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Startseite»Politik»Kann der neue britische Premier Burnham Obdachlosigkeit beenden?
Politik

Kann der neue britische Premier Burnham Obdachlosigkeit beenden?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 8, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Europamagazin

Stand: 08.08.2026 • 15:52 Uhr

In seiner ersten Rede als neuer britischer Premier kündigte Burnham an, Obdachlosigkeit im Land ein Ende zu bereiten. Doch ist das möglich? Erfahrung mit dem Thema jedenfalls hat der ehemalige Bürgermeister von Manchester.

Christoph Prössl

Es ist eine warme Sommernacht in London, und Verral Paul-Walcott ist mit dem Lastenfahrrad unterwegs. Er fährt durch das Stadtzentrum, am Big Ben vorbei. Für den 40-Jährigen ist das keine Sightseeing-Tour.

Er hält Ausschau nach Obdachlosen, nach Personen, die Hilfe brauchen. Vor einem Supermarkt auf dem Boden sitzt ein Mann, wippt leicht vor und zurück. Paul-Walcott bietet ihm kaltes Wasser an und fragt, was er brauche. Einen Käsesandwich wünscht sich der Obdachlose, und Paul-Walcott kauft ihm einen.

Er hilft aus Überzeugung, schon seit Jahren. „Ich helfe, weil ich Probleme mit der psychischen Gesundheit hatte. Ich habe eine zweite Chance bekommen. Und die nutze ich, um anderen zu helfen“, sagt Paul-Walcott.

Verral Paul-Walcott hilft Obdachlosen in London. In England leben laut offiziellen Zahlen 4.800 Menschen auf der Straße.

Ein zu komplexes Problem?

Weiter geht es durch London. Vor einem Inneneinrichtungsgeschäft sitzt Malcolm. Er lebt, mit Unterbrechungen, seit 20 Jahren auf der Straße. „In meinem Leben ging es hoch und runter. Drogenabhängig, Depression, schlechte psychische Gesundheit“, sagt der Mann.

Er hat von der Ankündigung des neuen Premierministers Andy Burnahm gehört, die Obdachlosigkeit im Vereinigten Königreich beenden zu wollen. „Das ist Blödsinn. Ich glaube ihm nicht“, sagt Malcolm dazu.

Malcolm hat seine Erfahrungen gemacht. Er hat kaum Zugang zu medizinischer Versorgung und schildert, wie er gerade am Vortag bei einer Hilfsorganisation gewesen sei, weil er ein Medikament brauchte. Man habe ihn weggeschickt. Er solle in zwei Wochen wiederkommen.

Allein in England schlafen jede Nacht 4.800 Menschen unter freiem Himmel, schätzen die Behörden. Auch Paul-Walcott ist skeptisch, ob Burnham sein Ziel erreichen kann. Obdachlosigkeit sei so komplex. Jede Person sei anders. Die Obdachlosigkeit zu beenden sei kaum möglich.

Programm gegen Obdachlosigkeit schon als Bürgermeister

Doch genau das hat Burnham in seiner ersten Rede als Premierminister angekündigt. Vor seinem Amtssitz in der Downing Street verkündete Burnham, er werde gleich durch die berühmte schwarze Tür hinter ihm gehen und dort eine Anweisung unterzeichnen, um die Obdachlosigkeit zu beenden.

Burnham müsste wissen, was er versprochen hat, denn in seinem bisherigen Amt als Bürgermeister von Manchester hatte er genau das schon einmal auf die Agenda gesetzt. War er dabei erfolgreich?

Wer heute durch Manchester geht, sieht: In der Stadt gibt es Obdachlose, die auf der Straße leben. 2017, als Burnham als Bürgermeister antrat, gab es den Behörden zufolge 268 Obdachlose – vier Jahre später nur noch 90. Inzwischen ist die Zahl wieder nach oben gegangen. Doch Burnhams Programm „Jede Nacht ein Bett“, das 600 Schlafplätze bereitstellt, besteht weiterhin.

„Herausforderungen auf nationaler Ebene sind riesig“

Bei der Hilfsorganisation Emmaus im Osten des Großraums Manchester können 26 Personen in Einzelzimmern unterkommen. Die Bewohner helfen, das angegliederte Sozialkaufhaus zu betreiben. Die Gegenstände stammen aus Auflösungen, sind gespendet.

Hier gibt es Sofas, Stühle, Kleidung, Schallplatten. An der Kasse arbeitet Darren Bateman. Er war selbst jahrelang obdachlos, bis er hierher fand. Für ihn war es wichtig, das Gefühl von Zugehörigkeit zu erfahren, zu spüren, zuhause zu sein und Arbeit zu haben. Bei Emmaus gibt es Weiterbildungsmöglichkeiten, wer hier wohnt, bekommt auch Unterstützung bei der Vermittlung von Jobs.

Ant Hopkinson ist der Geschäftsführer. Burnham habe viel erreicht, sagt Hopkinson. Er habe in Manchester gute Projekte vorangetrieben. Aber die Herausforderungen auf nationaler Ebene seien riesig.

Er erklärt, dass pro Jahr etwa 90.000 Sozialwohnungen fertig gestellt werden müssten: „Derzeit gibt es nur sehr wenige bezahlbare Mietwohnungen für Sozialhilfeempfänger. Hier brauchen wir eine fundamentale Umkehr.“ Die Kosten dafür wären hoch – und das Budget der Regierung ist knapp.

Kurz bevor er von König Charles III. mit der Regierungsbildung beauftragt wurde, suchte Andy Burnham das Gespräch mit Obdachlosen.

Erster Programmpunkt: Treffen mit Obdachlosen

Doch Burnham will das Problem trotz aller Schwierigkeiten angehen. An dem Tag, an dem er Keir Starmer als Premier ablöste, war sein erster Programmpunkt, Obdachlose zu treffen und Vertreter der kirchlichen Hilfsorganisation The Passage. Er selbst ist Katholik.

Direktorin Jenny Travassos hat ihn getroffen. Sie war begeistert von der Begegnung. Burnham habe mit denen gesprochen, die das Leben auf der Straße kennen. Und er habe nicht doziert, sondern gefragt, was er tun könne. Das sei guter Führungsstil, sagt sie.

Ihr gefalle auch, dass Burnham die richtigen Menschen aus den Behörden, von den Hilfsorganisationen und aus Unternehmen zusammengebracht habe. Darin sieht sie seine Stärke.

Bei den Mitarbeitern von The Passage konnte Burnham schon Hoffnung wecken. Doch Ergebnisse werden Zeit brauchen.

Diese und weitere Reportagen sehen Sie im Europamagazin – am Sonntag um 13.45 Uhr im Ersten.

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