Ein Hai-Biss vor New Yorks Küste hatte für Schlagzeilen gesorgt. Immer wieder werden die Fische vor der Millionenmetropole gesichtet – viele Arten sind dort heimisch. Drohnen sollen nun weitere Zwischenfälle verhindern.
Sommer am Rockaway Beach im New Yorker Stadtteil Queens. Die Sonne scheint, Kinder springen in die Wellen, Surfer warten auf die nächste Welle. Eigentlich ein ganz normaler Tag am Atlantik. Doch in diesem Sommer schwimmt bei vielen Badegästen ein mulmiges Gefühl mit.
Anfang Juli wird ein Mann von einem Hai in den Fuß gebissen. Seine Verletzungen sind nicht lebensgefährlich, doch seitdem sorgen immer neue Hai-Sichtungen für Schlagzeilen.
Jackie Marsala geht deshalb inzwischen etwas vorsichtiger ins Wasser. „Ich bleibe nicht lange im Wasser“, sagt sie. „Ein bisschen habe ich die Haie schon im Hinterkopf. Vor allem, weil zuletzt Bullenhaie gesichtet wurden. Die gelten als ziemlich aggressiv.“
Drohnen sind auf Hai-Suche
Auch die Behörden reagieren. Die Polizei schickt regelmäßig Drohnen über den Atlantik. Aus der Luft suchen die Beamten nach Haien – aber auch nach großen Fischschwärmen, die die Tiere bis dicht an die Strände locken können.
Emily Rodriguez fühlt sich dadurch sicherer: „Ich finde die Drohnen eine gute Idee. Sie geben uns mehr Sicherheit am Strand.“ Entdecken die Drohnen einen Hai, müssen die Badegäste raus aus dem Wasser. Erst wenn die Küste wieder frei ist, dürfen sie zurück.
Haie sind heimisch vor New York
Doch wirklich vertreiben lassen sich die New Yorker von ihren Stränden nicht. „Haie leben nun mal hier. Für mich ist das völlig in Ordnung“, sagt eine Frau. Eine andere New Yorkerin erzählt: „Ich komme seit über 40 Jahren mit meinen Kindern hierher. Aber das hier ist ihr Ozean. Wir Menschen können das nicht kontrollieren.“
Eine Gelassenheit, die auch die Wissenschaft teilt. Hans Walters forscht am New York Aquarium über Haie. Und die sind vor der Millionenmetropole alles andere als ungewöhnlich. „Wir haben insgesamt 27 verschiedene Haiarten in den Gewässern rund um New York nachgewiesen“, sagt Walters.
Menschen schwimmen am Strand entlang der Promenade von Coney Island schwimmen. Auch hier wurden in den vergangenen Jahren Haie gesichtet.
Menschen stehen nicht auf dem Hai-Speiseplan
Nur wenige davon kommen im Sommer überhaupt bis in Strandnähe. Und die sind nicht wegen der Menschen hier, erklärt der Forscher. „Kein Hai in diesen Gewässern betrachtet Menschen als Beute. Sie sind auf der Suche nach Nahrung und folgen vor allem kleinen Fischschwärmen bis in Küstennähe – nicht uns Menschen.“
Ganz sorglos ist aber auch Walters nicht. Eine Art haben die Experten besonders im Blick: den Bullenhai. Der sei dafür bekannt, „Menschen gegenüber gelegentlich aggressiv zu werden“.
Für die Badegäste heißt das: Warnungen ernst nehmen, auf die Lifeguards und Drohnen achten. Denn die Haie gehören zum Atlantik dazu. Und die New Yorker? Die lassen sich ihren Sommer am Meer offenbar trotzdem nicht nehmen.
