Marktbericht
Wird die Rekordrally im DAX in dieser Woche weitergehen? Die US-Berichtssaison neigt sich dem Ende zu, die Anleger werden sich deshalb wieder der Geldpolitik und der Geopolitik zuwenden.
Der Broker IG taxiert den deutschen Leitindex vor dem Xetra-Handelsstart 0,1 Prozent höher auf 26.346 Punkte. Am vergangenen Freitag war der deutsche Leitindex mit einem Plus von 0,7 Prozent auf 26.319 Zählern aus dem Handel gegangen. Bei 26.445 Zählern hatte er ein neues Rekordhoch markiert. Das Wochenplus lag bei 2.7 Prozent.
In diesem Tempo dürfte es in dieser Woche eher nicht weitergehen. „Mit der nun auslaufenden US-Gewinnsaison dürfte ein wichtiger positiver Treiber an Kraft verlieren, so dass wir in den kommenden Wochen für die Aktienmärkte Verschnaufpausen auf den erreichten Niveaus erwarten“, sagte Commerzbank-Analyst Andreas Hürkamp.
In den nächsten Tagen werden sich die Investoren deshalb wieder stärker der Lage im Nahen Osten widmen. Der Unsicherheitsfaktor bleibt, denn noch immer ist in keine Verständigung zwischen Iran und den USA in Sicht.
Auch die US-Geldpolitik wird in den Fokus rücken. Es ist eine Frage, die sich Anleger nun verstärkt stellen; ob es im September eine Zinserhöhung der US-Notenbank Federal Reserve geben wird oder nicht. Die aktuellen US-Jobdaten waren in der vergangenen Woche unerwartet schlecht ausgefallen. Dadurch sind Zinserhöhungen zumindest unwahrscheinlicher geworden.
Vom Arbeitsmarkt würden vermeintlich keine ausdrücklichen Inflationsrisiken drohen, weshalb eine Leitzinserhöhung im September nur noch mit 45-prozentiger Wahrscheinlichkeit an den Terminmärkten eingepreist werde, kommentiert Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank.
Aber der Druck auf die Verbraucherpreise bleibt. Am kommenden Mittwoch werden die US-Inflationsdaten veröffentlicht. Chefstratege Robert Greil von der Privatbank Merck Finck rechnet damit, dass die Inflationsrate im Juli weitgehend stabil bei 3,5 Prozent geblieben ist. Das ist weit über dem eigentlichen 2-Prozent-Ziel.
Vor allem von den Energiepreisen hängt die Richtung ab. Nachdem der Ölpreis in der vergangenen Woche um rund sieben Prozent gefallen war, legen die aktuellen Notierungen wieder zu.
„Die erneute Eskalation am Persischen Golf hat sich bei den US-Verbraucherpreisen im Juli wohl noch nicht voll ausgewirkt“, sagt Commerzbank-Ökonom Christoph Balz. „Die Inflationsrate ist vermutlich noch einmal gesunken, könnte im August aber wieder anziehen.“
Die Vorgaben aus Asien sollten den DAX heute stützen. Die nachlassende Sorge vor baldigen Zinserhöhungen in den USA treibt die asiatischen Aktienmärkte heute an. Der japanische Leitindex Nikkei legt 2,0 Prozent zu, auch der südkoreanische Kospi ist im Aufwind. Dieser ist ganz besonders von der Stimmung bei Chip- und Tech-Werten abhängig.
In Tokio steigen besonders Technologie- und KI-Werte. „Gewinne bei den Chip-Werten stützten den Nikkei“, sagte Daisuke Hashizume, Chefstratege bei Daiwa Securities. „Treiber waren die nachlassenden Wetten auf eine Zinserhöhung der US-Notenbank.“
