Porträt
Er gilt als fleißig, loyal und hart in der Sache: Thorsten Frei soll Unions-Fraktionsvorsitzender im Bundestag werden. Wer ist der Mann, der Jens Spahn ersetzen soll?
Der nächste Fraktionsvorsitzende der Union könnte aus Baden-Württemberg kommen. Die Parteichefs von CDU und CSU, Friedrich Merz und Markus Söder, haben der Unionsfraktion Thorsten Frei als neuen Vorsitzenden vorgeschlagen. Die Fraktion soll nach dem Rücktritt des bisherigen Vorsitzenden Jens Spahn (CDU) in einer Sondersitzung am Mittwoch kommender Woche einen neuen Chef wählen.
Frei hat in der Politik einen konstanten Aufstieg hinter sich. Der studierte Jurist arbeitete als Rechtsanwalt, bevor er hauptberuflich in die Politik wechselte. Mit 31 wurde er Oberbürgermeister von Donaueschingen, seit 2013 sitzt er im Deutschen Bundestag. Hier gilt er als fleißig, strukturiert und gut vernetzt. Als jemand, der weiß, wie man Strippen zieht und eigene Positionen in Verhandlungen durchsetzt. Freundlich im Ton, aber, so Parteifreunde, durchaus hart in der Sache.
Ein geschätzter Kommunikator
Erfahrung im Umgang mit der Fraktion und der Arbeit im Parlament hat Frei bereits als Parlamentarischer Geschäftsführer gesammelt – quasi als Manager der Fraktion mit Blick auf Termine, Themen und Abläufe. Bei ihm, so heißt es in einer Dokumentation des SWR, liefen die Fäden aller Arbeitsgruppen zusammen. „Das bedeutet, dass man sich permanent mit Themen beschäftigen muss, bei denen man selbst kein Experte ist“, so Frei. „Es geht also darum, sich sehr schnell auch in teilweise neue Sachverhalte einzuarbeiten. Und das geht nicht ohne eine optimale Zuarbeit.
Und es geht nicht ohne Kommunikation. Freis verbindliche Art wird allgemein geschätzt. Er kommuniziert gern. Und ist ein gern gesehener Gast in Talkshows.
Merz‘ rechte Hand im Kanzleramt
Es ist kein Geheimnis, dass der 52-Jährige das Amt des Fraktionsvorsitzenden auch schon früher hätte übernehmen wollen. Merz aber entschied anders – und holte seinen Vertrauten, der oft als seine rechte Hand bezeichnet wird, zu sich ins Kanzleramt. Er weiß, dass er sich auf ihn verlassen kann. Frei bleibt in seiner Rolle, selbst wenn er anderer Meinung ist:
„Am Ende gibt’s einen Vorsitzenden, der führt“, sagt Frei. „Für mich ist es nie eine Frage gewesen, dass ich die Mehrheitsentscheidung in der Fraktion dann auch loyal mittrage.“
Eine gute Wahl für den Fraktionsvorsitz?
Als Kanzleramtschef machte Frei nicht immer eine glückliche Figur. Ihm wurde vorgeworfen, weiterhin lieber Interviews zu geben, als abseits der öffentlichen Bühne die Regierungsarbeit mit den Fraktionen und den Bundesländern zu koordinieren. So scheiterte unter anderem die von der Regierung angekündigte Entlastungsprämie für hohe Energiekosten am Widerstand der Länder.
Ein Wechsel an die Fraktionsspitze würde aus Sicht vieler Unions-Beobachter durchaus Sinn machen. Frei wäre dann unter anderem verantwortlich dafür, Unionspositionen auch nach außen zu vertreten.
Er wäre derjenige, der strittige Punkte innerhalb der Fraktion, aber auch mit dem Koalitionspartner SPD verhandeln und abräumen muss, um die knappe Mehrheit im Parlament für Entscheidungen der Bundesregierung zu sichern.
Kanzler Merz hätte mit Frei jemanden an der Fraktionsspitze, der als absolut loyal gilt. Und er hätte die Möglichkeit, den Posten des Kanzleramtschefs neu zu besetzen. Zunächst einmal muss sich allerdings Frei in einer Woche in der Fraktion zur Wahl stellen.

