Weniger als neun Stunden am TagKleineres Zeitfenster zum Essen könnte Demenzrisiko senken
Übergewicht kann auch einen ungünstigen Einfluss auf die geistige Leistungsfähigkeit im Alter haben. Doch nicht nur eine Reduzierung der Kalorien, sondern auch die Reduzierung des täglichen Zeitfensters zum Essen kann das Gehirn schützen.
Frauen, die im Alter ihre täglichen Essenszeiten und die Kalorienaufnahme reduzieren, könnten damit nicht nur das Körpergewicht verlieren, sondern auch ihr Gehirn schützen. Das hat ein Forschungsteam der Rutgers University in New Jersey herausgefunden. Bislang war klar, dass sich Übergewicht ungünstig auf die geistige Leistungsfähigkeit im Alter auswirkt. Doch nun liefern die Forschenden um die Ernährungswissenschaftlerin Sue Shapses erste Hinweise darauf, wie eine Reduzierung der Essenszeit auf unter neun Stunden am Tag das Demenzrisiko senkt.
Für die Untersuchung konnten 47 übergewichtige oder adipöse Frauen im Alter von 50 bis 79 Jahren gewonnen werden. Alle Teilnehmerinnen wurden angewiesen, ihre Kalorienzufuhr um 500 Kalorien täglich zu reduzieren. Eine Gruppe mit 26 Teilnehmerinnen wurde instruiert, ihre Nahrungsaufnahme auf ein Zeitfenster von weniger als neun Stunden pro Tag zu beschränken, während die übrigen Teilnehmerinnen ihr übliches Essensfenster von etwa zwölf Stunden pro Tag beibehielten.
In der Gruppe mit zeitlich begrenzter Nahrungsaufnahme aßen die Teilnehmerinnen in der Regel ausschließlich zwischen 10 und 18 Uhr. Im Durchschnitt hatten sie ein tägliches Essensfenster von 8,2 Stunden. Die Teilnehmerinnen der zweiten Gruppe hingegen hielten ihre üblichen Essenszeiten ein und kamen damit auf einen Zeitraum von durchschnittlich 12,3 Stunden pro Tag. Alle Teilnehmerinnen absolvierten während des Untersuchungszeitraums verschiedene Tests.
Unterschiede bei Gedächtnis und Lernen
Nach sechs Monaten zeigte sich in beiden Gruppen ein nahezu gleicher Gewichtsverlust von durchschnittlich sieben Kilogramm. Allerdings sahen die Forschenden auch, dass die Teilnehmerinnen in der Gruppe mit der begrenzten Essenszeit bei den Testergebnissen zur räumlichen Planung und Problemlösung im Vergleich zur Kontrollgruppe besser abschnitten. Zudem machten sie tendenziell weniger Fehler in Gedächtnis- und Lerntests. Bei den Tests zu Multitasking oder bei Reaktionszeit gab es hingegen keine bedeutsamen Unterschiede zwischen den Teilnehmerinnen aus beiden Gruppen.
„Schon eine Gewichtsabnahme allein kann einen Teil des altersbedingten kognitiven Abbaus verhindern“, wird Shapses in einer Mitteilung zitiert. Diese Daten legten außerdem nahe, dass es zusätzliche Vorteile geben könnte, wenn man vier Stunden vor dem Schlafengehen aufhöre zu essen und die Nahrungsaufnahme auf acht bis neun Stunden pro Tag reduziere.
Die vorläufigen Ergebnisse der Untersuchung wurden auf der diesjährigen Konferenz der American Society for Nutrition in Washington D.C. präsentiert. Die Forschergruppe betont, die Ergebnisse müssten noch mit einer größeren Teilnehmeranzahl bestätigt werden. Zudem planen sie, die Mechanismen zu untersuchen, die die möglichen Vorteile zeitlich begrenzter Nahrungsaufnahme erklären könnten. Denkbar seien Wechselwirkungen zwischen zirkadianem Rhythmus, Nährstofferkennung, Entzündungsprozessen und Stoffwechselgesundheit.
