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Startseite»Politik»Tech-Firmen am Finanzmarkt: Was KI kostet und wer das alles bezahlt
Politik

Tech-Firmen am Finanzmarkt: Was KI kostet und wer das alles bezahlt

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 22, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 22.07.2026 • 15:32 Uhr

Der KI-Boom wird immer stärker über Schulden finanziert. Tech-Konzerne nehmen am Anleihemarkt Milliarden auf. Ob die Wette auf die Zukunft aufgeht, ist keine ausgemachte Sache.

Claudia Wehrle

Mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) sind große Hoffnungen verbunden. Dabei geht es nicht nur um Kosteneinsparungen und effizienteres Arbeiten in Unternehmen. „Dass KI die Wirtschaft produktiver macht, ist wichtig“, sagte Sandra Ebner von Union Investment der ARD-Finanzredaktion.

Sie sei sich sicher, dass KI dieses Potenzial habe. Im besten Fall werde Neues auf neuartige Weise gemacht. „Dann entsteht Wachstum“, so die Ökonomin.

KI ist teuer

Das Problem ist nur, dass das alles Geld kostet – viel Geld sogar. Mit dem Kauf von Hochleistungschips ist es nicht getan. Es müssen neue Rechenzentren gebaut werden, eine entsprechende Infrastruktur ist notwendig. Das geht bis hin zur Sicherstellung der ausreichenden Stromversorgung. Das kostet Milliarden.

Große Tech-Konzerne wie Amazon, Alphabet, Oracle oder Nvidia nehmen inzwischen hohe Kredite auf, um solche Investitionen überhaupt stemmen zu können. Das geschieht häufig über den Anleihemarkt. Nach Berechnungen von Barclays Research haben die Tech-Giganten allein im laufenden Jahr bei Anleiheinvestoren 218 Milliarden Dollar eingesammelt, wie das Handelsblatt jüngst berichtete.

Zum Vergleich: Noch vor wenigen Jahren kamen die großen Tech-Konzerne weitgehend ohne Schulden aus. Mittlerweile drängen Unternehmen wie OpenAI oder Anthropic an die Börse, um sich neue Geldquellen zu erschließen.

Keine Parallelen zur Dotcom-Blase

Die große Frage ist: Können die Hyperscaler, also die Cloud-Dienstleister, jemals genug Gewinne einfahren, welche die hohen Investitionen rechtfertigen? Einige Händler und Ökonomen sehen in der aktuellen Euphorie rund um das Thema Künstliche Intelligenz Parallelen zum Hype um die Jahrtausendwende, als das Internet seinen Siegeszug um die Welt antrat.

Damals wurden Start-ups wie Sand am Meer gegründet. Sie hatten vor allem eines zum Ziel: schnell wachsen. Von der „New Economy“ war die Rede. Es schien sich eine Welt von unbegrenzten Möglichkeiten zu öffnen. Anleger investierten oft hohe Summen in jedes Unternehmen, das eine „.com“-Domain im Namen trug. Es wurde gesprochen von einer „Dotcom-Blase“ oder „Dotcom-Bubble“.

Chris-Oliver Schickentanz von der Capitell AG will die Situation allerdings nicht mit heute vergleichen. „Damals waren es Zukunftsphantasien, die die Kurse nach oben getragen haben. Heute sehen wir bei den Tech-Unternehmen, dass Geld verdient wird und dass tatsächlich Geld in den Unternehmen hängen bleibt.“

Auch Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, sieht es noch gelassen. „Wie immer kann so etwas in einer Übertreibung enden, das wissen wir aus der Wirtschaftsgeschichte.“ Aber noch sähen wir, dass die Hyperscaler, also die KI-Anbieter, sehr gut verdienen. „Und das spricht dafür, dass das Ganze noch funktioniert“, so Krämer im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion.

Gefährliche Allianzen

Das Problem ist nur, dass es sogenannte Klumpenrisiken gibt, eine gefährliche Konzentration von Vermögenswerten in einem einzigen Bereich. In diesem Fall geht es um Technologie. Diese Konzentration gibt es gleich auf mehreren Ebenen.

Die eine Sache ist, dass sich die großen Tech-Konzerne gegenseitig finanzieren, indem sie sich untereinander Produkte verkaufen oder Dienstleistungen zur Verfügung stellen. „Das heißt, wenn in diesem Geflecht einer der Partner aus welchen Gründen auch immer umkippt oder weniger erwirtschaftet, dann gerät dieses zirkuläre Finanzierungssystem ins Wanken“, erklärt Sebastian Heinz.

Heinz ist Gründer und Geschäftsführer von statworx. Das ist ein KI-Unternehmen, das Firmen, auch große DAX-Konzerne, beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz begleitet. „Wenn das Finanzierungssystem ins Wanken gerät, kann das extrem gefährlich werden aufgrund der Menge an Kapital, die in diesen Unternehmen gebunden ist“, sagt Heinz.

Klumpenrisiken auch an der Börse

Der andere Punkt ist die hohe Konzentration von Technologieunternehmen am Finanzmarkt. Aktien von Unternehmen, die etwas mit Künstlicher Intelligenz zu tun haben, sind nicht nur als einzelne Werte handelbar, sondern in vielen ETFs enthalten, also in börsengehandelten Fonds.

Selbst breit angelegte Indizes wie der MSCI World enthalten die Big-Tech-Konzerne. Durch die rasanten Kurssteigerungen bekommen sie auch immer mehr Gewicht in einzelnen Indizes. Käme die Branche ins Rutschen, dann würde das einen Domino-Effekt auslösen.

„Es wartet ja eigentlich schon jeder darauf, dass etwas passiert“, so Heinz. „Und dann werden wir wahrscheinlich in eine ähnliche Situation reinlaufen, was die Auswirkungen oder Nachwirkungen angeht, wie wir das in der Dotcom-Bubble oder auch in der Finanzkrise hatten.“

Noch ist es nicht so weit. Noch ist Künstliche Intelligenz der wichtigste Treiber für das globale Wirtschaftswachstum. In diesen Tagen öffnen große Konzerne ihre Geschäftsbücher und dann muss sich zeigen, ob die hochgesteckten Erwartungen (noch) erfüllt werden.

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