Die Wut wird immer stärker
Infantinos „ungeheuerlicher Akt“
01.08.2026 | 20:02 Uhr
Gianni Infantino kassiert seinen Plan, Anteile an der Fußball-WM zu verkaufen, wieder ein. Doch damit ist der Ärger für ihn nicht erledigt.
In der Nacht kollabiert die Idee von Gianni Infantino, Anteile an der Fußball-WM der Männer an private Investoren zu verkaufen. Binnen weniger Stunden hatten sich zuvor mehrere Kontinentalverbände in einer in der Geschichte des Fußballs wohl einmaligen Aktion gegen die Pläne des FIFA-Präsidenten gestellt.
Die Kritik aus Sport, Gesellschaft und Politik war gewaltig. Infantino nahm den Deal daraufhin vom Tisch – und versicherte treuherzig: „Unser Ziel war und ist es stets, zu vereinen und Verbesserungen zu bewirken. Nach sorgfältiger Abwägung aller Standpunkte ist deutlich geworden, dass das Projekt zu einer Spaltung geführt hat, die – ungeachtet des Ausmaßes der Unterstützung – nicht mehr im Sinne des ursprünglich verfolgten Ziels ist.“
Doch für Infantino, der die Konföderationen und ihre Mitgliedsverbände mit einer knappen Deadline überrumpelt und mit Millionenzahlungen gelockt hatte, ist die Sache damit nicht erledigt: Zahlreiche Verbände werden Infantino sein klandestines Vorgehen nicht vergessen. Die CONCACAF, Verband Nord- und Mittelamerikas, forderte nun in einem Statement eine „umfassende Überprüfung“ der FIFA-Führung.
„Ungeheuerliche Handlung“
„Die Ereignisse der letzten Tage haben etwas offenbart, das nun nicht mehr außer Acht gelassen werden kann: Die Zukunft der FIFA-Weltmeisterschaft, des größten Vermögenswerts im Weltfußball, wurde außerhalb aller etablierten Führungsstrukturen vorangetrieben – ohne Transparenz, ohne Konsultation und ohne ordnungsgemäßes Verfahren“, schrieb die CONCACAF nun nur wenige Tage nach dem Ende der wirtschaftlich beeindruckenden Weltmeisterschaft, die in ihren Mitgliedsländern Kanada, USA und Mexiko durchgeführt wurde.
Der Verband legte noch nach: „Ein Vorschlag dieser Größenordnung gelangt nicht zufällig in diese Phase. Er ist ein Symptom einer Führung, die den Fußball nicht mehr an erste Stelle setzt. Diese jüngste einseitige und ungeheuerliche Handlung mangelhafter Führung und Governance reiht sich in eine Reihe von Fehltritten und ähnlichem Verhalten ein. Nun muss eine umfassende Überprüfung dieser Führung stattfinden.“
Köster: UEFA muss starken Infantino-Widersacher aufbauen
„Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen“
Zuvor hatte schon die UEFA in einer Reaktion auf den Blitz-Kollaps von Infantinos Milliardenplan gefordert: „Dies ist ein Sieg für den gesamten Fußball. Doch damit darf die Geschichte noch nicht zu Ende sein.“
Der europäische Verband, der als erste Konföderation einen scharfen Widerstand formiert und mit dem Boykott aller künftiger FIFA-Turniere gedroht hatte, will mehr: „Wir können so nicht weitermachen – mit geheimen Plänen, die im Eiltempo von anonymen Personen ausgeheckt werden und deren Nutzen für den Sport zweifelhaft ist.“ Auch aus der Sicht der Europäer gilt: „Wir müssen die Verantwortlichen identifizieren und zur Rechenschaft ziehen.“
Viele Millionen als Lockmittel
Der Weltverband hatte am Dienstag mitgeteilt, dass er die Gründung der FIFA Forward Enterprise (FFE), einer Tochtergesellschaft, die alle kommerziellen Aktivitäten und Turnierorganisationen bündeln sollte, plane. Private Investoren hätten über diesen Weg Anteile an FIFA-Events erwerben können. Ein „schäbiger Deal“, wie es vom DFB heißt.
Im Klartext: Die Männer-WM, Filetstück der Fußballvermarktung und sportliches Weltkulturerbe, stand zum Verkauf. Das sollte einerseits auch kleinen Landesverbänden viele Millionen an Zusatzeinnahmen bringen. Andererseits hätte dies Infantino geholfen, seine Macht zu sichern. Durch den größeren Rückhalt der versorgten Verbände. Und womöglich durch den leitenden Posten in der FFE.

Wer ist eigentlich FIFA-Boss Gianni Infantino?
2027 will sich Gianni Infantino in seine vierte Amtszeit als FIFA-Präsident wählen lassen. Bis vor wenigen Tagen galt eine Wiederwahl des mächtigsten Fußball-Funktionärs der Welt als Formsache, 200 Verbände hatten dem Schweizer vor dem Debakel um den Investorendeal bereits ihre Loyalität zugesichert.
Naht Infantinos Ende als Boss?
Nun scheint die Herrschaft Infantinos sturmreif geschossen. Es gilt als wahrscheinlich, dass erstmals ein ernsthafter Gegenkandidat für Infantino aufgebaut wird, der 2023 noch per Akklamation bestätigt wurde. Nach FIFA-Statuten wäre Infantinos Laufbahn beim Weltverband eigentlich 2031 ohnehin beendet. Die Leitung der FFE wäre somit für Infantino eine Möglichkeit, als eine Art Schattenpräsident weiter an der Macht zu bleiben.
Verwendete Quellen: ntv.de, ter
