Mit zunehmender Trockenheit im Sommer müssen Landwirte seit Jahren zurechtkommen. Extreme Hitzewellen aber bringen vor allem im Salatanbau neue Herausforderungen.
Bei der Hitzewelle im Juni wurde der bisherige deutsche Temperaturrekord gleich mehrfach gebrochen. Nicht nur Ventilatoren sind dann gefragt, sondern auch leichtes Essen wie etwa Salat. Doch ausgerechnet die Salaternte wird bei der Hitze zur Herausforderung. Im Nürnberger Knoblauchsland, einem der größten zusammenhängenden Gemüseanbaugebiete Deutschlands, greifen die Landwirte deshalb zu bislang unkonventionellen Maßnahmen.
Die Ernte beginnt früh am Morgen
Bis zu 50.000 Salatköpfe täglich holt Landwirt Stefan Hußnätter von seinen Feldern. Wenn sie reif sind, müssen sie geerntet werden. Auch wenn das Thermometer vormittags bereits die 35-Grad-Marke geknackt hat. Seinen 200 Erntehelfern stellt Hußnätter Sonnencreme, Getränke und Hüte zur Verfügung. Um Arbeit in praller Mittagshitze zu vermeiden, beginnen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereits um 04:30 Uhr morgens mit der Ernte. Hußnätter spricht von einem „Hitzekampf“.
Doch mit der Ernte ist es noch nicht getan. Wenn die Salatköpfe in der Sonne liegen bleiben, würden sie in kürzester Zeit welk. Um das zu vermeiden, geht es vom Feld über ein Förderband in Richtung der Transport-Lkw. Vorher wird der Salat gewaschen. Das sei „unabdingbar, um einen gewissen Kälteeffekt beizubehalten“, sagt Hußnätter.
Gießen allein reicht nicht
Schnelligkeit bei der Ernte löst die Probleme aber nicht, die extreme Hitzetage mit sich bringen. Dann bleibt Hußnätter nach eigenen Aussagen nichts anderes, als die Salatköpfe zu beregnen. „Um die Blätter vor Sonnenbrand zu schützen“, sagt er. „Selbst wenn der Boden feucht ist, würde das nicht ausreichen“, ergänzt der Gemüsebauer. Ein Sonnenbrand an den empfindlichen Salatblättern käme einem Ernteausfall gleich.
Das unterscheide Salat auch von Kartoffeln oder Getreide, die bei fordernden Wetterbedingungen einfach etwas kleiner geerntet würden. Im zusätzlichen Wasserverbrauch durch die Beregnung der Salate sieht Hußnätter kein größeres Problem. Er nutzt dafür kein Tiefengrundwasser, sondern sogenanntes Oberfiltrat, das am Fluss Regnitz gewonnen wird. Die dafür gebohrten Brunnen seien nur acht Meter tief. „Wir gewinnen Wasser, das an uns vorbeifließen würde und uns auch für die Landwirtschaft bereitgestellt worden ist“, sagt Hußnätter.
Landwirtschaftliche Wassernutzung kein Tabu
Während etwa in München eine Allgemeinverfügung zum Wassersparen gilt, die das Gießen von Beeten zu bestimmten Zeiten untersagt, sei die landwirtschaftliche Wassernutzung im Nürnberger Knoblauchsland kein generelles Tabu. So sieht es jedenfalls Johannes Barth, der den Lehrstuhl für Angewandte Geologie am GeoZentrum Nordbayern in Erlangen leitet.
Wenn bei Flüssen wie der Pegnitz und der Regnitz die Wasserstände künstlich durch Regulierung über das Fränkische Seenland hochgehalten werden, sei es aus hydrologischer Sicht zu vertreten, wenn Wasser über Brunnen in Flussnähe „in Maßen“ entnommen wird, so Barth. In trockenen Jahren müsse man dann die Wasserstände allerdings „genau beobachten“. Bei natürlichen Gewässern dagegen sieht es anders aus. Da könne es bei einer starken Entnahme zur landwirtschaftlichen Bewässerung durchaus kritisch werden, so Barth.
