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Startseite»Nachrichten»„Siedlungen Berliner Moderne“: Waldsiedlung Zehlendorf wird Unesco-Welterbe
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„Siedlungen Berliner Moderne“: Waldsiedlung Zehlendorf wird Unesco-Welterbe

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 26, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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„Siedlungen Berliner Moderne“Waldsiedlung Zehlendorf wird Unesco-Welterbe

Teil Berliner Architekturgeschichte, und nun auch des Unesco-Welterbes: ein Mehrfamilienhaus in der Waldsiedlung Zehlendorf. (Foto: dpa)

Die „Siedlungen der Berliner Moderne“ wurden von der Unesco bereits als Welterbe anerkannt. Nun bekommen sie Zuwachs, denn die Waldsiedlung Zehlendorf wird als Teil des Welterbes in die Liste aufgenommen. Wegen ihrer Farben hat sie einen besonderen Spitznamen.

Die Waldsiedlung Zehlendorf in Berlin wird in die Unesco-Welterbeliste aufgenommen. Das Unesco-Welterbekomitee beschließt im südkoreanischen Busan, die Siedlung als Erweiterung der bereits bestehenden Welterbestätte „Siedlungen der Berliner Moderne“ anzuerkennen. Dazu gehören etwa die bekannte Hufeisensiedlung im Bezirk Neukölln oder die Weiße Siedlung in Reinickendorf. Die Waldsiedlung fiel wegen ihres damals schlechten Erhaltungszustands zunächst raus.

Die Siedlung umfasst viel Grün, ist auch sonst sehr farbig und hat daher einen witzigen Namen: Papageiensiedlung. Etwa 4000 Menschen leben dort. Die Waldsiedlung wurde von 1926 bis 1932 von der gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaft Gehag im Bauhausstil errichtet und ist damals eine der größten und bedeutendsten in Deutschland.

Die Architekten Bruno Taut, Hugo Häring und Otto Rudolph Salvisberg setzten damals – gegen teils heftigen Widerstand konservativer Kreise – ihre Vision einer Wohnanlage um, die als revolutionär gilt. Sie verbanden moderne, offene Architektur in einem von Grünflächen und Bäumen geprägten Umfeld mit dem sozialen Anspruch, bezahlbaren Wohnraum für breite Schichten zu schaffen.

Debatten um die Flachdächer

„Wald, Licht, Luft, Sonne“ – so beschreibt Ute Scheub das Siedlungskonzept. Sie hat ein Buch über die 100-jährige Geschichte herausgebracht und wohnt selbst dort. 1100 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern entstehen, 2,5 Zimmer, dazu etwa 800 Reihenhäuser, je fünf Meter breit mit bis zu drei Etagen.

Gelbe, blaue, grüne oder bordeauxrote Fassaden, dreifarbige Fensterrahmen, farbenfrohe Eingangstüren, kleine Balkone, große Innenhöfe mit Birken, kleine Gärten – die Gestaltung der Häuser sorgt in einer Zeit, in der gerade die einfachen Städter in grauen Mietskasernen mit düsteren Hinterhöfen wohnen, für Schlagzeilen. Der Name Papageiensiedlung geht auf ihre Buntheit zurück und macht schnell die Runde.

Ein Politikum sind die Flachdächer. Aufgeregte Debatten darüber, ob das überhaupt deutsch sei, gipfeln im „Zehlendorfer Dächerkrieg“: Direkt neben der Siedlung, teils praktisch auf der anderen Straßenseite, ziehen andere Bauherren Häuser mit traditionellen Spitzdächern hoch.

Auch Promis leben hier

Neue Ideen, Vielfalt und gestalterische Auflockerung setzen sich in der übrigen Formgebung der Gebäude der Papageiensiedlung sowie ihrer Positionierung an gebogenen Straßen und Sträßchen fort. So wirkt selbst der „Peitschenknall“, ein 450 Meter langer Wohnblock an der Argentinischen Allee, nicht übermächtig. Die Wohnungen selbst warten seinerzeit mit neuen Ausstattungsmerkmalen wie Speisekammern auf und können mithilfe der in mehrere Richtungen geöffneten Fenster richtig durchgelüftet werden.

„Am Wochenende pilgerten die Berliner in Scharen nach Zehlendorf, um die Siedlung zu begutachten“, erzählt Scheub. Ab 1931 geht das mit der neuen U-Bahn zur Krummen Lanke, der U-Bahnhof Onkel Toms Hütte wartet sogar mit einer Ladenstraße zur Nahversorgung der Bewohner auf.

Wer kann, zieht in die Siedlung, die dann aber doch nicht für ausnahmslos jeden erschwinglich ist: kleine Beamte, Polizisten, Handwerker, Gewerkschafter. Auch Künstler und Prominente leben zeitweise hier, hat Hobbyhistorikerin Scheub recherchiert: Schauspieler Theo Lingen etwa, der Schriftsteller Johannes R. Becher oder der SPD-Politiker und Nazi-Gegner Julius Leber.

Die Ladenstraße im U-Bahnhof gibt es bis heute, allerdings hat sich die Siedlung verändert. Um die Jahrtausendwende verscherbelt die klamme Hauptstadt ihr Tafelsilber, in dem Zuge wird die Gehag privatisiert. Die Reihenhäuser gehen an Privatleute, teils die bisherigen Mieter. Viele der übrigen Wohnungen landen über Hedgefonds schließlich beim Konzern Deutsche Wohnen, der mittlerweile zu Vonovia gehört.

„Viele Bewohner sind verunsichert“

„Durch den Verkauf der einst gemeinnützigen Siedlung an private Investoren spielen unsere Anliegen kaum mehr eine Rolle in einer rein gewinnorientierten Wohnungsbewirtschaftung“, beklagt Barbara von Boroviczeny, die seit Jahrzehnten hier lebt und sich in einer Mieterinitiative engagiert. Das sei nicht im Sinne von Taut & Co.

Viele Menschen lebten gerne hier und seien stolz auf die Geschichte ihrer Siedlung. Aber: „Viele Bewohner sind verunsichert“, sagt sie. Ihre Befürchtung: Sollte die Siedlung durch Aufnahme ins Unesco-Welterbe eine Aufwertung erfahren, treibe das die Mieten weiter in die Höhe. Die Deutsche Wohnen versucht zu beruhigen: „Es besteht kein Zusammenhang zwischen Denkmalschutz oder gar Welterbe-Status und der Miethöhe“, so ein Sprecher.

Auch viele Hauseigentümer sind zwiegespalten. Schon jetzt gelten hohe Denkmalschutzauflagen. Die Bewohner seien dabei kaum beteiligt worden, sagt Scheub, die ein Reihenhaus bewohnt. Selbst das Anbringen eines Rollos am Fenster könne Denkmalschützer auf den Plan rufen. Was nach einer möglichen Aufnahme ins Unesco-Welterbe folge, sei offen. „Es gibt Unterstützung für die Nominierung, aber auch große Bedenken“, sagt Scheub.

Quelle: ntv.de

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