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Außergewöhnlicher Tour-Gigant: Auf den letzten Metern findet Tadej Pogacar doch noch seinen Meister

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 27, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Außergewöhnlicher Tour-Gigant

Auf den letzten Metern findet Tadej Pogacar doch noch seinen Meister

Sloweniens Superstar Tadej Pogacar kommt im Radsport-Olymp an. Mit fünf Tour-Siegen steht er auf einer Stufe mit Eddy Merckx und drei weiteren. Auf der Schlussetappe triumphiert aber Mathieu van der Poel.

Am letzten Anstieg der Tour de France wurde Tadej Pogacar herausgefordert. Vielleicht zum ersten Mal so richtig bei der diesjährigen Rundfahrt. Ex-Weltmeister und Klassiker-Spezialist Mathieu van der Poel donnerte bei der dritten Überquerung des Montmartre-Hügels los, als gäb’s kein Morgen mehr. 10,7 Kilometer waren noch zu fahren. Die Sprinter-Teams waren für einen Moment düpiert, Pogacar völlig am Anschlag. Und van der Poel in seinem Element. Knackige Hügel, Kopfsteinpflaster, krachen lassen, das kann er, das mag er.

Pogacar hielt als einziger das Hinterrad des Niederländers. Er wollte den sechsten Etappensieg bei dieser Tour und bloß kein Deja-vu mit dem vergangenen Jahr. Da war Wout van Aert schneller. Ebenfalls ein Mann für die Klassiker. Van der Poel und Pogacar machten gemeinsame Sache. Die Sprinter-Teams hetzten wie die Wilden hinterher. Der Prestigesieg in Paris, das ist eben ein ganz großes Ding für die Radsport-Welt. Und das war in der Vergangenheit meistens eine ausgemachte Nummer für die superschnellen Männer, die in den Tagen zuvor, im Hochgebirge stets so sehr leiden mussten.

500 Meter vor dem Ziel gab Pogacar auf, die Sprinter flogen heran, flogen vorbei. Was für ein Finish. Van der Poel ließ sich nicht aufhalten, rettete ein paar Zentimeter über die Linie. Nicht einen Meter länger hätte diese schon von 133 auf 88,7 Kilometer verkürzte Etappe dauern dürfen, dann wäre der Sieger ein anderer gewesen.

Niemand beherrschte die Berge jemals besser

Zweifel daran, wer der beste Mann in den vergangenen drei Wochen war, nährte die Niederlage von Pogacar im letzten Duell aber nicht mehr. Er war’s. Er ist der beste Radrennfahrer seiner Zeit. Und noch auf der Stufe mit den Allergrößten der Geschichte. Fortan gehört er dem exquisiten Kreis der Fünffach-Sieger mit der belgischen Ikone Eddy Merckx, den beiden Franzosen Jacques Anquetil und Bernard Hinault sowie dem Spanier Miguel Indurain an. Dem Amerikaner Lance Armstrong wurden alle sieben Triumphe im Nachhinein wegen Dopings aberkannt.

Pogacar hat die Welt wieder in seinen Bann gezogen. Er hat die Frankreich-Rundfahrt auf den 3245 Kilometern von Barcelona nach Paris auf außergewöhnliche Weise beherrscht. Fünf Mal war er der Erste im Ziel, auf seinen Verfolger Remco Evenepoel fuhr er in der Gesamtwertung sechs Minuten heraus. Der sehr emotionale Belgier glänzte ebenfalls. Und weil der Superstar von Red Bull erkannt hatte dass er Pogacar nur im Zeitfahren Paroli bieten kann (das gewann er), war er äußerst zufrieden mit seiner Tour. Pogacar, das hat die Konkurrenz längst erkannt, ist nicht von dieser Welt. Er beherrscht die Alpen und Pyrenäen wie niemand zuvor, knackte auf dem Weg nach Alpe d’Huez sogar den Ewigkeitsrekord von Marco Pantani. Natürlich hat sich die Sportart entwickelt, natürlich wird anders trainiert, ist das Material deutlich besser. Aber natürlich fahren da Zweifel mit.

Die Geschichte des Doping ist ein Schatten, den der Radsport nicht abhängen kann. In diesem Jahr sorgten die nächtlichen Kontrollen für teilweise großes Unverständnis. Vor allem auch, weil der Zweitplatzierte Jonas Vingegaard am Tag nach einer solchen Kontrolle (nachts um 2 Uhr) schwer stürzte und das Rennen aufgeben musste. Pogacar fühlte mit seinem Rivalen und Kumpel. Ebenso wie er mit Florian Lipowitz fühlte, als der im Zeitfahren von Rad krachte. Pogacar ist nicht nur ein gefräßiges Monster, er ist auch ein großer Champion. Seinem Edelhelfer Isaac del Toro, einem kommenden Superstar, überließ er auf der 2. Etappe den Sieg. Der Mexikaner bekam danach seine Gefühle nicht in den Griff. Zwei weitere Mal blieb er im Gebirge an seiner Seite, um ihn im Kampf um den dritten Platz zu unterstützen. Supertalent Paul Seixas drückte nach.

Pogacar ist ein Herrscher, aber kein Autokrat. Und ein Ende seiner Regentschaft scheint nicht in Sicht. Trotz der nachrückenden Topfahrer wie del Toro, wie Seixas. „Ich glaube nicht, dass er sich damit begnügen wird, mit mir und den anderen Champions gleichzuziehen. Bald wird er unseren Rekord an Tour-Siegen brechen“, urteilte die Legende Eddy Merckx gegenüber der „Gazzetta dello Sport“. Erklärungen für seine Dominanz hat Pogacar kaum. „Ich habe nicht das Gefühl, dass ich seit 2024 wesentlich stärker geworden bin. Aber ich habe mehr Erfahrung; kleine Dinge verbessern sich nach wie vor. Es kommt auf die Details an“, sagte er.

„Schaut her, ich bin sauber“

Angreifbar macht sich Pogacar nicht. Die Doping-Kontrollen lässt er, nach allem was man weiß, klaglos über sich ergehen. Auch nachts. Ihn soll es um 5 Uhr getroffen haben. „Angesichts der lange Doping-Geschichte ist es eben auch so, dass ich als Sportler, wenn ich mich diesem strengen Kontrollsystem unterwerfe, sagen kann: Schaut her, ich bin sauber. Ich lasse mich jederzeit testen“, sagte Eva Bunthoff von der Nationalen Anti Doping Agentur Deutschland (NADA) zuletzt im Gespräch mit ntv.de.

Sein beeindruckendste Leistung hatte Pogacar auf den 21 berühmtesten Serpentinen der Welt nach Alpe d’Huez hinauf gezeigt, als er dreieinhalb Minuten auf eine starke Ausreißergruppe aufholte. Damit pulverisierte er auch den 31 Jahre währenden Rekord von Marco Pantani. 35:26 Minuten für den 13,8 Kilometer langen Schlussanstieg, ein Schnitt von mehr als 23 km/h, 1:24 Minuten schneller als 1995 die italienische Legende – für viele Experten eine unmenschliche Leistung .Schon am Col du Tourmalet in den Pyrenäen hatte Pogacar eine neue Bestleistung aufgestellt. „Rekorde interessieren mich nicht, es geht mir um den Sieg.“

 Bei 26 Tour-Tageserfolgen steht der Slowene inzwischen. Nur noch Ex-Sprintstar Mark Cavendish (35), Merckx (34) und Hinault (28) stehen vor ihm. Den 27 hatte er am Sonntag knapp verpasst. Für Pogacar allenfalls ein kleiner Schönheitsfehler vor seiner großen Krönung im Schatten des Arc de Triomphe.

Verwendete Quelle: ntv.de

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