Hunderttausende Hektar sind seit Jahresbeginn in Europa verbrannt – und die Flammen wüten weiter. Eine neue Studie kommt zu dem Schluss: Der Klimawandel erhöht das Risiko für Waldbrände deutlich.
Die Bilder der vergangenen Wochen waren dramatisch: Frankreich, Spanien, Portugal und Italien kämpfen seit Wochen gegen schwere Waldbrände. Nach Angaben der Umweltstiftung WWF sind in der EU seit Jahresbeginn bereits rund 386.000 Hektar verbrannt. Das ist etwa dreimal so viel wie im langjährigen Durchschnitt – und der Höhepunkt der Waldbrandsaison steht erst noch bevor. Und während noch immer gegen die Flammen gekämpft wird, stellt sich die Frage: Welche Rolle spielt bei diesen Bränden der Klimawandel?
Das Forschungsnetzwerk World Weather Attribution (WWA) kommt in seiner neuesten Studie zu einem klaren Ergebnis: Die Wahrscheinlichkeit für solches Feuerwetter ist durch den Klimawandel deutlich gestiegen – in Südwestfrankreich mindestens auf das Doppelte, in Teilen Spaniens sogar auf mindestens das Zwanzigfache.
Wetter statt Brände analysiert
Grundlage für dieses Ergebnis war eine sogenannte Attributionsstudie. Anders als klassische Klimastudien untersucht sie nicht langfristige Klimatrends, sondern den Einfluss des menschengemachten Klimawandels auf ein konkretes Extremereignis. Die WWA wollte mit ihrer Hilfe nicht klären, wodurch die Waldbrände ausgelöst wurden, sondern wie stark der Klimawandel die Wetterbedingungen verändert hat, unter denen sich die Brände entwickeln konnten.
Dafür analysierten die Forschenden Daten aus der Wetter-Vergangenheit der betroffenen Regionen bis zum 24. Juli 2026. Mithilfe eines Feuerwetterindexes ermittelten sie, wie außergewöhnlich die Wetterbedingungen dort waren, erläutert eine der Autorinnen der Studie, Klimaforscherin Friederike Otto vom Imperial College in London. „Der hat ganz viele verschiedene Komponenten, aber unter anderem eben Feuchtigkeit, die Temperatur, Windgeschwindigkeiten. Und dieser Index, den wir über sieben Tage angucken, ist im Prinzip ein Maß dafür, wie schwer es ist, solche extremen Feuer zu löschen, aufgrund der Wetterbedingungen.“
Der Vorteil solcher Attributionsstudien: Aktuelle Extremereignisse lassen sich wissenschaftlich oft schon wenige Tage nach ihrem Auftreten einordnen – und nicht erst Monate oder Jahre später.
Wetter im Frühling bedeutsam
Die Studie liefert noch einen weiteren Befund: Für das Waldbrandrisiko spielt auch das Wetter im Frühjahr eine wichtige Rolle: „Sowohl in Frankreich als auch in Spanien hatten wir einen relativ feuchten späten Winter, wo es relativ viel geregnet hat, und dann aber extrem trockenen Sommer“, fasst Friederike Otto zusammen. „Das heißt, dass gerade in Spanien, wo eben auch Buschbrände eine große Rolle gespielt haben, relativ viel niedrige Vegetation entstehen konnte, und die ist dann aber extrem ausgetrocknet durch den sehr trockenen Sommer.“
Die zusätzliche Vegetation wird dadurch zu leicht entzündlichem Brennmaterial. Nach Einschätzung der Forschenden könnten Feuerwetterlagen dieser Intensität künftig deutlich häufiger auftreten – im Südwesten Frankreichs statistisch etwa alle 20 Jahre, in Zentralspanien sogar etwa alle sechs Jahre.
Feuerwetteranalysen gewinnen an Bedeutung
Der Feuerwetterindex könnte deshalb künftig helfen, Regionen mit besonders hohem Waldbrandrisiko früher zu erkennen. Das unterstreicht Jonas Schröter vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach: „Die Auswertung von Wetterdaten kann einen Hinweis darauf geben, welche Regionen besonders gefährdet sind. Aber auch die Trends können zeigen, in welchen Regionen die veränderten Wetterbedingungen Wald- und Buschbrände besonders begünstigen.“
Für ihre aktuelle Analyse nutzten die Forschenden den kanadischen Feuerwetterindex „Daily Severity Rating“ (DSR). Er berücksichtigt unter anderem Hitze, Trockenheit und Wind und beschreibt, wie schwierig ein Feuer unter diesen Bedingungen zu bekämpfen wäre. Dass die Studie schon so schnell vorliegt, hängt auch mit diesem Forschungsansatz zusammen: „Die WWA möchte schnellstmöglich auf aktuelle Extremereignisse reagieren“, beurteilt Jonas Schröter. „Das geht mit der ausschließlichen Verwendung von Beobachtungsdaten deutlich schneller.“
Die Kombination von großer Hitze, Trockenheit und ausgedehnter Vegetation erhöht die Wahrscheinlichkeit für Brände.
Ergebnisse sind nicht auf Deutschland übertragbar
Für Deutschland lassen sich daraus allerdings keine direkten Rückschlüsse ziehen. Denn die klimatischen Bedingungen und Vegetationstypen in Südeuropa unterscheiden sich deutlich von denen in Mitteleuropa. Besonders im Mittelmeerraum gibt es häufiger Kombinationen aus großer Hitze, Trockenheit und ausgedehnten trockenen Vegetationsflächen. Deutschland besitzt vielerorts andere Waldstrukturen und ein anderes Brandregime.
Trotzdem zeigt die Studie einen allgemeinen Zusammenhang: Wenn extreme Hitze und Trockenheit häufiger werden, steigt auch die Wahrscheinlichkeit für gefährliche Feuerwetterlagen. Den wissenschaftlichen Ansatz bewertet auch Kirsten Thonicke vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung als fortschrittlich: „Ich bin sehr beeindruckt“, sagt sie. „Hier haben wir wirklich was in der Hand, wo eben die wesentlichen Faktoren mal angeschaut werden können und auch eingeordnet werden können. Wie unglaublich selten so ein Ereignis eigentlich wäre, hätten wir keinen Klimawandel, der gerade am Laufen ist.“
Für sie ergibt sich deshalb aus den Ergebnissen der WWA-Studie eine klare Botschaft in Richtung Politik: „Wir brauchen mehr Klimaschutz und nicht weniger davon, wie es auf EU- und nationaler Ebene passiert. Dieses Ereignis sollte uns endlich mal die Augen öffnen und die Politik muss dementsprechend handeln.“
Während in Frankreich und Spanien noch immer Flammen lodern, kämpfen Einsatzkräfte inzwischen auch in Griechenland und der Türkei gegen Waldbrände. Dass sich solche Entwicklungen künftig auch noch in weiteren Regionen Europas zeigen werden, davon ist Friederike Otto überzeugt. „Nichts an dieser Studie ist in irgendeiner Weise überraschend oder neu, sondern wir sehen genau das, was wir erwartet haben.“
Waldbrände und der Klimawandel
Antworten auf sieben wichtige Fragen – zusammengestellt gemeinsam mit Jürgen Bauhus von der Universität Freiburg
1. Verursacht der Klimawandel mehr Waldbrände?
Der Klimawandel entzündet keine Feuer. Er verändert aber die Bedingungen, unter denen Waldbrände entstehen und sich ausbreiten können. Durch häufigere und intensivere Hitzewellen sowie längere Trockenperioden steigt das Risiko für sogenanntes Feuerwetter. Dadurch kann sich ein Brand leichter entwickeln und schneller ausbreiten. Ausgelöst werden Waldbrände meist durch Menschen – etwa durch Fahrlässigkeit, Brandstiftung oder Funken von Maschinen. Natürliche Ursachen wie Blitzschlag spielen zumindest in Mitteleuropa eine vergleichsweise geringe Rolle.
2. Was ist Feuerwetter?
Feuerwetter bezeichnet Wetterbedingungen, die die Entstehung und Ausbreitung von Bränden begünstigen. Dazu gehören anhaltende Trockenheit, hohe Temperaturen, geringe Luftfeuchtigkeit und häufig auch Wind. Bleibt Regen über längere Zeit aus, trocknen Böden, Pflanzen und abgestorbenes Pflanzenmaterial aus. Niedrige Luftfeuchtigkeit verstärkt diesen Effekt: Pflanzen, Laub und Totholz geben dann schneller Wasser an die Luft ab und werden leichter entflammbar. Besonders kritisch wird es, wenn nach einer längeren Trockenphase heiße, trockene Luftmassen einströmen. Wind kann ein Feuer schließlich rasch vergrößern, indem er die Flammen anfacht und glühende Partikel weiter trägt, die dann weitere Feuer entzünden.
3. Warum brennt es derzeit in vielen Teilen Europas?
In vielen Regionen Europas kommen derzeit mehrere ungünstige Faktoren zusammen: Auf längere Trockenphasen folgen Hitzewellen mit sehr hohen Temperaturen. Dadurch trocknen Böden und Vegetation weiter aus und können leichter Feuer fangen. Kommt zusätzlich Wind hinzu, können sich Brände besonders schnell ausbreiten. Entscheidend ist aber immer das Zusammenspiel aus Wetter, brennbarem Pflanzenmaterial und einer Zündquelle.
4. Warum sind manche Regionen stärker gefährdet als andere?
Für große Waldbrände müssen zwei Voraussetzungen zusammenkommen: Es muss genügend brennbares Material vorhanden sein und gleichzeitig müssen die Wetterbedingungen eine schnelle Ausbreitung ermöglichen. Besonders gefährdet sind deshalb Regionen, in denen häufiges Feuerwetter auf viel ausgetrocknete Vegetation trifft – etwa Teile des Mittelmeerraums. In extrem trockenen Landschaften fehlt dagegen oft die Pflanzenmasse als Brennmaterial, während in feuchteren Regionen zwar viel Vegetation vorhanden ist, aber seltener die nötigen Wetterbedingungen für große Brände auftreten.
5. Warum kann ein feuchter Winter das Waldbrandrisiko erhöhen?
Ein feuchter Winter wirkt zunächst wie ein Schutz vor Waldbränden. Er kann aber auch dazu führen, dass im Frühjahr mehr pflanzliche Biomasse produziert wird. Folgt anschließend eine lange Trockenperiode mit Hitze, steht mehr Vegetation als Brennmaterial zur Verfügung. Dieser Zusammenhang ist allerdings regional unterschiedlich. Besonders relevant ist er in Landschaften, die ohnehin zu Trockenheit neigen. In vielen Waldgebieten Mitteleuropas sind dagegen vor allem Hitze und ausgetrocknete Böden entscheidende Faktoren.
6. Was bedeuten die Waldbrandgefahrenstufen?
Der Deutsche Wetterdienst bewertet die Waldbrandgefahr während der Saison täglich auf einer Skala von 1 bis 5.
• Stufe 1: sehr geringe Gefahr
• Stufe 2: geringe Gefahr
• Stufe 3: mittlere Gefahr
• Stufe 4: hohe Gefahr
• Stufe 5: sehr hohe Gefahr
Der Waldbrandgefahrenindex wird anhand verschiedener meteorologischer Daten berechnet, darunter Temperatur, Niederschlag, Luftfeuchtigkeit und Wind. Je höher die Gefahrenstufe, desto leichter können sich Brände entzünden und ausbreiten. Sie sagt aber nicht voraus, dass es tatsächlich zu einem Brand kommt.
7. Welche Wälder brennen besonders leicht?
Nicht jeder Wald ist gleich brandgefährdet. Eine wichtige Rolle spielen Baumarten sowie die Menge und Entflammbarkeit trockenen Pflanzenmaterials in Bodennähe. Nadelwälder mit trockener Streu können sich unter bestimmten Bedingungen leichter entzünden als feuchte Laubwälder. Entscheidend sind aber nicht einzelne Baumarten allein, sondern das Zusammenspiel aus Vegetation, Wetter und möglichen Zündquellen.
