„DynamicAvocado2074“, „PoliteCorgi6495“ oder „ZestyHedgehog4371“: Solche Namen wirken schnell wie Bots oder frisch angelegte Fake-Accounts. Tatsächlich kann dahinter ein ganz normales Facebook-Hauptprofil stecken. Facebook erlaubt in manchen Gruppen eine Teilnahme mit Spitznamen und eigenem Avatar. Wir haben die Funktion selbst ausprobiert – und dabei auch geprüft, was andere Mitglieder sehen und was nicht.
Eine neue Gruppenidentität statt des echten Namens
Facebook hat die anonyme Teilnahme in Gruppen um Spitznamen erweitert. Wo die Funktion verfügbar und von der Gruppe zugelassen ist, können Mitglieder damit posten, kommentieren und reagieren, ohne den Namen und das Foto ihres Hauptprofils gegenüber anderen Gruppenmitgliedern anzuzeigen.
Auf den ersten Blick schaut das durchaus wie ein eigenes Profil aus: ein eigener Name, ein eigener Avatar, dazu eine wiedererkennbare Identität in der Gruppe. Genau deshalb kann so ein Account schnell für einen Bot oder ein Fake-Profil gehalten werden.
So findet man die Funktion
Bei unserem Test in der Facebook-App war der Zugang ziemlich unscheinbar. Links neben „Schreib etwas …“ befindet sich das eigene Profilbild mit einem kleinen Pfeil. Tippt man darauf, öffnet Facebook die Auswahl der Identität, mit der man in der Gruppe auftreten möchte.
Facebook macht Vorschläge – der Spitzname lässt sich selbst festlegen
Nach dem Öffnen landet man bei „Mit einem Spitznamen teilnehmen“. Facebook schlägt zunächst automatisch einen Namen samt Avatar vor. In unserem Test war das etwa „CuriousNarwhal2045“. Gleichzeitig erklärt Facebook an dieser Stelle bereits, was der Spitzname kann und wer das Hauptprofil trotzdem sehen darf.
Die Vorschläge folgen bei unserem Test einem recht auffälligen Muster: Eigenschaft, Tier oder Gegenstand und eine Zahlenfolge. Facebook servierte uns unter anderem einen höflichen Corgi, eine dynamische Avocado und einen ziemlich selbstbewussten Igel – jeweils mit Sonnenbrille.
Der Spitzname ist kein eigenes Facebook-Profil
Das ist für die Einordnung besonders wichtig: Der Spitzname erstellt kein zweites, eigenständiges Facebook-Profil. Er ist eine zusätzliche Identität für die Teilnahme in der jeweiligen Gruppe. In unserem Test tauchte der Spitzname nicht als separates Profil auf, das man wie ein normales Facebook-Konto über die Profilsuche finden könnte.
Für andere Gruppenmitglieder ist damit die Spitznamen-Identität sichtbar, das dahinterliegende Hauptprofil bleibt verborgen. Wer also nur den Namen „DynamicAvocado2074“ sieht, kann daraus nicht auf ein neu angelegtes Fake-Profil schließen.

Admins sehen weiterhin, wer dahintersteckt
Ganz anonym ist die Sache trotzdem nicht. Facebook weist beim Einrichten ausdrücklich darauf hin, dass Admins, Moderatoren und die Facebook-Systeme weiterhin Name und Foto des Hauptprofils sehen können. Gegenüber der normalen Gruppenöffentlichkeit wird das Hauptprofil verborgen, gegenüber der Gruppenverwaltung nicht.
Das ist praktisch relevant, wenn es in einer Gruppe etwa um Regelverstöße oder Missbrauch geht: Für andere Mitglieder wirkt die Person pseudonym, die Gruppenadmins können die Spitznamen-Identität weiterhin dem dahinterliegenden Hauptprofil zuordnen.
Der Spitzname wird zum Standard in der Gruppe
Facebook erklärt außerdem, dass ein erstellter Spitzname zum Standardnamen für die Teilnahme in der Gruppe wird, bis er wieder geändert wird. Es handelt sich damit nicht nur um einen einmaligen anonymen Kommentar. Die pseudonyme Identität kann innerhalb der Gruppe wiederholt verwendet werden.
Zum Einrichten derzeit besser zum Smartphone greifen
Wer am Computer nach der Funktion sucht und sie dort nicht findet, sollte die Facebook-App am Smartphone öffnen. Genau dort konnten wir den Ablauf nachvollziehen. In unserer App erschien die Auswahl direkt über dem kleinen Pfeil beim Profilbild.
Die Funktion wird außerdem nicht zwingend bei jedem Konto und in jeder Gruppe gleichzeitig angezeigt. Voraussetzung ist, dass die entsprechende Form der anonymen Teilnahme in der Gruppe verfügbar beziehungsweise zugelassen ist.
Ist „DynamicAvocado2074“ also ein Bot?
Allein am Namen oder am künstlich wirkenden Avatar lässt sich das nicht feststellen. Facebook erzeugt selbst genau solche Kombinationen für normale Nutzer. Das macht die Bewertung von Profilen in Gruppen ein Stück komplizierter: Ein seltsamer Name mit Sonnenbrillen-Igel ist künftig jedenfalls kein brauchbarer Beleg für einen Bot oder ein Fake-Konto.
Wenn euch also künftig eine dynamische Avocado widerspricht, kann dahinter schlicht ein normales Facebook-Hauptprofil stecken, dessen Besitzer in dieser Gruppe lieber unter einem Spitznamen diskutiert. Die Gruppenadmins wissen weiterhin, wer unter der Sonnenbrille sitzt.
Quelle
Meta Newsroom: New Facebook Update Gives Group Admins More Flexibility While Protecting Member Privacy – Meta beschreibt dort die Möglichkeit, in Gruppen mit echtem Namen, anonym oder mit Spitznamen aufzutreten.
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