Der Ursprung der Grafik
Aktuell kursiert eine Drohgrafik mit Friedrich Merz, Donald Trump, Benjamin Netanjahu und weiteren westlichen sowie israelischen Politikern. Weil die Porträts offensichtlich montiert wurden und der ursprüngliche Link zeitweise nur zu einer Fehlerseite führte, hielten manche Nutzer die gesamte Veröffentlichung für gefälscht.
Unsere Recherche führt zur iranischen Zeitung Hamshahri Online. Hamshahri wird von der Stadtverwaltung Teherans herausgegeben und von Euronews als konservative Zeitung eingeordnet.
Am 11. Juli 2026 um 18:59 Uhr veröffentlichte Hamshahri einen Beitrag mit der Artikelnummer 1051400 in der Rubrik „Multimedia – Infografik“.
Die Überschrift im Online-Artikel lautet übersetzt:
„Eine Liste derjenigen, die auf die Vergeltung des iranischen Volkes warten müssen.“
Anschließend folgt genau jene Grafik, die derzeit über soziale Netzwerke und internationale Medienberichte verbreitet wird. Titel, Veröffentlichungszeit und persische Beschriftung sind im archivierten Hamshahri-Beitrag erhalten.
Dass die Bilder der Politiker montiert wurden, ist offensichtlich. Das ändert nichts an der belegten Veröffentlichung durch Hamshahri.
Der direkte Link führte zu einer Fehlerseite
Bei unserer ersten Überprüfung war der Artikel über den normalen Browseraufruf nicht erreichbar. Statt des Beitrags erschien eine persische 404-Meldung:
„Diese Seite existiert nicht!
Möglicherweise haben Sie die Adresse falsch eingegeben. Sie werden automatisch zur Startseite weitergeleitet. Für einen schnelleren Zugriff klicken Sie auf „Startseite“ oder „Suche“.
Übersetzung der Fehlermeldung
Die Adresse und die Artikelnummer 1051400 waren jedoch korrekt. Deshalb suchten wir im Internet Archive weiter.
Die Wayback Machine hatte sowohl die reguläre Artikelseite als auch die AMP-Version bereits am 11. Juli 2026 gespeichert. Die archivierte Fassung zeigt den Artikelkopf, den Begleittext und die vollständige Grafik. Die Archivierung erfolgte über die Nachrichtensammlung des GDELT-Projekts.
Warum der direkte Zugriff zeitweise zu einer Fehlerseite führte, hat Hamshahri bisher nicht öffentlich erklärt. Eine vorübergehende Deaktivierung ist ebenso denkbar wie ein technisches oder regionales Zugriffsproblem. Welche Ursache tatsächlich dahintersteckt, lässt sich derzeit nicht belegen.
Auch die Behauptung, Hamshahri habe den Beitrag aufgrund internationaler Kritik absichtlich entfernt, wäre derzeit Spekulation. Die ursprüngliche Veröffentlichung ist durch die Wayback Machine eindeutig dokumentiert.
Die Grafik zeigt 13 Personen
Die große Überschrift auf der Collage bedeutet sinngemäß:
„Die Rache ist gewiss.“
Darunter wird angekündigt, die als „Verbrecher“ bezeichneten Personen würden den Wunsch nach einem friedlichen Tod mit ins Grab nehmen.
Die 13 Abgebildeten tragen orangefarbene Häftlingskleidung. Hamshahri erklärt nicht, ob damit ausdrücklich auf das US-Gefangenenlager Guantánamo angespielt werden soll.
Donald Trump und Benjamin Netanjahu stehen ganz oben. Auf ihren Stirnen sind Fadenkreuze eingezeichnet.

Zu sehen sind außerdem US-Außenminister Marco Rubio, US-Verteidigungsminister Pete Hegseth, der Kommandeur des US-Zentralkommandos Brad Cooper und der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee.
Aus Israel werden Verteidigungsminister Israel Katz, Außenminister Gideon Sa’ar und Generalstabschef Eyal Zamir gezeigt. Dazu kommen Bundeskanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der britische Premierminister Keir Starmer und Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni.
Nach welchen konkreten Kriterien Hamshahri diese 13 Personen ausgewählt hat, wird im kurzen Originalbeitrag nicht erklärt.
Die Veröffentlichung folgte auf eine Vergeltungsankündigung
Wenige Stunden zuvor hatte der neue iranische Revolutionsführer Mojtaba Khamenei, im Deutschen häufig Modschtaba Chamenei geschrieben, eine Vergeltungsbotschaft veröffentlicht.
Sein Vater und Vorgänger Ali Khamenei war am 28. Februar 2026 bei amerikanisch-israelischen Luftangriffen getötet worden. Mojtaba Khamenei wurde anschließend zu seinem Nachfolger bestimmt.
In seiner Botschaft erklärte der neue Revolutionsführer:
„Diese Rache ist der Wunsch unseres Volkes und muss mit Sicherheit vollzogen werden.“
Er schrieb außerdem, es gebe eine Liste der Verantwortlichen. Diese würden den Wunsch nach einem ruhigen Tod im Bett mit ins Grab nehmen. Die Vergeltung werde auch dann stattfinden, wenn er selbst oder andere derzeitige Amtsträger nicht mehr im Amt oder am Leben seien. Menschen in verschiedenen Teilen der Welt würden Teile dieser von ihm als „göttliche Mission“ bezeichneten Aufgabe ausführen.
Das ist eine ausgesprochen konkrete und bedrohliche Rhetorik. Die offizielle Botschaft enthält allerdings keine Namen.
Trump, Netanjahu, Merz und die übrigen Personen wurden erst durch die wenige Stunden später erschienene Hamshahri-Grafik mit dieser Vergeltungsankündigung verbunden.
Keine offiziell bestätigte staatliche Todesliste
Euronews weist ausdrücklich darauf hin, dass Mojtaba Khamenei zwar von einer vorhandenen Liste sprach, jedoch keine Personen nannte. Es gebe keinen Beleg dafür, dass die von Hamshahri gezeigten 13 Namen von der iranischen Staatsführung offiziell bestätigt wurden.
Damit ergibt sich eine klare Einordnung: Hamshahri veröffentlichte eine massiv bedrohliche Propagandagrafik mit konkreten Personen. Unbelegt bleibt, ob diese Auswahl mit einer tatsächlichen Liste der iranischen Führung übereinstimmt.
Auch ein konkreter Anschlagsplan lässt sich daraus nicht ableiten. Die Veröffentlichung nennt keine Täter oder Zeitpunkte. Operative Angaben fehlen ebenfalls.
Warum erscheinen europäische Regierungschefs?
Hamshahri erklärt nicht, weshalb Friedrich Merz, Emmanuel Macron, Keir Starmer und Giorgia Meloni auf der Grafik stehen.
Euronews verweist auf Vorwürfe der iranischen Führung gegen europäische Staaten. Diese hätten die amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran nicht verurteilt und teilweise ihren Luftraum für amerikanische Militärflugzeuge zur Verfügung gestellt.
Ob diese Vorwürfe tatsächlich der Grund für die Auswahl der vier europäischen Regierungschefs waren, ist nicht belegt.
Die Grafik erschien nur online
In manchen Medienberichten entsteht der Eindruck, die Collage sei auf der gedruckten Titelseite von Hamshahri erschienen. Dafür gibt es keinen Beleg. Euronews berichtet ausdrücklich, dass die Liste nicht in der gedruckten Sonntagsausgabe veröffentlicht wurde. Sie erschien online beziehungsweise über die digitalen Kanäle der Zeitung.
Der kursierende Screenshot zeigt daher eine Online-Infografik und keine gescannte Zeitungstitelseite.
Ist die Bezeichnung „Todesdrohung“ gerechtfertigt?
Die Grafik verbindet konkrete Namen und Gesichter mit der Aussage, die Betroffenen würden keinen friedlichen Tod erleben. Donald Trump und Benjamin Netanjahu wurden zusätzlich mit Fadenkreuzen markiert. Die Einordnung als Drohung oder Todesdrohung ist angesichts der Wortwahl und der Gestaltung nachvollziehbar.
Eine offiziell bestätigte staatliche Attentatsliste mit diesen 13 Namen ist damit noch nicht belegt. Gleiches gilt für einen konkreten Mordauftrag gegen Friedrich Merz oder andere abgebildete Personen.
Fazit
Hamshahri Online veröffentlichte sie am 11. Juli 2026 unter der Artikelnummer 1051400. Der direkte Link führte bei unserer ersten Überprüfung zu einer Fehlerseite. Die Wayback Machine hatte den vollständigen Originalbeitrag jedoch bereits gespeichert.
Die Grafik zeigt 13 westliche und israelische Politiker sowie Militärs im Zusammenhang mit einer angekündigten Vergeltung. Die Wortwahl und die Fadenkreuze bei Donald Trump und Benjamin Netanjahu können als Todesdrohung verstanden werden.
Die Auswahl der 13 Personen stammt nach den vorliegenden Belegen von Hamshahri. Der iranische Revolutionsführer sprach zwar von einer bestehenden Liste, veröffentlichte jedoch keine Namen. Eine offizielle Bestätigung der Hamshahri-Auswahl oder Hinweise auf konkrete Anschlagspläne liegen nicht vor.
Bewertung: Falsch. Die Behauptung, die Grafik sei erfunden oder westlichen Medien untergeschoben worden, hält den vorliegenden Belegen nicht stand.
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
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