Von einer historischen Vereinbarung schwärmte US-Präsident Trump, als er einen Durchbruch zwischen Israel und der Hamas verkündete. Die Terrororganisation soll demnach ihre Waffen abgeben. Ob und wann das passiert? Unklar.
Die Bühne, um die Einigung zu verkünden, überließen die Verhandler US-Präsident Donald Trump. In seinem sozialen Netzwerk Truth Social nannte der die Vereinbarung historisch. Sie sehe eine vollständige Entwaffnung der Hamas vor.
Kurz später meldete sich – mitten in der Nacht – auch Nickolay Mladenov aus Kairo zu Wort. Der bulgarische Diplomat ist der Generaldirektor des von Trump einberufenen „Friedenrates“. Auf X schrieb er von monatelangen Verhandlungen. In vielen Momenten habe er nicht an einen Erfolg geglaubt. Nun komme es auf die Umsetzung an.
Auch der Hamas-Vertreter Ghazi Hamad betonte im Sender Al Jazeera, dass die Verhandlungen lang, hart und kompliziert gewesen seien. „Wir haben gekämpft und gerungen, um die bestmögliche Formel zur Rettung unseres palästinensischen Volkes im Gazastreifen zu erreichen.“ Hamad gehörte zur Delegation der militanten Palästinenserorganisation bei den Gesprächen in Ägypten.
Abgabe der Waffen als Knackpunkt
Vor gut neun Monaten wurde eine Feuerpause für den Gazastreifen ausgerufen. Ein Ende der Gewalt brachte das jedoch nicht. Es gibt weiterhin israelische Luftangriffe mit vielen Toten.
Als der größte Knackpunkt für weitere Verhandlungsfortschritte galt die fehlende Bereitschaft der Hamas, ihre Waffen niederzulegen. Hamad erklärt, die nun getroffene Einigung mit den Vermittlern sehe vor, dass die künftige zivile palästinensische Verwaltung im Gazastreifen die Waffen kontrolliere. „Wir sprechen über die Lagerung der Waffen unter der Verantwortung des Nationalen Palästinensischen Komitees.“ Israel werde sich in diese Angelegenheit nicht einmischen. Es sei eine interne palästinensisch-nationale Angelegenheit, so Hamad.
Die Vertreter des Nationalkomitees, eine Art Technokratenverwaltung, sind benannt und auch mit Israel abgestimmt. Sie sind aber noch nicht im Gazastreifen. Unterstützt werden sollen sie von Soldaten einer internationalen Stabilisierungstruppe, die ebenfalls noch nicht als wirklich einsatzfähig gilt.
Abfolge klar, Zeitplan unklar
An den Verhandlungen, die über Monate in Kairo und anderen ägyptischen Orten geführt wurden, nahmen neben der Hamas auch andere palästinensische Gruppierungen teil. Auch sie sollen ihre Waffen im Gazastreifen abgeben. Als Vermittler waren Ägypten, Katar, die Türkei und die US-Regierung aktiv.
Die grundsätzliche Einigung sieht vor, dass sich die israelischen Truppen Schritt für Schritt aus den von ihnen kontrollierten Teilen des Gazastreifens zurückziehen – nachdem die Entwaffnung begonnen hat. Die Abfolge scheint klar, der Zeitplan allerdings nicht – der soll in den nächsten Wochen erarbeitet werden, heißt es von den Vermittlern. Insgesamt könne der Prozess mehrere Monate in Anspruch nehmen.
Hamas stellt Forderung an Israel
Ob und wann die Hamas tatsächlich ihre Waffen abgibt, bleibt trotz des Verhandlungserfolgs in Kairo offen. Hamas-Funktionär Ghazi Hamad sagt, wenn Israel dem Plan nicht zustimme, werde die Hamas ihn nicht umsetzen. Er forderte zudem, dass Israel erst seine Angriffe im Gazastreifen einstellen und eine umfängliche Einfuhr von Hilfsgütern und Baumaterialien zulassen muss.
Aus Israel gab es bisher keine offizielle Reaktion auf die in Kairo erzielte Einigung.

