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Startseite»Nachrichten»Passivität vor dem Bildschirm: Zu viel Fernsehen könnte das Gehirn schrumpfen lassen
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Passivität vor dem Bildschirm: Zu viel Fernsehen könnte das Gehirn schrumpfen lassen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 27, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Passivität vor dem BildschirmZu viel Fernsehen könnte das Gehirn schrumpfen lassen

Lesen, Planen und Problemlösen können das Gehirn auch im Sitzen fordern. Beim Fernsehen fehlt diese geistige Aktivität häufig – und genau das könnte laut Studie langfristig einen Unterschied machen. (Foto: picture alliance / dpa Themendienst)

Eine neue Untersuchung legt einen beunruhigenden Zusammenhang nahe: Wer im mittleren Alter oft vor dem Fernseher saß, weist später kleinere Hirnregionen auf. Vor allem bei einem Geschlecht ist der Effekt besonders stark ausgeprägt.

Zu viel Fernsehen ist ungesund – das ist bekannt. Doch bisher ging die Wissenschaftswelt davon aus, dass das daran liegt, weil man sich dabei kaum bewegt. Eine neue Langzeitstudie deutet nun darauf hin, dass es für das Gehirn auch darauf ankommen könnte, was Menschen im Sitzen tun. Wer im mittleren Alter sehr häufig fernsah, hatte demnach rund 24 Jahre später häufiger kleinere Hirnregionen und mehr auffällige Veränderungen der weißen Hirnsubstanz im Gegensatz zu Menschen, die viel lasen oder im Sitzen arbeiteten.

Die Untersuchung ist im Fachjournal „Alzheimer’s & Dementia“ erschienen. Das Forschungsteam wertete Daten von 1712 Erwachsenen aus, die an der langjährigen US-amerikanischen ARIC-Studie teilnahmen. Zu Beginn der Untersuchung Ende der 1980er-Jahre waren die Teilnehmenden im Durchschnitt Anfang 50 und nicht an Demenz erkrankt.

Damals gaben die Teilnehmenden an, wie häufig sie in ihrer Freizeit fernsahen und wie viel sie während der Arbeit saßen. Konkrete Stunden pro Tag wurden nicht erfasst. Stattdessen konnten sie ihr Fernsehverhalten nur grob einordnen – etwa als selten, manchmal, oft oder sehr oft. Knapp ein Vierteljahrhundert später, als die Teilnehmenden im Mittel Mitte 70 waren, untersuchten die Forschenden ihr Gehirn mit einem MRT.

Risiko für Demenz

Dabei zeigte sich vor allem bei Männern ein auffälliger Zusammenhang: Männer, die früher sehr häufig ferngesehen hatten, besaßen später im Schnitt kleinere Volumina in mehreren Hirnregionen, darunter Bereiche, die bei Alzheimer und anderen Demenzerkrankungen häufig früh verändert sind. Bei Frauen war dieser Zusammenhang deutlich schwächer oder statistisch nicht eindeutig.

Zusätzlich fanden die Forschenden bei häufigen Fernsehzuschauern mehr sogenannte Veränderungen der weißen Hirnsubstanz. Diese erscheinen auf MRT-Bildern als helle Flecken und können auf Schäden an kleinen Blutgefäßen im Gehirn hindeuten. Solche Veränderungen treten im Alter häufiger auf und werden mit einem erhöhten Risiko für geistigen Abbau und Demenz in Verbindung gebracht. Sie bedeuten jedoch nicht automatisch, dass ein Mensch später an Alzheimer erkrankt.

Überraschend war ein weiteres Ergebnis: Menschen, die bei der Arbeit besonders viel saßen, hatten in mehreren Hirnbereichen größere Volumina und weniger auffällige Veränderungen als andere Teilnehmende. Daraus folgt allerdings nicht, dass ein Bürojob das Gehirn schützt. Die Daten legen vielmehr nahe, dass nicht jede sitzende Tätigkeit grundsätzlich gleich zu bewerten ist für die Hirngesundheit.

Sitzen ist offenbar nicht gleich Sitzen

Fernsehen ist eine vergleichsweise passive Tätigkeit. Bei sitzender Arbeit müssen Menschen dagegen häufig lesen, schreiben, planen, Entscheidungen treffen oder Probleme lösen. Solche geistig fordernden Tätigkeiten könnten dazu beitragen, die sogenannte kognitive Reserve zu stärken. Damit ist die Fähigkeit des Gehirns gemeint, altersbedingte Veränderungen eine Zeit lang auszugleichen.

„Seit Jahren konzentrieren wir uns darauf, wie viel Menschen sitzen“, sagt Studienautor David Raichlen von der University of Southern California. Die Ergebnisse deuteten aber darauf hin, dass auch wichtig sei, „was sie während des Sitzens tun“.

Die Unterschiede zwischen Männern und Frauen überraschten das Forschungsteam. „Die Zusammenhänge zwischen Fernsehen und Hirnstruktur waren bei Männern viel stärker als bei Frauen“, erklärt Natan Feter von der University of Southern California dem Wissenschaftsportal „Sciencealert“. Möglich sei, dass Männer und Frauen ihre Sitzzeit unterschiedlich verbringen. Frauen könnten längere Sitzphasen häufiger unterbrechen, während Männer etwa Sportübertragungen oder Filme eher über längere Zeit am Stück ansehen. Auch hormonelle oder andere biologische Unterschiede könnten eine Rolle spielen. Belegen lässt sich bisher keine dieser Erklärungen.

Einschränkungen der Studie

Die Zusammenhänge blieben bestehen, nachdem die Forschenden unter anderem Alter, Bildung, Bluthochdruck, Diabetes, Körpergewicht und körperliche Aktivität statistisch berücksichtigt hatten. Das heißt jedoch nicht, dass Bewegung für das Gehirn unwichtig ist. Es zeigt lediglich, dass sich die beobachteten Unterschiede nicht allein dadurch erklären ließen, wie körperlich aktiv die Teilnehmenden insgesamt waren.

Die Studie beweist zwar nicht, dass häufiges Fernsehen die Veränderungen im Gehirn verursacht hat. Die Angaben zum Fernsehkonsum beruhten auf Selbstauskünften und wurden nicht in Stunden gemessen. Außerdem gab es zu Beginn keine MRT-Aufnahmen, mit denen sich die spätere Entwicklung direkt vergleichen ließe.

Trotz dieser Einschränkungen spricht die Untersuchung aber dafür, bei langem Sitzen nicht nur an Bewegungspausen zu denken. Auch geistige Beschäftigung könnte eine Rolle spielen. Lesen, Rätseln, Basteln oder andere aktive Tätigkeiten fordern das Gehirn stärker als stundenlanges passives Fernsehen. Ob solche Gewohnheiten tatsächlich vor altersbedingten Veränderungen schützen, müssen weitere Studien zeigen.

Quelle: ntv.de, hny

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