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Politik

Leiden Frauen mehr unter Hitze als Männer?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 10, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 10.07.2026 • 10:09 Uhr

Ein aktueller Bericht des Robert Koch-Instituts zeigt: Hitzewellen wie Ende Juni verursachen Tausende zusätzliche Todesfälle. Aber Hitze belastet nicht alle Menschen gleich. Sind Frauen stärker betroffen?

Nachdem in Deutschland Ende Juni Temperaturrekorde geknackt wurden, steht die nächste Hitzewelle unmittelbar bevor. Hitze stellt eine Belastung für die menschliche Gesundheit dar. Das zeigt auch der aktuelle Wochenbericht des Robert Koch-Instituts zur hitzebedingten Mortalität, also zur Frage, wie viele Menschen aufgrund der hohen Temperaturen gestorben sind.

Dem RKI zufolge ist in besonders heißen Phasen die Anzahl der Sterbefälle teils deutlich erhöht.

Frauen werden im Schnitt älter als Männer

Von dieser hitzebedingten Sterblichkeit scheinen Frauen häufiger betroffen zu sein als Männer. Ein Grund dafür ist vermutlich die höhere Lebenserwartung von Frauen. Die führt dazu, dass in den hohen Altersgruppen mehr Frauen als Männer vertreten sind. Ältere Menschen sind bei Hitze besonders gefährdet – nicht allein durch Vorerkrankungen.

Ein Risiko können auch die Medikamente sein, die ältere Menschen häufiger nehmen, sagt Hanns-Christian Gunga, Seniorprofessor für Physiologie an der Berliner Charité.

Ein Beispiel sind Medikamente, die bei Herz-Kreislauf-Problemen verschrieben werden. Zum Teil müsste hier die Dosierung geändert werden, wenn die Patienten nicht genug trinken, so Gunga.

Es gibt aber Hinweise darauf, dass Frauen nicht nur aufgrund des höheren Alters eher mit hohen Temperaturen zu kämpfen haben: Im Rahmen einer im Juni veröffentlichten Umfrage der AOK gaben Frauen häufiger als Männer an, durch die Hitze beeinträchtigt zu sein.

Physiologisch unterschiedliche Bedingungen

Dafür könnten unter anderem physiologische Unterschiede zwischen Mann und Frau verantwortlich sein. Alina Herrmann, Ärztin und Epidemiologin an den Universitätskliniken Köln und Heidelberg, nennt Schwangere als Beispiel: Für sie und das ungeborene Kind kann Hitze ein Risiko sein.

Auch in den Wechseljahren kann laut Hanns-Christian Gunga durch hormonelle Veränderungen die Hitzebelastung stärker werden: „Es ist nicht nur der Progesteronspiegel, der zuständig ist für die Temperaturhormone, sondern es ist auch das Absinken des Östrogenspiegels, was dann dazu führt, dass im Hypothalamus, dem Regulationszentrum, Hitze anders wahrgenommen wird.”

Neben den besonderen Bedingungen dieser Lebensabschnitte können allerdings auch allgemeine physiologische Unterschiede eine Rolle dabei spielen, wie gut Männer und Frauen mit Hitze umgehen können, erklärt Gunga.

Frauen könnte die Hitze mehr zu schaffen machen, weil sie im Schnitt weniger schwitzen, einen höheren Körperfettanteil haben und zu niedrigem Blutdruck neigen, so der Professor für Physiologie. In diesen Merkmalen unterscheidet sich zwar der „Durchschnittsmann“ von der „Durchschnittsfrau“, aber entscheidender als das Geschlecht ist laut Gunga und Herrmann der jeweilige Fitnesszustand. Wer mehr Sport treibt, schwitzt schneller und trainiert sein Herz-Kreislauf-System, was den Umgang mit hohen Temperaturen erleichtern kann.

Männer und Frauen sind Hitze unterschiedlich ausgesetzt

Außerdem sind Männer und Frauen Fachleuten zufolge Hitze unterschiedlich stark ausgesetzt – und können daher besser oder schlechter mit ihr umgehen.

Frauen sind laut Statistischem Bundesamt etwas häufiger armutsgefährdet. Da einkommensschwache Haushalte eher in schlechter isolierten Gebäuden und in dicht bebauten Stadtvierteln wohnen, sind sie vor Hitzewellen schlechter geschützt. Zusätzlich merkt Gunga an: Die Mehrfachbelastung durch Beruf, Kinderbetreuung und Haushalt, die immer noch häufig von Frauen getragen wird, könne ebenfalls einen besonderen Hitzestress mit sich bringen.

Männer haben allerdings ebenfalls mit hitzebezogenen Herausforderungen zu kämpfen. Alina Herrmann: „Menschen, die ein geringer ausgeprägtes soziales Netz haben, sind auch stärker gefährdet, in Hitzewellen zu versterben. Und tendenziell kann man sagen, dass Frauen häufiger ein größeres soziales Netz haben.”

Ein soziales Umfeld kann bei Beschwerden durch hohe Temperaturen wichtige Unterstützung leisten. Außerdem arbeiten Männer häufiger in Berufen, die besonders körperlich fordernd sind. Hanns-Christian Gunga zufolge kann das zwar das Herz-Kreislauf-System trainieren, andererseits bei Hitze besonders anstrengend sein.

Hitzeschutz für gefährdete Menschen ist wichtig

Es gibt also geschlechtsspezifische Unterschiede im Zusammenhang mit Hitze, in denen Frauen teilweise benachteiligt sind. Alina Herrmann betont aber: Andere Faktoren wie Armut oder das soziale Umfeld hätten einen größeren Einfluss auf das Risiko unter der Hitze zu leiden als das Geschlecht allein.

Hitzetote seien kein unvermeidbares Schicksal, betont Alexandra Schneider vom Helmholtz Zentrum München gegenüber dem Science Media Center. Ein erheblicher Teil der hitzebedingten Erkrankungen und Todesfälle sei potenziell vermeidbar – ebenso die Belastung des Gesundheitssystems. Für einen wirksamen Hitzeschutz stünden neben dem Einzelnen auch die Kommunen in der Verantwortung.

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