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Startseite»Politik»Kampf gegen Waldbrände: Was tut der Bund?
Politik

Kampf gegen Waldbrände: Was tut der Bund?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 21, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 21.07.2026 • 12:41 Uhr

Dieses Jahr könnte wieder ein Rekordjahr für Wald- und Flächenbrände werden. Zuständig für die Bekämpfung sind Länder und Kommunen – aber manche überfordert das. Was tut der Bund, um zu unterstützen? Und reicht das?

Von Katrin Aue, ARD-Hauptstadtstudio

Oft helfen nur noch Löschhubschrauber gegen Wald- und Flächenbrände. Vergangenes Jahr sind in Deutschland gut 2.600 Hektar Wald abgebrannt, das ist etwa die Größe der Insel Norderney. Und auch in diesem Jahr brennt die trockene Vegetation wie Zunder – Ende Juni etwa in der sächsischen Gohrischheide. Dort hat – wie vielerorts – alte Munition im Boden die Arbeiten erschwert.

Mirko Pollmer, Bürgermeister der Gemeinde Zeithain, überschlägt die Kosten im MDR. Er kommt auf eine halbe Million Euro – zum Beispiel für Mieten für spezielle Fahrzeuge oder Verdienstausfälle der Einsatzkräfte. „Die Kommunen sind am Limit“, sagt er. Jährlich so eine Entwicklung, das könne eine kleine Gemeinde wie Zeithain nicht jedes Jahr stemmen. Zumal mit der Erderwärmung das Risiko für Waldbrände weiter steigt.

„Wir können die Kommunen nicht alleine lassen“

Fachleute sagen: Grundsätzlich sind die Feuerwehren in Deutschland gut aufgestellt, auch dank der vielen Freiwilligen Feuerwehren. Auf die steigende Zahl an Waldbränden wurde reagiert, zum Beispiel mit mehr Spezialfahrzeugen und Weiterbildung für Feuerwehrleute.

Aber häufig fehle es noch an persönlicher Schutzausrüstung, die an Vegetationsbrände angepasst sei, bemängelt Finn-Christopher Brüning vom Deutschen Städte- und Gemeindebund. Auch der digitale Funk mache im Wald bei schlechtem Netz oft Probleme, das könne im Einsatz gefährlich werden.

Insgesamt bräuchten die Länder, Städte und Gemeinden mehr Unterstützung vom Bund, auch mit Blick auf den Klimawandel. „Damit können wir die Kommunen nicht alleine lassen. Wir sind zwar örtlich für den Brandschutz zuständig, aber diese Großlagen, die können wir aus eigenen Mitteln schwer abarbeiten“, sagt Brüning.

Mehr Geld für Zivil- und Katastrophenschutz

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt von der CSU betont, dass der Bund längst Hilfe leistet – obwohl Waldbrandbekämpfung auf dem Papier tatsächlich Sache von Ländern und Kommunen ist. Bundeswehr und Bundespolizei schicken Hubschrauber, das THW ist oft zur Stelle.

Für die Zukunft verweist Dobrindt zudem auf den sogenannten Pakt für den Bevölkerungsschutz, den das Kabinett im Mai beschlossen hat. Bis 2029 sollen zehn Milliarden Euro vom Bund in den Zivil- und Katastrophenschutz fließen. Zum Beispiel in Spezialfahrzeuge, eine bessere Ausbildung von THW-Kräften oder Material für den Notfall. Alles unter der Überschrift „zivile Verteidigung“ – und vieles auch verwendbar bei Waldbränden. Dobrindt sagt: „In diesem Sinne leisten wir als Bund in der Tat einen Beitrag dazu, um solche oder andere Katastrophen zu bekämpfen.“

Eine länderübergreifende Waldbrandstrategie?

Allerdings hätte der Bund noch andere Hebel, betont der Forstwissenschaftler und Feuerökologe Alexander Held vom European Forest Institute (EFI). Er sieht Nachteile in der Zuständigkeit der Länder für die Brandbekämpfung. „Ich glaube, wir würden auch enorm viel Steuergeld sparen, wenn wir nicht 16 Bundesländer ihre eigene Suppe kochen lassen, sondern hier etwas koordinierter vorgehen und länderübergreifend eine Waldbrandstrategie entwerfen würden – und zwar bewusst keine Bekämpfungsstrategie, sondern eine Feuer-Managementstrategie.“

Er empfiehlt ein bundesweit tätiges Kompetenzzentrum für Feuer-Management. Das könnte sich auch dem Thema Prävention widmen, zum Beispiel dem Waldumbau hin zu artenreichen Mischwäldern. Denn Wald brennt besonders oft und lange dort, wo er gegen Trockenheit schlecht gerüstet ist, etwa in Wäldern mit überwiegend Nadelbäumen.

„Waldumbau ist nicht allein Aufgabe des Waldbesitzers, sondern es ist gesamtgesellschaftliches Interesse, dass wir gesunde, multifunktionale Wälder haben, weil der multifunktionale Wald sozusagen das Schweizer Taschenmesser im Klimawandel ist, weil es uns hilft, mit den Folgen des Klimawandels umzugehen“, sagt Held. Deshalb brauche es noch mehr Förderung für Waldumbau – auch vom Bund.

Und dann ist da noch das Grundsätzliche: Die in Deutschland zunehmende Trockenheit durch die Erderwärmung. Der Expertenrat für Klimafragen hat der Bundesregierung vor Kurzem attestiert: Sie tue nicht genug, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Dabei wäre auch das ein Hebel – um das Risiko für Waldbrände zu verringern.

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