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Warnung vor Diesel-Engpass: Zerstörung russischer Raffinerien treibt europäische Spritpreise in die Höhe

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 23, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Warnung vor Diesel-EngpassZerstörung russischer Raffinerien treibt europäische Spritpreise in die Höhe

22.07.2026, 19:07 Uhr

Von Max Borowski
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Mit Drohnenangriffen hat die Ukraine mehrere Dutzend große Raffinerien in Russland stark beschädigt. (Foto: SOCIAL MEDIA via REUTERS)

Das größte Risiko der Kraftstoffversorgung geht trotz der jüngsten Eskalation in Nahost nicht von fehlendem Rohöl aus, sondern von einem Mangel an Raffineriekapazitäten. Obwohl Europa keinen Treibstoff mehr aus Russland importiert, ist der Rückgang der russischen Dieselproduktion hier deutlich spürbar.

Jüngste Angriffe auf Schiffe in der Straße von Hormus und die Drohung der proiranischen Huthi im Jemen, den Zugang zum Roten Meer zu blockieren, haben den Ölpreis seit Anfang Juli wieder deutlich in die Höhe getrieben. Laut Experten ist das allerdings nicht das größte Problem des globalen Energiemarktes im Moment und auch nicht die einzige Ursache für die stark gestiegenen Spritpreise an deutschen Tankstellen. „Die größte Verwundbarkeit des Energiesystems liegt nicht mehr in der Rohölversorung“, so eine aktuelle Analyse des Energiemarkt-Datenanbieters Kpler, „sondern in der Raffineriekapazität“.

Während sich die Vorräte an raffinierten Treibstoffen wie Diesel, Benzin und Kerosin insbesondere in Europa in den vergangenen Monaten stark geleert haben, sind weitere Produktionskapazitäten für Treibstoff für den Weltmarkt weggebrochen. Die Bank Morgan Stanley warnte vor wenigen Tagen vor einem „Diesel-Engpass“. Die Bestände an dem Treibstoff dürften im Laufe dieses Jahres auf ein mehrjähriges Tief fallen.

Da liege das bedeutendere Risiko für die Diesel-Versorgung nicht im Nahen Osten, erklärt Sarah Raffoul, Senior-Analystin für Ölprodukte bei Argus Media. „Zunehmende Störungen in russischen Raffinerien infolge einer Zunahme ukrainischer Drohnenangriffe dürften sich stärker auf die Dieselversorgungslage auswirken“, so Raffoul, insbesondere nach dem kürzlich angekündigten russischen Exportverbot für Diesel.

Die Ukraine nimmt in ihrem Abwehrkampf gegen die seit mehr als vier Jahren andauernde russische Vollinvasion seit Monaten gezielt die bedeutendsten Raffinerien Russlands ins Visier. Unmittelbare Folge ist eine schwere Störung der Treibstoffversorgung in Russland selbst. Im ganzen Land wird von langen Schlangen an den Tankstellen berichtet, die Kraftstoffpreise sind stark gestiegen. Darüber hinaus sind die Auswirkungen weltweit zu spüren, auch in Europa und Deutschland, das inzwischen seit mehreren Jahren keinen Diesel mehr aus Russland importiert.

Unter anderem für Brasilien, die Türkei, aber auch Länder in Nordafrika ist Russland ein wichtiger Diesellieferant. Diese Staaten müssen sich nun neue Anbieter suchen, etwa die USA, Indien oder Nigeria. Damit werden sie zu direkten Konkurrenten für Europa, das von dort einen erheblichen Teil seines Diesels importiert. Superbenzin in Europa ist von diesen Entwicklungen weniger betroffen. Deutsche Raffinerien stellen mehr Benzin her, als hierzulande benötigt wird, und exportieren den Kraftstoff.

Wie streng das Exportverbot umgesetzt wird, bleibe abzuwarten, so Kraftstoffexpertin Raffoul. Doch schon im Juni waren die Dieselexporte Russlands um mehr als 60 Prozent zurückgegangen. Berichten zufolge führt Russland inzwischen sogar Treibstoff aus Indien ein, um die Nachfrage im eigenen Land zu bedienen.

Raffineriemarge auf Rekordhoch

Dass die Raffinerien inzwischen zum Flaschenhals der Treibstoffversorgung in Europa geworden sind, ist unter anderem am „Crack Spread“ ablesbar. Dieser auch als Raffinerie-Marge bezeichnete Wert beziffert die Differenz zwischen dem Preis für das Rohöl, das die Raffinerien kaufen, und dem für die von ihnen hergestellten Produkte. Steigen – wie zuletzt – die Preise für Kraftstoffe stärker als der Rohölpreis, bleibt für die Raffinerien eine höhere Marge übrig. Unmittelbar nach der Verkündung des russischen Exportverbots sprang dieser Wert für Diesel in Europa auf die Rekordhöhe von 65 Dollar.

Der Rückgang der russischen Raffinerieproduktion hat weltweit auch deswegen so starke Auswirkungen, weil durch die Blockade der Straße von Hormus bereits seit Monaten wichtige Kraftstofflieferanten vom Weltmarkt weitgehend abgeschnitten sind. Europa konnte das teilweise ausgleichen durch zusätzliche Importe aus den USA und eine Erhöhung der eigenen Produktion, musste aber auch auf Reserven zurückgreifen, die nun deutlich niedriger sind. Laut Argus Media waren die Exporte von Dieselproduzenten am Persischen Golf im Zuge des Iran-Konflikts um rund vier bis fünf Millionen Tonnen pro Monat zurückgegangen. Der russische Exportstopp könnte diesen Engpass zusätzlich noch einmal um die Hälfte verschärfen.

Quelle: ntv.de

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