Als künftiger Gesundheitsminister will Linnemann an den Reformprozess seiner Vorgängerin anknüpfen – und verteidigt seine Eignung für das Amt. Von den Sozialverbänden kommen bereits Forderungen nach Änderungen bei den Reformen.
Der designierte Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann hat sich für weitergehende Reformen im Gesundheitsbereich ausgesprochen. „Wir haben eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt, aber eben nicht eines der besten“, sagte der bisherige CDU-Generalsekretär der Bild-Zeitung.
Seit Langem setze er sich dafür ein, die Zahl der Krankenkassen zu reduzieren. „Und dass die Sozialbeiträge stabilisiert, ja eigentlich sinken müssten, steht außer Frage“, so Linnemann weiter. „Aber es wird nicht einfach werden. Da mache ich mir nichts vor.“
Linnemann weist Zweifel zurück
Dennoch wies er Zweifel an seiner Eignung als Gesundheitsminister zurück. Hintergrund sind Äußerungen von Linnemann in einem Interview des Senders Phoenix im Mai 2025. Damals hatte der Volkswirt – nach der Bildung der Bundesregierung – gesagt, es sei nicht „sein Ding“, Minister zu sein, nur damit das irgendwo in Wikipedia stehe. „Wenn sie mich jetzt aufgestellt hätten, weiß ich nicht, als Gesundheitsminister, wäre ich wahrscheinlich nicht erfolgreich gewesen. Die Leute hätten gesagt, warum wird der Gesundheitsminister, was hat der damit zu tun.“
Jetzt sagte er in der Bild dazu: „Wenn die Uhr auf die Zeit kurz nach der Bundestagswahl zurückgedreht würde, würde ich wieder so antworten. Die Ausgangslage war damals eine andere.“ Seit mehr als einem Jahr verhandle er im Koalitionsausschuss auch die Gesundheitsthemen und sehe, dass auch im Gesundheitswesen ein erheblicher Reformdruck vorliegt. „Ich habe großen Respekt vor der neuen Aufgabe, ist doch klar! Ich weiß, dass ich mich noch tiefer werde einarbeiten müssen. Aber ich traue mir das zu.“ Auf Instagram bat er um Einarbeitungszeit: „Ich bin auch ehrlich, ihr müsst mir ein bisschen Zeit geben.“
Bundeskanzler Friedrich Merz berief Linnemann zum Nachfolger von Nina Warken (CDU), die wiederum von Thorsten Frei (CDU) den Posten als Kanzleramtschefin übernimmt.
Verbände appellieren an Linnemann
Verbände äußerten bereits erste Forderungen an Linnemann. Der Sozialverband Deutschland appellierte in den Zeitungen der Funke Mediengruppe an den CDU-Politiker, die schwarz-rote Gesundheitsreform zu überdenken. Für Reformen in Gesundheit und Pflege müsse gelten, die Versorgung zu verbessern und nicht nur pauschal kürzen, sagte Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier. Bislang sehe die Gesundheitsreform vor allem erhebliche Leistungskürzungen und Mehrbelastungen für die Versicherten vor. Die anstehende Pflegereform müsse Betroffene und deren Angehörige in den Mittelpunkt stellen.
Der Sozialverband VdK forderte, Ziel der Gesundheitsreform müsse eine stabilere und gerechter finanzierte gesetzliche Krankenversicherung sowie ein patientenzentriertes Primärversorgungssystem sein. Linnemann müsse sich dabei stärker an den Interessen der Versicherten orientieren als an der Gewinnmaximierung der Pharmaindustrie, sagte die VdK-Chefin Verena Bentele den Funke-Zeitungen.
Die Vorsitzende des Ärzteverbandes Marburger Bund, Susanne Johna, sagte im Deutschlandfunk, sie erwarte vom designierten Gesundheitsminister, dass er die Ärzteschaft in seine Arbeit einbindet. Denn er bringe keine eigene Expertise in dem hochkomplexen Feld der Gesundheitspolitik mit, so Johna.
