Aktuell kursieren auf Facebook, X und TikTok Videos und Sharepics, die eine Hitzewelle in Europa mit HAARP in Verbindung bringen. Behauptet wird, die Forschungsanlage in Alaska könne Hitze künstlich erzeugen und Europa gezielt „aufdrehen“.
Dafür gibt es keinen belastbaren Nachweis. HAARP untersucht die Ionosphäre, also hohe Atmosphärenschichten, und kann nach Angaben der Betreiber weder Wetter noch Klima beeinflussen. Die verbreitete Erklärung ersetzt meteorologische und klimawissenschaftliche Befunde durch eine alte Verschwörungserzählung.
HAARP arbeitet nicht in der Wetterküche
HAARP steht für „High-frequency Active Auroral Research Program“. Die Anlage befindet sich in Alaska und wird heute von der University of Alaska Fairbanks betrieben. Mit Hochfrequenzsendern wird die Ionosphäre untersucht, eine Atmosphärenschicht grob zwischen 50 und 1.000 Kilometern Höhe.
Das ist wichtig, weil Wetter in ganz anderen Bereichen entsteht: vor allem in der Troposphäre, also in den unteren Kilometern der Atmosphäre. Dort bilden sich Wolken, Niederschläge, Gewitter und Hitzelagen. HAARP sendet jedoch Radiowellen in Frequenzbereichen aus, die nach Angaben der Forschungsanlage nicht von Troposphäre oder Stratosphäre aufgenommen werden. Ohne relevante Wechselwirkung kann daraus keine gezielte Wettersteuerung entstehen.
Auch die Leistung der Anlage reicht nicht aus, um großräumige Wetterprozesse zu verändern. Atmosphärische Vorgänge, die Hitzewellen auslösen oder verstärken, bewegen Energiemengen, die mit einer Forschungsanlage wie HAARP nicht vergleichbar sind.
Das Video liefert keinen Beweis
Die viralen Beiträge stützen sich auf eine Aussage von Jean-Pierre Petit. Er behauptet, HAARP könne mit Mikrowellen „Fenster“ in der oberen Atmosphäre öffnen und dadurch extreme Wetterlagen begünstigen.
Diese Darstellung ist fachlich nicht belegt. Fachleute weisen darauf hin, dass HAARP keine Wettermaschine ist und nicht mit den für diese Behauptung nötigen Mechanismen arbeitet. Hinzu kommt: Einzelne Interviewausschnitte ersetzen keinen wissenschaftlichen Nachweis. Entscheidend wären überprüfbare Messdaten, ein plausibler physikalischer Mechanismus und unabhängige Bestätigung durch Fachpublikationen. Genau das fehlt.
Dass HAARP immer wieder in solchen Erzählungen auftaucht, liegt auch an der Optik und Geschichte der Anlage: viele Antennen, ein früherer militärischer Kontext, Forschung an unsichtbaren Atmosphärenschichten. Das wirkt auf den ersten Blick geheimnisvoll. Es macht die Behauptung aber nicht belastbarer.
Hitzewellen haben bekannte Ursachen
Für die europäische Hitzewelle Ende Juni nennen Klimaforschende einen anderen Zusammenhang: den menschengemachten Klimawandel. Laut Analysen von World Weather Attribution wären die beobachteten extremen Tages- und Nachttemperaturen in dieser Form zu dieser Jahreszeit ohne die heutige Erwärmung deutlich unwahrscheinlicher gewesen.
Europa erwärmt sich besonders schnell. Die Weltorganisation für Meteorologie beschreibt den Kontinent seit Jahren als eine der Regionen mit besonders starker Erwärmung. Dadurch werden Hitzewellen häufiger, intensiver und können früher im Jahr auftreten.
Das bedeutet nicht, dass jede einzelne heiße Woche nur eine einzige Ursache hat. Wetter entsteht durch konkrete Druckgebiete, Luftströmungen und regionale Bedingungen. Der Klimawandel verschiebt jedoch die Ausgangslage: In einer wärmeren Atmosphäre fallen Hitzeereignisse stärker aus und treten häufiger auf.
Warum die Behauptung glaubwürdig wirken kann
Die HAARP-Erzählung verbindet echte Elemente mit falschen Schlussfolgerungen. Echt ist: HAARP existiert. Echt ist auch: Die Anlage sendet Radiowellen aus und untersucht die Ionosphäre. Falsch ist die daraus abgeleitete Behauptung, sie könne Hitzewellen über Europa erzeugen oder steuern.

Typisch ist zudem der rhetorische Trick, ein extremes Wetterereignis als „zu seltsam für Zufall“ darzustellen. Dass Europa sehr heiß ist, während es anderswo milder sein kann, ist aber kein Beleg für künstliche Steuerung. Wetterlagen sind regional unterschiedlich. Genau deshalb kann es zur selben Zeit in einem Teil der Welt ungewöhnlich heiß und anderswo vergleichsweise mild sein.
Bewertung: Falsch. HAARP ist nach derzeitigem wissenschaftlichem Verständnis nicht in der Lage, Wetter oder Klima zu steuern; die Behauptung nutzt eine alte Verschwörungserzählung rund um eine reale Forschungsanlage.
FAQ zum Thema HAARP und Hitzewellen
Kann HAARP eine Hitzewelle in Europa auslösen?
Nein. HAARP ist eine Forschungsanlage zur Untersuchung der Ionosphäre und kann Wetter oder Klima nicht steuern. Für Hitzewellen sind meteorologische Wetterlagen und der langfristige Einfluss der Erderwärmung entscheidend.
Warum wird HAARP immer wieder mit Wettermanipulation verbunden?
Weil die Anlage groß, technisch ungewöhnlich und früher militärisch mitfinanziert war. Diese Faktoren machen sie anfällig für Verschwörungserzählungen. Aus der Existenz der Anlage folgt aber nicht, dass sie Wetterereignisse erzeugen kann.
Ist die Hitzewelle von Ende Juni ein Beweis für künstliche Steuerung?
Nein. Eine Hitzewelle ist kein Beweis für Manipulation. Extreme Hitze lässt sich durch Wetterlagen erklären und wird durch den Klimawandel wahrscheinlicher und intensiver.
Was ist an den viralen HAARP-Beiträgen irreführend?
Sie verbinden echte Informationen über HAARP mit einer falschen Schlussfolgerung. Die Anlage existiert, aber daraus folgt nicht, dass sie heiße oder kalte Zonen über Europa erzeugen kann.
Wie sollte man solche Beiträge prüfen?
Entscheidend ist, ob die Behauptung durch belastbare Messdaten, Fachpublikationen oder offizielle wissenschaftliche Stellen gestützt wird. Bei den HAARP-Behauptungen fehlt dieser Nachweis.
dpa-Faktencheck
15. Juli 2026
World Weather Attribution
26. Juni 2026
HAARP – University of Alaska Fairbanks
HAARP – University of Alaska Fairbanks
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