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Machtwechsel im Osten?: Alle Daten zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 23, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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Machtwechsel im Osten?Alle Daten zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Barockfassade am Domplatz in Magdeburg: Blick auf den Gebäudekomplex mit dem Plenarsaal des Landtags von Sachsen-Anhalt. (Foto: picture alliance / imageBROKER)

Politische Weichenstellung zum Herbstauftakt: Anfang September wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. Die AfD liegt in den Umfragen bisher deutlich vorn. Wird eine vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte Partei künftig den Ministerpräsidenten stellen?

Sachsen-Anhalt steht vor der Wahl: Rund 1,7 Millionen Stimmberechtigte sind am ersten Sonntag im September dazu aufgerufen, die Macht- und Mehrheitsverhältnisse im Landesparlament des ostdeutschen Flächenlands neu zu bestimmen. Der anstehende Urnengang schlägt bereits im Vorfeld bundesweit hohe Wellen: Kommt es in diesem Herbst zum Machtwechsel in Magdeburg?

Umfragen deuten auf mögliche Stimmzuwächse weit rechts der Mitte hin. Die Alternative für Deutschland (AfD) kommt in repräsentativen Erhebungen auf bis zu 41 Prozent. Damit könnte die AfD mit ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund zur neuen stärksten Kraft in dem Bundesland aufsteigen. Die CDU dagegen muss sich nach Einschätzung der Meinungsforscher auf deutliche Verluste einstellen. Wer gewinnt die Wahl in Sachsen-Anhalt?

Hinweis: Die Infografiken zur Landtagswahl beruhen auf den jeweils aktuellsten Umfragewerten und werden bis zum Wahltag laufend aktualisiert.

Der Wahltermin steht fest, das Wahlergebnis und die künftigen Mehrheitsverhältnisse sind jedoch noch weitgehend offen. Wie viele Parteien werden am 6. September den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde schaffen? Bisher sind mit CDU, AfD, Linken, SPD, FDP und Grünen insgesamt sechs Parteien im Magdeburger Landtag vertreten. Der amtierende Ministerpräsident, CDU-Politiker Sven Schulze, führt gestützt auf eine schwarz-rot-gelbe Koalition die Regierungsgeschäfte.

Lange im Amt ist Schulze jedoch noch nicht: Der Spitzenkandidat der CDU übernahm den Posten erst Ende Januar. Der erfahrene und vielen Wählern vertraute Landesvater Reiner Haseloff tritt bei der Landtagswahl 2026 nicht mehr an.

Für die Christdemokraten wären die prognostizierten Stimmverluste ein herber Rückschlag: Die CDU stellt in Sachsen-Anhalt seit mehr als 20 Jahren den Regierungschef. Haseloff selbst war seit 2011 im Amt. Bei der zurückliegenden Landtagswahl 2021 erreichte die Partei mit ihm und dem Amtsbonus noch ein Ergebnis von 37,1 Prozent.

Eines scheint sicher: Nach der Ära Haseloff wird sich in Sachsen-Anhalt einiges ändern. In den Umfragen sind weitere Tendenzen zu erkennen. Die Linke zum Beispiel kann demnach auf leichte Zugewinne hoffen. Die SPD dürfte womöglich nur leicht an Rückhalt verlieren. FDP und Grüne müssen um den Wiedereinzug in den Landtag fürchten.

Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) könnte dagegen am Wahlabend knapp über der entscheidenden Schwelle liegen. Die Auswirkungen wären enorm: Für die konkurrierenden Parteien zählt jede einzelne Stimme. Je nach Umfrage sehen die Demoskopen statt bisher sechs nur noch fünf oder gar nur vier Fraktionen im künftigen Landtag vertreten.

Damit steuert Sachsen-Anhalt auf heikle Mehrheitsverhältnisse zu: Sollten die Liberalen tatsächlich den Wiedereinzug in den Landtag verpassen, müsste sich CDU-Spitzenkandidat Schulze so oder so nach mindestens einem neuen Bündnispartner umschauen – falls es für seine Partei überhaupt zu einer tragfähigen Mehrheit reicht.

Mit der AfD könnte eine Partei, deren eigener Landesverband vom Verfassungsschutz als „rechtsextremistisch“ eingestuft wird, zur neuen stärksten Kraft aufsteigen. Und scheitert das BSW erneut an der Fünf-Prozent-Klausel, könnte das Plenum in Magdeburg bald nur noch vier Fraktionen umfassen. Wie sich unter solchen Umständen ein handlungsfähiges Regierungsbündnis schmieden ließe, ist noch offen.

Unabhängig davon, welche Partei nach dem Wahltag den Regierungsauftrag für sich beanspruchen kann: Viel Auswahl bliebe in einem Vier-Parteien-Parlament nicht. Und auch mit fünf Parteien im Landtag könnte sich Sachsen-Anhalt am Wahlabend weit entfernt von stabilen Mehrheiten wiederfinden.

Eine denkbare Dreier-Koalition der CDU etwa unter Beteiligung des BSW wäre in der Bundespolitik mehr als nur umstritten. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann hat eine solche Zusammenarbeit ausdrücklich ausgeschlossen. Schon eine Kooperation mit der Linken, in Sachsen-Anhalt immerhin womöglich erneut drittstärkste Kraft, wäre für die Beteiligten zumindest schwierig. Einzelne Umfragen sehen neben CDU, AfD und Linken noch SPD und BSW im Landtag. Rein rechnerisch wäre unter diesen Bedingungen ein Viererbündnis aus CDU, SPD, Linken und BSW möglich. Politisch erscheint ein solcher Ansatz jedoch kaum umsetzbar – die Gegensätze wären wohl zu groß.

Auf der anderen Seite der Brandmauer sehen die Aussichten nicht solider aus: Eine absolute Mehrheit ist für die AfD laut Umfragen bisher nicht in greifbarer Nähe. Die Rechten müssten sich also mit mindestens einer weiteren Partei zusammentun. Mögliche Bündnispartner sind rar.

Abgesehen vom BSW ist keine der übrigen Parteien zur Zusammenarbeit mit der AfD bereit. Und noch ist es alles andere als sicher, ob die Partei von Sahra Wagenknecht überhaupt genügend Wähler in Sachsen-Anhalt überzeugen kann. Scheitert das BSW – wie zuletzt im März in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz – erneut am Sprung in den Landtag, stünde auch AfD-Spitzenmann Siegmund voraussichtlich ohne tragfähige Mehrheit da.

Alles hängt davon ab, wie sich die Wählerinnen und Wähler in Sachsen-Anhalt entscheiden – und wie viele Wahlberechtigte tatsächlich von ihrem Stimmrecht Gebrauch machen. Die Wahlbeteiligung lag bei den vorausgegangenen acht Landtagswahlen teils deutlich unter den Beteiligungsquoten bei Bundestagswahlen. Den bisherigen Tiefpunkt erreichte die Bereitschaft zur Mitbestimmung der politischen Verhältnisse auf Landesebene bei der Wahl 2006.

Damals wollten sich in Sachsen-Anhalt nur 44,4 Prozent der Wahlberechtigten per Stimmabgabe an der Wahlentscheidung beteiligen. Die höchste Wahlbeteiligung erlebte das Land Ende der Neunziger. Bei der Landtagswahl 1998 stimmten 71,5 Prozent der Wahlberechtigten ab. Der Anteil der bisherigen Nichtwähler stellt für die um Einfluss und Lösungsansätze konkurrierenden Parteien das größte schlummernde Potenzial dar.

Das Wahlverfahren folgt dem bekannten Muster: Wahlberechtigt sind „alle Deutschen im Sinne des Grundgesetzes“ ab 18 Jahren, wie es in den Informationen zur Landtagswahl heißt, die „seit mindestens drei Monaten in Sachsen-Anhalt wohnen“ und nicht durch richterlichen Beschluss vom Wahlrecht ausgeschlossen sind.

Die Wählerinnen und Wähler haben jeweils zwei Stimmen: Die Erststimme geht durch einfaches Ankreuzen auf dem Wahlzettel an die jeweilige Kandidatin oder den jeweiligen Kandidaten im Wahlkreis, die Zweitstimme an die bevorzugte Partei auf Landesebene. Der Magdeburger Landtag umfasst mindestens 83 Sitze.

Direktwahlfrage: Schulze vor AfD-Kandidat Siegmund

„Mit den Erststimmen werden 41 Kandidatinnen oder Kandidaten direkt in den Landtag gewählt“, fasst die Landeszentrale für politische Bildung das Wahlverfahren zusammen. „Die Person, die in ihrem Wahlkreis die meisten Stimmen erhalten hat, zieht als direkt gewählte Abgeordnete oder direkt gewählter Abgeordneter in den Landtag ein.“ Über die Zweitstimmen wird die Verteilung der Sitze insgesamt auf die einzelnen Parteien ermittelt.

Rückblick: So das Wahlergebnis 2021 aus

Die Wahllokale sind am Sonntag, 6. September von 8.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet. Zur Stimmabgabe benötigen Wahlberechtigte lediglich ihre Wahlbenachrichtigung und einen Ausweis in Form eines „amtliches Lichtbilddokuments“, also Personalausweis, Reisepass oder Führerschein.

Wer sich den Weg in das Wahllokal sparen will, kann vorab die Stimmabgabe per Briefwahl beantragen. Das ist zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt noch bis zum 4. September 2026, 15.00 Uhr möglich. Den Antrag auf Briefwahl können Wahlberechtigte vor Ort bei ihrer Gemeinde stellen – oder bei dieser Gelegenheit gleich dort per Briefwahl ihre Stimme abgeben. Die Frist zur Rücksendung von Wahlbriefen per Post endet aufgrund der anfallenden Transport- und Bearbeitungszeiten früher. Sie läuft bereits am 3. September – drei Tage vor der Wahl – ab.

Quelle: ntv.de, mmo

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