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Politik

Für Tech-Aktien schlägt die Stunde der Wahrheit

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 20, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Marktbericht

Stand: 20.07.2026 • 14:00 Uhr

Mit Beginn der neuen Woche nimmt die Berichtssaison der Unternehmen Fahrt auf. Im Fokus stehen besonders hochbewertete US-Tech-Aktien. Können Alphabet & Co. ihr hohes Kursniveau verteidigen?

Mit Beginn der neuen Berichtssaison für das abgelaufene Quartal, die in den USA traditionell etwas früher als hierzulande startet, beginnt an der Börse wieder ein altgewohntes Ritual. Anleger wollen sich orientieren, ob die Geschäftsentwicklungen der Unternehmen den Erwartungen standgehalten haben – und vor allem, wie die Unternehmen in die Zukunft blicken.

Aus diesem Mix bilden sich dann neue Erwartungen an der Börse, die die Richtung bestimmen. In einem vor allem wegen der geopolitisch verfahrenen Lage am Persischen Golf ohnehin schwierigen Marktumfeld sind die Märkte zuletzt volatiler und die Anleger vorsichtiger geworden, ohne dass es aber bisher zu einem dramatischen Ausverkauf gekommen wäre.

Fakt ist, die großen US-Aktienindizes stehen allesamt nahe ihrer historischen Höchststände. Vor allem der Auswahlindex Nasdaq 100, in dem die Technologiewerte traditionell den Ton angeben, steht bei aktuell 28.592 Punkten nur knapp unter seinem Rekordhoch bei 28.867 Zählern. Ähnliches gilt für die anderen Indizes der Wall Street.

Die ganz Großen im Fokus

Zum entscheidenden Prüfstein wird nach Ansicht von Weberbank-Analyst Sören Wiedau aber die Berichtssaison der Unternehmen, besonders mit Blick auf Aktien rund um Künstliche Intelligenz (KI).

„Die milliardenschweren KI-Investitionen müssen sich zunehmend in höheren Umsätzen, Margen und Gewinnen niederschlagen“, schrieb Wiedau. Die großen Tech-Konzerne müssten ihre hohen Bewertungen nun rechtfertigen. Enttäuschende Quartalszahlen könnten Kurskorrekturen auslösen. Mit der Google-Mutter Alphabet und Tesla öffnen am Mittwoch nach US-Börsenschluss gleich zwei große Tech-Protagonisten ihre Bücher.

IBM enttäuscht

Vorläufige Zahlen für das zweite Quartal haben derweil dem IT-Urgestein IBM schon in der Vorwoche einen Abschlag von 25 Prozent und damit den größten Tagesverlust aller Zeiten, beschert. Denn die Kunden investieren derzeit eher weniger in Software und klassische IT-Dienstleistungen. Von dieser Entwicklung wurde IBM auf dem falschen Fuß erwischt, wie Firmenchef Arvind Krishna eingestand. Am Mittwoch folgt das komplette Zahlenwerk.

„Die Anleger bewerten nun die langfristige Nachhaltigkeit der Nachfrage nach Investitionen in Künstliche Intelligenz neu“, sagte Kelvin Lam, Ökonom beim Analysehaus Pantheon. IBM zeigt jedenfalls, wie dünn das Eis ist, auf dem so manch hohe Börsenbewertung derzeit ruht. Auch die Chiphersteller Texas Instruments und Intel berichten noch über das abgelaufene Quartal.

„Gewinnmitnahmen kommen gerade in Mode“, kommentierte Thomas Altmann von QC Partners. Panik sei zwar nicht zu beobachten, aber eine zunehmende Verkaufsbereitschaft.

SAP eröffnet die deutsche Berichtssaison

Die heiße Phase der heimischen Berichtssaison eröffnet am Donnerstag ebenfalls nach US-Börsenschluss der Walldorfer Softwarekonzern SAP.

Der KI-Boom macht derzeit so manchem Softwarekonzern schwer zu schaffen. Die Anleger rechnen damit, dass die neuen KI-Marktführer die Produkte der Softwarekonzerne billiger anbieten könnten. Ein Damoklesschwert, das schon länger über der ganzen Software-Branche schwebt. SAP-Chef Christian Klein steht unter Druck. Die Aktie hat in diesem Jahr rund ein Drittel an Wert eingebüßt.

DAX-Anleger halten sich bedeckt

Die anhaltenden Spannungen in Nahost und die Erwartung wichtiger Termine im weiteren Wochenverlauf stimmen die DAX-Anleger zum Wochenstart vorsichtig. Bereits am Freitag hatte es moderate Verluste gegeben.

Vor allem ein Ende der Gewalt im Persischen Golf liegt nach jüngsten Signalen aus Washington und Teheran in weiter Ferne: US-Außenminister Marco Rubio kündigte weitere Maßnahmen gegen den Iran an, weil dieser nach seinen Worten unvermindert die Handelsschifffahrt in der Straße von Hormus angreift.

Nervöse Ölmärkte

Auch am Ölmarkt sind die Anleger nervös: Ein Fass der Nordseesorte Brent kostete am Morgen über 90 Dollar. In der vergangenen Woche lag das Plus bei insgesamt mehr als 15 Prozent – so viel wie seit Monaten nicht mehr. Mittlerweile hat sich die Lage zwar etwas beruhigt, sie bleibt aber sehr wacklig.

In Frankfurt kehrten wegen der steigenden Energiepreise die Sorgen der Anleger vor einer Verlängerung der konjunkturellen Delle zurück, schrieb Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst des Handelshauses CMC Markets.

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