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Startseite»Nachrichten»Forscher rätseln über Gründe: Orcas rammen Riesenfisch – bis er „explodiert“ 
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Forscher rätseln über Gründe: Orcas rammen Riesenfisch – bis er „explodiert“ 

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 23, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Forscher rätseln über GründeOrcas rammen Riesenfisch – bis er „explodiert“ 

Wissenschaftler beobachten ein bislang unbekanntes Verhalten von Schwertwalen: Ein Orca hält einen Kadaver fest, damit ein Artgenosse ihn mit voller Wucht treffen kann. Die Motivation für die Aktion ist aber noch unklar und könnte zwei völlig gegensätzliche Gründe haben. 

Eine Orca-Dame hält einen gewaltigen Fisch an der Schwanzflosse fest. Ein zweiter Schwertwal nimmt Anlauf, beschleunigt und schießt direkt auf die beiden zu. Erst unmittelbar vor dem Zusammenstoß lässt das Weibchen die Beute los. Der Aufprall ist so heftig, dass der Körper des Fisches in Tausende Stücke zerfällt. Forschende haben dieses ungewöhnliche Verhalten nun erstmals wissenschaftlich beschrieben.

Die Beobachtungen stammen aus dem Golf von Kalifornien und sind im Fachjournal „Frontiers in Ethology“ veröffentlicht worden. Das Forschungsteam dokumentiert darin zwei unabhängig voneinander aufgenommene Vorfälle aus den Jahren 2024 und 2025. Die Orcas könnten die bereits getöteten Fische auf diese Weise für ein Jungtier zerlegt haben. Möglich sei aber auch, dass ihnen die Aktion schlicht als Unterhaltung diente.

Bei der Beute handelte es sich um Spitzschwanz-Mondfische. Diese ungewöhnlich geformten Knochenfische können mehr als drei Meter lang und bis zu zwei Tonnen schwer werden. Sie halten sich in unterschiedlichen Tiefen auf, kommen jedoch unter anderem zum Aufwärmen und zur Entfernung von Parasiten an die Wasseroberfläche. Dort werden sie leicht zur Beute von Orcas.

Jungtier frisst die kleinen Stücke

Den ersten Vorfall beobachtete Studienleiterin Kathryn Ayres im Juli 2024. Eine Gruppe aus mehreren Orcas, darunter ein Jungtier, beschäftigte sich mit einem bereits getöteten Mondfisch. Ein Weibchen packte den Kadaver an der großen Schwanzflosse und hielt ihn fest, während sich ein männlicher Orca mit hoher Geschwindigkeit näherte. Kurz vor dem Aufprall gab das Weibchen den Fisch frei. Durch die Kollision lösten sich große Mengen Gewebe, die anschließend im Wasser trieben. Das Jungtier fraß von den kleineren Stücken. Die erwachsenen Orcas machten sich dagegen über die größeren Reste des Körpers her. Im September 2025 wurde ein nahezu identischer Ablauf erneut gefilmt.

„Wir dokumentieren, wie ein Orca den Mondfisch festhält und ihn unmittelbar bevor ein anderer Orca mit hoher Geschwindigkeit auf ihn trifft wieder loslässt“, erklärt Ayres laut Mitteilung. Der Zusammenstoß lasse das Gewebe „in Tausende Teile zerfallen“. Eine solche koordinierte Methode, bei der Orcas einen Kadaver gezielt festhalten und rammen, sei bislang nicht als Strategie zur Verarbeitung von Beute beschrieben worden.

Die Rammstöße dienten offenbar nicht dazu, die Tiere zu töten: Beide Mondfische waren zu diesem Zeitpunkt bereits tot. Vielmehr stabilisierte ein Orca den Kadaver, damit ein anderer ihn möglichst präzise treffen konnte. Das spricht nach Einschätzung des Forschungsteams für eine abgestimmte und kooperative Vorgehensweise.

Hilfe für den Nachwuchs – oder ein Spiel?

Eine mögliche Erklärung ist elterliche Fürsorge. Indem die erwachsenen Orcas die riesige Beute in kleine Portionen zerlegten, erleichterten sie dem Jungtier das Fressen. „Orcas zerreißen ihre Beute häufig und teilen sie mit anderen Gruppenmitgliedern, darunter Kälbern und Jungtieren“, sagt Ayres. Die Aktion könnte den jungen Tieren außerdem Gelegenheit gegeben haben, den Umgang mit Beute zu beobachten und zu erlernen.

Ausgeschlossen ist jedoch nicht, dass die Orcas aus Spieltrieb handelten. Schwertwale sind dafür bekannt, Beutetiere oder deren Überreste auch dann noch zu bewegen, herumzutragen oder weiterzugeben, wenn dies für die Nahrungsaufnahme nicht unbedingt nötig erscheint. „Wir glauben, dass es jüngeren Orcas das Fressen erleichtern könnte – oder dass sie es einfach zum Spaß tun“, sagt Ayres. Welche Motivation tatsächlich hinter den Rammstößen steckte, lässt sich anhand der Aufnahmen allerdings nicht feststellen.

Zudem ist unklar, ob jeweils dieselben Schwertwale beteiligt waren. Für eine eindeutige Identifizierung benötigen die Forschenden bessere Aufnahmen von Rückenflossen und den charakteristischen hellen Flecken hinter den Augen. „Wir beobachten noch immer neue Techniken, mit denen Orcas ihre Beute jagen und verarbeiten“, sagt Ayres. Obwohl sie zu den bekanntesten Meeresräubern der Welt gehörten, schafften sie es weiterhin, „uns zu überraschen“.

Quelle: ntv.de, hny

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