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Startseite»Nachrichten»Fahrten in Menschenmengen: Autos werden zu Waffen – folgenschwere Taten in Deutschland
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Fahrten in Menschenmengen: Autos werden zu Waffen – folgenschwere Taten in Deutschland

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 26, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Fahrten in MenschenmengenAutos werden zu Waffen – folgenschwere Taten in Deutschland

Am Rande des CSD in Berlin fährt ein Fahrzeug in eine Menschenmenge. Dabei wird eine Frau getötet, 16 weitere Menschen werden verletzt, zum Teil schwer. (Foto: picture alliance/dpa)

Autos werden in Deutschland seit Jahren immer wieder als Waffe gegen unbeteiligte Menschen eingesetzt. Die Täter kennen ihre Opfer dabei in der Regel nicht. Es handelt sich nicht nur um Terroranschläge, die Motive sind sehr unterschiedlich. Mehr als 30 Menschen kamen seit 2016 vor dem aktuellen Angriff auf dem Berliner CSD dabei ums Leben. Eine Übersicht:

Berlin. Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche – 19. Dezember 2016: Bei dem bislang schwersten islamistischen Anschlag in Deutschland sterben zwölf Menschen, Dutzende werden zum Teil schwer verletzt. Der tunesische Attentäter Anis Amri lenkt am Abend einen gestohlenen Lastwagen auf den gut besuchten Weihnachtsmarkt. Den polnischen Fahrer, den 13. Toten, hatte er zuvor erschossen. Amri, 24 Jahre alt und Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), entkommt zunächst. Einige Tage später wird er auf seiner Flucht von italienischen Polizisten erschossen.

Magdeburg. Weihnachtsmarkt – 20. Dezember 2024: Taleb Al-Abdulmohsen aus Saudi-Arabien rast mit einem PS-starken Mietwagen durch eine Lücke zwischen Betonabsperrungen auf den belebten Weihnachtsmarkt. Fünf Frauen und ein neunjähriger Junge sterben, Hunderte Menschen werden verletzt. Im Juni 2026 wird der 51-Jährige, der seit 2006 in Deutschland lebt und als Arzt im Maßregelvollzug für psychisch kranke Straftäter arbeitete, zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach Auffassung des Gerichts handelte der Täter aus einem komplexen Motivbündel, zu dem unter anderem Rachefantasien gegenüber Deutschland und deutschen Behörden gehörten. Ein psychiatrischer Sachverständiger bescheinigte ihm eine narzisstische Persönlichkeitsstörung.

Trier. Fußgängerzone – 1. Dezember 2020: Ein 51-jähriger Deutscher fährt mit seinem Geländewagen zur Mittagszeit mit hoher Geschwindigkeit durch die belebte Fußgängerzone in der Innenstadt. Dabei steuerte er seinen Pkw in der Absicht, möglichst viele Menschen zu töten, gezielt auf verschiedene Menschen und Gruppen zu. Sechs Menschen sterben, darunter ein neun Wochen altes Baby. Mehr als 20 Menschen werden teils schwer verletzt. Laut Gerichtsurteil litt der Mann aufgrund einer paranoiden Schizophrenie an Wahnvorstellungen. Er verbüßt eine lebenslange Freiheitsstrafe in einem psychiatrischen Krankenhaus.

Leipzig. Zentrum – 4. Mai 2026: Ein 33-jähriger Deutscher fährt in der Leipziger Innenstadt mit einem weißen Auto in eine Menschenmenge. Zwei Menschen sterben, weitere werden verletzt. Die Ermittler gehen von einer Amokfahrt ohne politisches Motiv aus. Der Täter wird in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen.

Mannheim. Rosenmontagszug – 3. März 2025: Ein 40-jähriger Deutscher aus Rheinland-Pfalz fährt in der Mannheimer Innenstadt mit seinem Auto in den Rosenmontagszug. Zwei Menschen kommen ums Leben, mehrere werden verletzt. Ein religiöser oder politischer Hintergrund wird ausgeschlossen.

München. Zentrum – 13. Februar 2025: Der 24-jährige Afghane Farhad N. steuert seinen Kleinwagen bewusst in einen Demonstrationszug der Gewerkschaft Verdi mit rund 1.400 Teilnehmern. Eine Mutter und ihre zwei Jahre alte Tochter sterben, mehr als 40 weitere Menschen werden verletzt. Die Bundesanwaltschaft geht von islamistischem Terrorismus aus. Seit Januar 2026 läuft der Prozess am Oberlandesgericht München.

Berlin, Zentrum – Juni 2022: Ein 29-jähriger Deutsch-Armenier fährt am Kurfürstendamm mit dem Auto seiner älteren Schwester in eine Schülergruppe aus Bad Arolsen (Hessen). Eine Lehrerin wird dabei getötet, mehrere Menschen werden zum Teil schwer verletzt. Für die Staatsanwaltschaft gibt es keinen Anhaltspunkt für einen terroristischen Hintergrund, sie geht von einer psychischen Erkrankung aus. Der Mann kommt in ein psychiatrisches Krankenhaus.

Witzenhausen – Oktober 2021: In der nordhessischen Kleinstadt fährt ein 31-jähriger Mann vor einer Kita in eine Kindergruppe. Ein achtjähriges Mädchen stirbt im Krankenhaus. Das Gericht stellt fest, dass der Täter an einer paranoiden Schizophrenie litt und unter Verfolgungswahn stand. Er kommt in ein psychiatrisches Krankenhaus.

Volkmarsen – Februar 2020: Am Rosenmontag steuert ein 29 Jahre alter Deutscher sein Auto bei einem Karnevalsumzug absichtlich in die Menge. Mindestens 88 Menschen, darunter 26 Kinder, werden teils schwer verletzt. Der Fahrer wird zu lebenslanger Haft verurteilt.

Bottrop und Essen – Januar 2019: Kurz nach dem Jahreswechsel steuert ein Rechtsradikaler sein Auto an beiden Orten in Feiernde, die er für Ausländer hält. Es gibt 14 Verletzte. Der Deutsche kommt in die geschlossene Psychiatrie.

Münster, Zentrum – April 2018: Ein 48-jähriger Deutscher fährt mit seinem Campingbus in eine Gruppe von Menschen vor einer Gaststätte und erschießt sich nach der Tat. Zwei Menschen sterben, 20 werden zum Teil schwer verletzt. Laut Polizei war der Täter psychisch labil und suizidgefährdet.

Quelle: ntv.de, are/dpa

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