Marktbericht
Die Aktie von Adidas gehört nach den Quartalszahlen zu den größten Verlierern im DAX. Zwar profitiert der Sportartikelhersteller von einem starken Geschäft rund um die Fußball-WM. Anleger hatten jedoch mehr erwartet.
Die Papiere von Adidas sind nach der Vorlage der Halbjahreszahlen am Donnerstag massiv unter Druck geraten. Zeitweise verlor die Aktie im Frankfurter Handel fast 18 Prozent. Damit steuerte sie auf ihren schwärzesten Börsentag seit Juli 2014 zu.
Mehr Trikots verkauft denn je
Dabei blickt der Sportartikelhersteller auf ein starkes erstes Halbjahr zurück. Vor allem die Fußball-WM sorgte für hohe Verkaufszahlen bei Trikots und Spielbällen. Adidas rüstete 14 Nationalmannschaften aus, darunter auch die beiden Finalisten Spanien und Argentinien sowie Mitgastgeber Mexiko. Auch die offiziellen Spielbälle und die Trikots der Schiedsrichter stammten von Adidas.
Nach Angaben von Vorstandschef Björn Gulden verkaufte das Unternehmen rund um das Turnier so viele Trikots, Bälle und Co. wie nie zuvor. Allein der Umsatz mit Bekleidung stieg im zweiten Quartal währungsbereinigt um 35 Prozent.
Leicht höhere Umsatzerwartung reicht nicht
Der gesamte Umsatz kletterte im zweiten Quartal um 13 Prozent auf rund 6,7 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr summierten sich die Erlöse auf gut 13,3 Milliarden Euro und lagen damit mehr als zehn Prozent über dem Vorjahreswert. Unter dem Strich verdiente der Konzern in den ersten sechs Monaten 882 Millionen Euro und damit knapp neun Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Trotz der starken Umsatzentwicklung reagierte die Börse enttäuscht. Der Hauptgrund liegt im Ausblick. Adidas erhöhte zwar seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr und rechnet nun mit einem währungsbereinigten Wachstum von neun bis zehn Prozent. Bislang war lediglich von einem Plus im hohen einstelligen Prozentbereich die Rede.
Die Gewinnprognose blieb dagegen aber unverändert. Das Betriebsergebnis soll weiterhin rund 2,3 Milliarden Euro erreichen. Viele Analysten hatten nach dem starken ersten Halbjahr und den guten Geschäften rund um die Fußball-WM jedoch auf eine Anhebung dieses Ziels gesetzt.
Höhere Ausgaben belasten das Ergebnis
Hinzu kommt, dass das operative Ergebnis im zweiten Quartal hinter den Erwartungen zurückblieb. Zwar stieg das Betriebsergebnis auf 574 Millionen Euro. Höhere Ausgaben belasteten jedoch das Ergebnis. So gab Adidas im Zuge der Fußball-Weltmeisterschaft über 200 Millionen Euro mehr für Marketing aus.
Höhere Fracht- und Beschaffungskosten sowie höhere US-Zölle belasteten obendrein. Für unrechtmäßig erhobene Zölle erhielt Adidas dabei die erste „geringe Rückerstattung“.
„Ein gesunder Anteil an Verkäufen zum vollen Preis und ein vorteilhafterer Geschäftsmix wurden durch höhere US-Zölle und unvorteilhafte Währungsentwicklungen aufgehoben“, erklärte Adidas. Das konnte den Kurseinbruch jedoch nicht verhindern.
Erwartungen waren sehr hoch
Nach Einschätzung von Börsen-Experten reicht die nur leicht erhöhte Umsatzprognose deshalb nicht aus, um die hohen Erwartungen der Anleger zu erfüllen. Nach der starken Kursentwicklung der vergangenen Monate hätten viele Investoren auf deutlich ambitioniertere Ziele gehofft. Wendy Liu von der US-Bank JPMorgan schrieb, die Umsätze seien solide, aber auch nicht überraschend stark gewesen.
„Adidas hat an sich gut berichtet. Die Umsätze sind gesteigert worden. Doch wenn die Messlatte sehr, sehr hoch ist, dann ist auch das Potenzial für Enttäuschungen sehr hoch“, erklärt Tim Oechsner, Kapitalmarktexperte bei der Steubing AG, im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion.
Konzernchef Gulden reagierte mit Unverständnis. Er werde nicht versuchen, noch profitabler zu werden, nur „um Leute zu beeindrucken“, sagte er in einer Telefonkonferenz. Mit der Entwicklung selbst zeigte er sich zufrieden und verteidigte die Marketing-Kampagne: „Die Produkte – Trikots, kulturell inspirierte Kleidung, Schuhe und Bälle – haben gezeigt, wie Adidas-Fußball aussehen sollte. Wir hätten nicht besser aussehen und es nicht besser machen können.“
Wechsel beim Finanzvorstand
Für zusätzliche Verunsicherung sorgt der angekündigte Wechsel im Finanzressort. Finanzvorstand Harm Ohlmeyer wird seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängern und das Unternehmen zum Jahresende verlassen. Er war seit fast 30 Jahren bei Adidas tätig und seit 2017 Finanzvorstand des Unternehmens.
Seine Nachfolgerin wird Birgit Kretschmer. Sie werde mit Wirkung zum 1. September in den Vorstand berufen und übernehme das Amt zum Ende des Jahres, hieß es. Kretschmer kann insgesamt auf eine 25-jährige Erfahrung bei Adidas zurückblicken. In den vergangenen sechs Jahren war sie Finanzchefin des Modehändlers C&A.
DAX findet keine klare Richtung
Der Kursrutsch bei Adidas belastete den deutschen Leitindex jedoch nur begrenzt. Der DAX notierte zur Mittagszeit erst leicht im Minus, drehte dann aber wieder ins Plus. Dennoch blieb er unter seinem Rekordhoch. Eine klare Richtung gab es zunächst nicht.
Neben den deutlichen Verlusten der Adidas-Aktie warten die Anleger auch auf weitere Signale nach der Leitzinsentscheidung der US-Notenbank vom Vorabend. Die Notenbank hatte sich dazu entschieden, den Leitzins unverändert auf einer Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent zu belassen. Zudem stehen aktuelle Inflationsdaten aus Deutschland sowie der Iran-Krieg im Anlegerfokus.
