir alle viel wütender sein.

Hand aufs Herz – würden Sie sich als FeministIn bezeichnen? Ich habe darüber lange nachgedacht. Und sage ja. Ja, ich bin Feministin. Bloß, weil ich Feministin bin oder Feminismus gut finde, heißt es jedoch noch lange nicht, dass alle Frauen meine Schwestern oder Freundinnen sind oder ich alles gut finde, was sie machen.

Ich mag auch Männer. Nicht alle sind doof oder brutal. Oder ein Arschloch wie Christian Ulmen. Der Vollidiot hat es geschafft, dass sich ganz normale Männer dafür schämen, ein Mann zu sein.

Als ob man was dafür könnte, mit welchem Geschlecht man auf die Welt kommt. Doch zurück zu den Frauen – es bringt uns ja nicht weiter, wenn wir uns verhalten wie Männer, es ist genau das, was wir nicht wollen. Und dennoch glauben wir oft, dass es nur so weitergeht. Und da kommen wir dann wieder dahin, dass es besser ist, weiterhin feministisch unterwegs zu sein, denn so richtig weit, also so weit wie Frauen es vor bereits 50 oder 100 oder 2000 Jahren wollten, sind wir nicht gekommen. Schade.

Sind Sie denn ein Mann, lieber Lesender? Und trotzdem Feminist? Oder gehören Sie zu denen, die immer noch denken, dass das linksversiffter Mist ist, die Weiber sollen sich mal nicht so anstellen. Dann haben Sie leider den Schuss nicht gehört, denn es geht gar nicht nur darum, ob Frauen einen Platz am Tisch der Mächtigen haben, das Gleiche verdienen wie Männer und sich trotzdem noch gern die Tür aufhalten oder in den Mantel helfen lassen.

Es geht darum, dass immer noch zu vielen Mädchen und Frauen auf der Welt das Teilnehmen an einem normalen Leben unmöglich gemacht wird. Und zwar von Männern. Und wenn Sie ein Guter sind, dann ist es trotzdem ok, wenn Sie weiterlesen.

Mädchen – eine Ware

Mädchen in Afghanistan dürfen mit neun verheiratet werden. Der Mann fragt aber gar nicht: „Willst du mich heiraten, Baby?“, er „nimmt“ sich das Mädchen einfach. Oder sein Vater oder älterer Bruder oder bekloppter Cousin „gibt“ es ihm. Wie eine Ware. Teenager-Mädchen werden zu Sexsklaven gemacht, zu Kinderarbeit gezwungen, Männern zum Spiel oder Fraß vorgeworfen.

Und das nicht nur in Ländern oder Kulturen, die uns weit weg erscheinen. Jeffrey Epstein „hatte nicht nur was“ mit „minderjährigen Frauen“ – nein, er und seine dreckigen Kumpanen hatten was mit Kindern. Jeder dieser Dreckstypen verdient es nicht, dass man auch nur eine Sekunde ihren fadenscheinigen Begründungen zuhört, ihren Ausreden lauscht, sie gehören hinter Gitter: TechBros, Multimillionäre, Politiker, Familienväter, alle!

Sie alle reden sich raus, sie hätten von nichts gewusst. Nicht gewusst, dass die „junge Erwachsene“, das KIND, das ihnen an die Seite gesetzt wurde in einem Privatjet oder bei einem Dinner auf einer Insel, minderjährig ist. Haben die denn nichts gespürt? Nicht gespürt, dass da was nicht stimmen kann.

Oder Mitleid? Mit Kindern, die unter falschen Voraussetzungen in eine Villa oder sonst wohin gelockt wurden. Und bloß, weil jetzt alle über die vergangenen Taten von Epstein, Weinstein und Co. sprechen, heißt das ja leider nicht, dass das Thema Kindesmissbrauch, insbesondere junger Mädchen, der Vergangenheit angehört.

Es ist wirklich traurig, dass wir den Feminismus immer noch brauchen. Nach Jahrzehnten Alice Schwarzer und Co. sollte man meinen, wir wären weiter. Warum braucht es im Jahr 2026 tatsächlich noch immer eine Frauenquote, eine Diskussion um nicht an die der Männer angeglichene Gehälter, wie kann das sein? Wie erklären Sie das Ihren Kindern, vor allem Ihren Töchtern, die schneller studieren als Ihre Söhne, bessere Noten haben?

Was, wenn die eines Tages feststellen, dass dieses ganze Girls-Day-Getue vollkommen für die Katz war. Die Mütter von Noah und Leon hatten sich damals, zu Beginn der Einführung des Girls-Days, bereits beschwert, dass die Jungs mal wieder zu kurz kommen, und das stimmt, das kamen sie eine Weile auch. Denn diese jungen Typen, ebenfalls Kinder, mussten etwas ausbaden, was Jahrtausende Patriarchat verbockt hatten. Das tat mir leid als Mädchen-Mutter, aber ich dachte eben auch, jetzt sind halt mal die Girls dran. Und dennoch sind wir immer noch nicht so weit, alle Geschlechter gleich zu behandeln.

Skandalös ist vor allem folgende Tatsache: Das Gesetz enthält eine gewaltige Schutzlücke. Vergewaltigungen an schlafenden, bewusstlosen oder anderweitig wehrlosen Menschen können bereits nach fünf Jahren verjähren. Das betrifft vor allem Ehefrauen, die sich in einem geschützten Raum wähnen, nämlich dem ihres Zuhauses, dem ihrer Ehe.

Und wissen Kinder eigentlich noch, was Demokratie ist? Denn die gehört ja unabdingbar zum Feminismus. Wissen Schüler, was in der Nazi-Zeit passiert ist, neben all den Gräueltaten, die an Juden, Sinti und Roma, homosexuellen und behinderten Menschen begangen wurden? Wissen Kinder, dass Frauen reine Gebärmaschinen waren? Reine Brutkästen, die dem Führer neue Soldaten „schenken“ sollten??

Wissen Jungs, dass Mädchen ihnen in Zukunft nicht automatisch die Socken hinterherräumen, wie Mutti es zu Hause macht? Wissen Mädchen, dass sie bei ihrer Meinung bleiben dürfen, ohne sich als zickig bezeichnen lassen zu müssen? Wissen kleine Machos, dazu erzogen, Frauen später zu ihren Untertanen zu machen, dass das Blödsinn ist und nicht mehr funktionieren wird? Wissen Mädchen, dass es egal ist, wie kurz ihr Rock ist? Sie dürfen so kurze Röcke tragen, wie sie wollen, wer sich ändern muss, sind die Männer, die nicht damit umgehen können, wie kurz der Rock ist.

Wissen die meisten Leute eigentlich, dass Feminismus sich nicht gegen Männer richtet? Sondern einfach nur pro Frauen ist? Es wäre so toll, wenn man den Begriff und alles, was dahintersteht, gar nicht mehr bräuchte, weil es egal ist, mit welchem Geschlecht man geboren wurde oder sich zugehörig fühlt. Denn wie es bereits in Artikel 3 Absatz 1 des deutschen Grundgesetzes (GG) verankert ist, sind alle Männer, äh, Verzeihung, alle Menschen, schließlich gleich.

Bewahren Sie einen kühlen Kopf an diesem heißesten Juni-Sonntag ever in Deutschland und passen Sie auf sich und Ihre Lieben auf.

Quelle: ntv.de

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Dr. Heinrich Krämer
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