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Startseite»Politik»Neues Ausbildungsjahr beginnt: Wie KI das Handwerk stärkt
Politik

Neues Ausbildungsjahr beginnt: Wie KI das Handwerk stärkt

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 31, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 31.07.2026 • 11:12 Uhr

Das neue Ausbildungsjahr beginnt. In Zeiten von Künstlicher Intelligenz suchen junge Menschen nach zukunftssicheren Jobs. Das Handwerk scheint davon zu profitieren: Die Bewerberzahl steigt.

Ole Hilgert

Braune und blaue Kabel, Sicherungen – und viele Handgriffe mit dem Schraubenzieher. Azubi Leon Briegert aus der Nähe von Frankfurt/Oder in Brandenburg bereitet einen Strom-Verteilerkasten vor, der in einer Wohnung angebracht werden soll. Der angehende Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik hat sich bewusst für einen Job entschieden, bei dem Handfertigkeit gefragt ist.

Die KI ist kein Handwerker

„Künstliche Intelligenz kann mir kein Kabel in die Wand zaubern. Und da jede Wohnung anders ist, wird es auch künftig einen Menschen brauchen, um die Technik anzubringen“, sagt der 20-Jährige, während er die Kabel verschraubt. Zu Beginn seiner Ausbildung vor drei Jahren habe das Thema noch weniger eine Rolle gespielt. Heute aber sei er froh, sich um seine berufliche Zukunft keine Sorgen machen zu müssen.

Ähnlich ist das bei Amin Houri. In Iran hat er vier Jahre lang Architektur studiert. Macht jetzt aber eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker in Berlin-Kreuzberg. Seine Motivation ist klar: „Ich habe recherchiert. In Zukunft wird die KI den Architektenjob verdrängen. Deshalb will ich Handwerker lernen. So eine Ausbildung kann mir den Beruf garantieren.“

„KI ist ein wichtiges Hilfsmittel“

Der kleine Handwerksbetrieb Haun Heizung und Sanitär GmbH hat zehn Mitarbeiter, darunter vier Azubis. Neue Fachkräfte zu finden, sei bisher schwer, sagt Geschäftsführer Thomas Haun. Und auch die Anforderungen an Azubis würden steigen. Er brauche hochmotivierte Schulabgänger mit mittlerer Reife oder Abiturienten. Diese müssten schon in der Ausbildung komplexe, hoch technologisierte Aufgaben erledigen, etwa Berechnungen von Heizlasten auf dem Smartphone.

Künstliche Intelligenz als Unterstützung habe hier in kurzer Zeit viel verändert: „Früher hat das ein Ingenieurbüro erledigt. Heute ist KI ein wichtiges Hilfsmittel, zum Beispiel bei der automatisierten Kundenbetreuung, dem Verschriftlichen von Bautagebüchern und Montageberichten“, so Haun. Auch Roboter würden bald eine Rolle spielen, vermutet er.

Handwerksverband verweist auf Sicherheit

Die Künstlicher Intelligenz wird im Handwerk schon jetzt vielseitig eingesetzt: Friseurkunden können etwa verschiedene Haarschnitte und -farben vorher simulieren und Baufirmen ihre Nachhaltigkeitsberichte erstellen lassen. Jörg Dittrich, Dachdeckermeister aus Dresden mit 100 Mitarbeitern und Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), betont, dass KI die Jobs im Handwerk nicht bedrohe, sondern unterstütze.

„Der Befehl an den Chatbot: ‚Bau das Haus fertig‘ wird meistens beantwortet mit ‚Ich kann dir helfen bei der Planung. Aber in der Durchführung geht es nicht.‘ Im Handwerk muss niemand Angst vor KI haben“, so Verbandschef Dittrich. Hinzu kämen steigende Verdienstmöglichkeiten und das soziale Miteinander in den Betrieben.

Zahl der Auszubildenden steigt weiter

All das schlage sich auch in steigenden Zahlen beim Nachwuchs nieder. Laut ZDH gab es in der ersten Jahreshälfte 2026 im Handwerk 67.800 neue Ausbildungsverträge. Das seien fast fünf Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum – und der höchste Wert an Neuverträgen seit fast zehn Jahren.

Dass langfristig etwa in der Baubranche Menschen entlassen werden, weil Roboter ihre Arbeit übernehmen, glaubt Verbandspräsident Dittrich nicht. Vielmehr helfe Automatisierung, den Fachkräftemangel durch den demografischen Wandel abzumildern: „Die umliegenden Tätigkeiten sind inzwischen schwer abzudecken. Es ist also eine große Chance, das mithilfe von KI aufzufangen.“

Wissenschaftlich belegt ist es noch nicht, dass die Sorge von KI junge Menschen in Handwerksberufe drängt. Doch es gibt Tendenzen, die darauf hinweisen, etwa in der repräsentativen Trendstudie „Jugend in Deutschland 2026“, mit herausgegeben von der Universität Potsdam. Demzufolge gehen 52 Prozent der Jugendlichen davon aus, dass KI die Arbeitswelt grundlegend und radikal verändern wird. Ähnlich viele glauben, dass einfache Tätigkeiten zunehmend durch KI ersetzt werden.

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Dr. Heinrich Krämer
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