In einigen Städten stehen an den kommenden Wochenenden CSD-Paraden an. Nach dem Anschlag in Berlin sind viele Organisatoren besorgt. Polizei und Veranstalter überprüfen noch einmal ihre Sicherheitskonzepte.
Daniel Siebert und Marvin Markner vom Schwulen- und Lesbenverein „SLaM & friends“ beugen sich über eine Straßenkarte von Moers. Eingezeichnet ist die Wegstrecke für die CSD-Parade, die am Samstag in der Stadt am Niederrhein stattfinden soll. Die Mit-Organisatoren überprüfen noch einmal alles und sprechen über mögliche Gefahrenpunkte.
Es sei ein bedrückendes Gefühl, sagt Daniel Siebert. „Ich mache diese Veranstaltung jetzt im zweiten Jahr und bisher habe ich nie darüber nachgedacht, dass so etwas jetzt auch bei unserem CSD passieren könnte.“
Auch Marvin Markner spürt seit dem Anschlag in Berlin eine gewisse Angst. „Es ist etwas Schreckliches passiert, aber wir müssen auch nach vorne schauen.“ Er hofft, dass jetzt vielleicht noch mehr Leute Flagge zeigen wollen für die queere Community und in Moers auf die Straße gehen werden am Samstag.
Mehr Polizei, geheime Routen und Autosperren
Polizeibeamte werden den Umzug intensiver als in den Jahren zuvor begleiten. Die jüngsten Geschehnisse beim CSD in Berlin würde man bei der Vorbereitung selbstverständlich einbeziehen, teilt die zuständige Polizeibehörde mit. Die Sicherheitsvorkehrungen würden ständig an die aktuelle Lagebewertung angepasst: „Zum Einsatzkonzept und dem damit einhergehenden Personaleinsatz geben wir aus taktischen Gründen keine Auskunft.“
In Bonn wird aus Sicherheitsgründen die genaue Route der CSD-Demonstration bis kurz vor Veranstaltungsbeginn geheim gehalten. Die Stadt erwartet am Samstag Tausende Menschen zunächst zu einem bunten Sommerfest.
In Essen findet der CSD eine Woche später statt. Derzeit prüft die Stadt, an welchen Stellen rund um das Veranstaltungsgelände Sperren gegen Angriffe mit Fahrzeugen aufgestellt werden können. Außerdem soll die Zahl der Einsatzkräfte erhöht werden.
Hundertprozentige Sicherheit könne es nicht geben
NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) erklärt, dass alle Sicherheitsbehörden – also Polizei, Landeskriminalamt, Verfassungsschutz und Staatsschutz – in erhöhter Alarmbereitschaft seien. Aber er betont auch: „Wir werden niemals garantieren können, dass so ein Anschlag nicht wieder passiert.“ Das gelte für CSD-Paraden und andere Großveranstaltungen. Deswegen werde die Polizei mehr Präsenz zeigen. Lagekonzepte sollen noch einmal überprüft und Gefährder stärker beobachtet werden. Dazu gehörten Islamisten und auch Rechtsextreme.
Die queere Community wird immer wieder aus verschiedenen Richtungen angefeindet und bedroht. Das weiß auch Marvin Markner aus Moers. „In diesem Fall war es jetzt ein islamistischer Anschlag, es hätte aber auch aus der rechten Szene kommen können“, sagt Markner.
Pride Week in Münster
Vor drei Wochen hatten in Wesel 30 Rechtsextremisten eine Gegendemonstration gegen den örtlichen CSD veranstaltet. Genau wegen solcher Provokationen und der latenten Bedrohungslage haben sich manche Städte noch etwas Bedenkzeit gegeben.
In Münster war zunächst nicht klar, ob sie die Pride Week im August durchführen wollen. Vor vier Jahren gab es dort am Rande des CSD einen Übergriff. Ein 25-jähriger trans Mann starb nach einer Prügelattacke. Jetzt haben die Veranstalter beschlossen, dass der CSD wie geplant stattfinden soll. „Jetzt erst recht!“, sagen viele der Organisatoren und wollen an ihren Plänen festhalten.
Unter genau dieses Motto hat auch der Verein „Offen.BUND Arnsberg“ seine Parade gestellt. Es wird der erste CSD im Hochsauerlandkreis werden
