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Startseite»Politik»Kapazitäten im Strafvollzug: Wenn es voll wird im Gefängnis
Politik

Kapazitäten im Strafvollzug: Wenn es voll wird im Gefängnis

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 25, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 25.07.2026 • 16:34 Uhr

In vielen Gefängnissen wird es eng. Die Anstalten sind teils fast vollständig ausgelastet. Es fehlt an Haftplätzen. Die in die Jahre gekommenen Anstalten müssen um- oder neugebaut werden. So wie Teile der JVA Tegel in Berlin

Ole Hilgert

Olaf Heischel ist ehrenamtlicher Vorsitzender des Berliner Vollzugsbeirats. Das unabhängige Gremium berät und kontrolliert die Arbeit des Berliner Strafvollzugs. Schon seit Längerem beobachtet der Rechtsanwalt im Ruhestand, wie die Häftlingszahlen in der Hauptstadt leicht ansteigen. „In den meisten Gefängnissen liegt die Auslastung bei rund 90 bis 95 Prozent, was bisher unproblematisch ist. Kritisch ist aber die Untersuchungshaft für Männer in der JVA Moabit. Dort sind es aktuell knapp 100 Prozent“, so der Jurist.

Das Problem: Gefangene bei Konflikten voneinander zu trennen, sei ab einer Auslastung von 95 Prozent schwierig, weil es kaum noch Freiraum in anderen Bereichen zum Verlegen gebe. „Diese Situation verschärft subkulturelle Konflikte und fördert Gewalt“, warnt Heischel. Resozialisierung werde erschwert.

Die Berliner Senatsverwaltung für Justiz bestätigt für die JVA Moabit eine Auslastung von derzeit 99 Prozent. Aufgrund einer kurzfristig hohen Anzahl an Aufnahmen könne es dort punktuell zu Belegungsspitzen kommen. In solchen Fällen greife ein strukturiertes und bewährtes Verfahren der Verlegung auf andere Gefängnisse, heißt es weiter.

Teils „menschenunwürdige Zustände“

Dass der Platz in manchem Gefängnis knapp wird, ist offenbar nicht nur ein Berliner Phänomen. Das zumindest geht aus einer Recherche der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) hervor. Im März 2026 standen demnach bundesweit gut 70.000 Plätze in Justizvollzugsanstalten zur Verfügung und damit deutlich weniger als noch vor sieben Jahren. Gleichzeitig steige die Zahl der Inhaftierten.

Eine Befragung der NOZ bei den Justizministerien der 16 Bundesländer hatte ergeben, dass es bundesweit 1.755 Haftplätze weniger gebe als 2019. Besonders stark sei der Rückgang in Bayern, Hessen und Berlin gewesen. Die Bundeshauptstadt büßte demnach in den vergangenen Jahren mehr als zehn Prozent der Plätze ein. Zahlen der Justizverwaltung in Berlin bestätigen das.

Die Entwicklung hat offenbar Folgen. Aus Hamburg etwa wurden Anfang des Jahres Gefangene aus Kapazitätsgründen nach Mecklenburg-Vorpommern verlegt. Die Belegungssituation in der Hansestadt sei angespannt, hieß es damals von der zuständigen Justizsenatorin Anna Gallina.

In Niedersachsen sprach die unabhängige „Nationale Stelle zur Verhütung von Folter“ kürzlich gar von menschenunwürdigen Zuständen. Laut Verband niedersächsischer Strafvollzugsbeamter fehlen in dem Bundesland 200 bis 300 Haftplätze.

Kritik an Personalsituation

Neben punktuellen Kapazitätsengpässen ist aus Sicht des Berliner Vollzugsbeirats die mangelnde Ausstattung mit qualifiziertem Personal ein weiteres Problem. Laut Vorsitzendem Olaf Heischel fehlt es an manchen Stellen in den Berliner JVAs an Bediensteten und Sozialarbeitern. Die nötige intensive Betreuung werde dadurch erschwert und Gewalt unter Gefangenen häufig nicht oder zu spät erkannt und unterbunden.

Heischel schätzt die Lage als dramatisch ein: „Einzelne Fälle werden angezeigt, aber es gibt bei Gewalt unter Gefangenen eine hohe Dunkelziffer.“ Die einzige Lösung sei mehr qualifiziertes Personal, das Zeit habe, Gespräche zu führen und zu vermitteln.

Die Justizverwaltung sieht Personalmangel indes nicht als Grund für Veränderungen in den Haftkapazitäten Berlins. Anpassungen der Belegungsfähigkeit würden sich ausschließlich aus baulichen Erfordernissen und Sanierungen ergeben, heißt es auf Nachfrage.

Berlin baut neues Gefängnisgebäude

Denn viele Gebäude im Berliner Strafvollzug sind alt. Die JVA Tegel, eines der größten Gefängnisse Deutschlands, wurde 1898 errichtet. Schon 2009 entschied der Berliner Verfassungsgerichtshof, dass ein Teil der Anstalt nicht mehr genutzt werden darf, weil die kleinen Zellen ohne abgetrennte Toiletten menschenunwürdig seien.

Die Teilanstalt wurde abgerissen. Seit September 2025 entsteht ein Neubau mit 216 Haftplätzen, der 2028 fertig werden soll. Zudem sollen laut Senatsverwaltung weitere Gefängnisteile auf dem Areal saniert werden. Sanierungen fänden bei laufendem Betrieb statt und führten daher zu einer vorübergehenden Reduzierung der Belegungsfähigkeiten.

Außerdem müssten veränderte rechtliche Anforderungen an die Größe von Hafträumen berücksichtigt werden. Bei älteren Gefängnissen würden oft Grundrisse angepasst, weil eine Mehrfachbelegung laut Verwaltung nicht mehr zeitgemäß sei.

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