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Startseite»Nachrichten»Wende im Kampf um die Macht?: Gianni Infantino ist auf dem besten Weg zur Mehrheit
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Wende im Kampf um die Macht?: Gianni Infantino ist auf dem besten Weg zur Mehrheit

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 18, 2026Keine Kommentare7 Minuten Lesezeit
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Bringen St. Kitts und Nevis, Grenada und Neukaledonien die Wende im Kampf um die FIFA-Präsidentschaft? Gianni Infantino ist plötzlich nur noch wenige Stimmen von einer Mehrheit entfernt. Die Entscheidung fällt vermutlich in Asien, in der Karibik und in der Südsee.

St. Kitts und Nevis, Grenada, Neukaledonien. Per Instagram-Story verkündet Gianni Infantino am Freitag, dass drei weitere FIFA-Mitgliedsländer an seiner Seite stehen. Sein Vorhaben, am 18. März 2027 in der marokkanischen Hauptstadt Rabat als mächtigster Mann im Weltfußball bestätigt zu werden, nimmt Formen an. Dabei wirkten die Unterstützungsschreiben der drei Fußballzwerge auf den ersten Blick wie eine Randnotiz im Kampf um die Fußball-Macht zwischen der FIFA und ihren Gegnern, allen voran der UEFA. Doch das Gegenteil ist richtig.

Grenada und St. Kitts und Nevis? Auf den ersten Blick nur zwei Ministaaten aus der Karibik ohne Fußballhistorie. Neukaledonien? Französisches Überseegebiet in der Südsee, weit davon entfernt, eine Fußballmacht zu sein. Doch es gibt gute Gründe, anzunehmen, dass die Bekundungen von Grenada, St. Kitts und Nevis sowie Neukaledonien die Wende im Wahlkampf um das höchste Amt im Fußball einleiten.

Das hat mit dem Wahlsystem zu tun. Der FIFA-Präsident wird von allen 211 FIFA-Mitgliedsländern gewählt. Jeder Verband hat eine Stimme. Grenadas Stimme oder die von St. Kitts und Nevis hat genauso viel Gewicht wie die aus Deutschland, England oder Frankreich. Sofern es höchstens zwei Kandidaten gibt, fällt die Entscheidung schon im ersten Wahlgang mit einfacher Mehrheit. 106 Stimmen sind nötig. Ob suspendierte Verbände Stimmrecht haben, wird erst kurzfristig entschieden. Bei Infantinos erster Wahl 2016 war das nicht der Fall. Diesmal wären Russland und Nepal von einem Ausschluss betroffen. Bei 209 wahlberechtigten Verbänden würden bereits 105 Stimmen zur Präsidentschaft reichen.

Infantinos Machtbasis in Afrika und Südamerika

Bislang sehen die Machtverhältnisse – vereinfacht gesagt – so aus: Afrika und Südamerika stehen hinter Infantino, Europa ist gegen den Schweizer. Einen Gegenkandidaten hat die Opposition, mit dem europäischen Fußballverband UEFA an der Spitze, aber noch nicht aufgebaut. Die drei anderen Kontinentalverbände sind gespalten: Asien, Nordamerika, Ozeanien. Es gibt keinen Fraktionszwang, Nationalverbände können von der Position ihres Kontinentalverbands abweichen. Deshalb lohnt ein detaillierter Blick.

Sicherste Bank für Infantino ist der afrikanische Kontinentalverband. Die CAF hat sich frühzeitig für den Amtsinhaber ausgesprochen. Einige afrikanische Nationalverbände haben ihre Unterstützung für Infantino auch individuell bestätigt. Bemerkenswert: Abweichler gibt es bislang gar keine. Hält die Unterstützung, hätte Infantinino bereits 54 Stimmen sicher und wäre der nötigen Mehrheit von 105 oder 106 Stimmen ein großes Stück näher.

Ebenfalls auf Infantinos Seite: Südamerika. Der CONMEBOL-Verband mit seinen zehn Mitgliedern dürfte den umstrittenen Amtsinhaber geschlossen unterstützen. Einige Verbände wie Vize-Weltmeister Argentinien oder Paraguay, hier sitzt der südamerikanische Fußballverband, haben dies auch bereits zum Ausdruck gebracht. Abweichler sind – Stand jetzt – genau wie in Afrika nicht zu erwarten. Zumal Infantino Medienberichten zufolge die nächste WM-Erweiterung auf 64 Teilnehmer durchsetzen will. 2030 wird das Turnier in Marokko, Portugal und Spanien ausgetragen. Etwa eine Woche vor dem offiziellen Auftaktspiel finden je eine Jubliäumspartie anlässlich von 100 Jahren WM in Uruguay, Argentinien und Paraguay statt. Südamerika hofft, dass aus je einem Spiel je eine ganze Gruppe wird – und dass alle zehn südamerikanischen Teams einen fixen WM-Startplatz bekommen.

Infantino-Eldorado in der Karibik

Wie auch immer: Afrika und Südamerika katapultieren Infantino auf 64 Stimmen. Hinzu kommt Mexiko, das ebenfalls frühzeitig auf die Infantino-Seite ausgeschert ist, obwohl der Kontinentalverband CONCACAF (Nord-, Mittelamerika und Karibik) dem FIFA-Präsidenten die Unterstützung in einem Brief entzogen hat.

Welche Bedeutung hat das kritische Schreiben des Verbands mit seinen 35 FIFA-Mitgliedern dann überhaupt noch? Seit vergangenen Freitag so gut wie keine mehr. Im CONCACAF-Verband bröckelt die Opposition gegen Infantino merklich. Das zeigt die Unterstützung seitens der Karibikstaaten Grenada und St. Kitts und Nevis.

Woran liegt das? Kleine Länder bekommen für ihre Verhältnisse große Summen aus den FIFA-Geldtöpfen und haben dank der Maxime „1 Verband = 1 Stimme“ bei Abstimmungen genauso viel Macht wie die Fußball-Großmächte. Und kleine Verbände gibt es in der CONCACAF-Zone zahlreich.

In der Theorie ist der Kontinentalverband ein Infantino-Eldorado. Stand jetzt gibt es rational betrachtet jedenfalls wenig Gründe, warum Verbände wie Belize, Nicaragua, Dominica, Trinidad und Tobago, St. Lucia, aber auch WM-Teilnehmer wie Haiti oder Panama gegen Infantino stimmen sollten. Ein Sonderfall sind Verbände wie Curacao oder Aruba, die zum Königreich der Niederlande gehören, oder die vielen britischen (Anguilla, Bermuda, Britische Jungferninseln, Kaimaninseln, Montserrat, Turks- und Caicosinseln) und US-amerikanischen (Amerikanische Jungferninseln, Puerto Rico) Überseegebiete. Ob sie sich von den Niederlanden, England oder den USA beeinflussen lassen, ist aber trotzdem mehr als fraglich.

Chancenlos in Europa

In Europa wird der FIFA-Präsident die restlichen Länderpunkte nicht einsammeln können. Stattdessen wird sich die Wahl sehr wahrscheinlich in Nordamerika, Asien und Ozeanien entscheiden. Im asiatischen Verband läuft der Stimmenfang des FIFA-Präsidenten ebenfalls längst auf Hochtouren, obwohl die AFC gemeinsam mit UEFA und CONCACAF ein Schreiben abgezeichnet hat, in dem Infantino aufs Schärfste kritisiert wird.

Ex-WM-Gastgeber Katar ist wenig überraschend ausgeschert, spricht sich für den Schweizer aus. Auch die Unterstützung aus dem Libanon überrascht nicht. Infantino besitzt seit Februar dank einer Ausnahmeregelung auch die libanesische Staatsbürgerschaft. Er ist mit einer Libanesin verheiratet. Indonesien, die Philippinen, Sri Lanka, Bhutan und die Vereinigten Arabischen Emirate haben sich ebenfalls auf Infantinos Seite geschlagen. Auch die Mongolei ist pro Infantino. Auch das ist kein Wunder, schließlich ist Infantino seit Anfang des Jahres offizieller Träger der mongolischen Freundschaftsmedaille.

Infantino-Entlassung? Trump warnt die FIFA

Auch unter den insgesamt 46 Verbänden in Asien gibt es viele kleine Lichter des Fußballfußballs, die unter Infantino eher profitieren und mit seiner Regentschaft nicht allzu unglücklich sein dürften. Acht Nationen sind schon offiziell im Infantino-Lager, einige weitere dürften folgen. Allein die Hälfte der AFC-Mitglieder würde Infantino schon fast über die Schwelle bringen. Den Rest könnte Ozeanien erledigen.

Infantino hofft auf wichtige Südsee-Stimmen

Mit seinen elf Mitgliedern, darunter zehn Südseeinseln wie Fidschi, Vanuatu, Tonga und Samoa, ist die OFC das leichteste Leichtgewicht des Weltfußballs. Aber elf Verbände sind elf Stimmen. Und die Salomonen genauso wichtig für die Präsidentschaftswahl wie Spanien.

Das große Neuseeland hat sich klar gegen Infantino positioniert. Es würde aber nicht überraschen, wenn alle anderen Verbände für Infantino stimmen. Ein Vorgeschmack liefert die Unterstützung aus Neukaledonien. Das französische Überseegebiet gibt einen Eindruck davon, dass sich nicht-autonome Staaten in der FIFA unabhängig ihres Mutterlands positionieren. Warum sich ausgerechnet Neukaledonien so früh im Wahlkampf für Infantino ausspricht, hat mit den WM-Chancen des Landes zu tun. In der Qualifikation für das 2026er-Turnier ist Neukaledonien erst im entscheidenden Quali-Spiel an Neuseeland gescheitert (0:3). Aktuell ist Neukaledonien die zweitstärkste Kraft in Ozeanien. Wird die WM von 48 auf 64 Teilnehmer erhöht, dürfte Ozeanien einen zweiten Startplatz erhalten – und Neukaledonien hätte plötzlich beste Chancen auf ein Ticket für die WM 2030.

Zusammengefasst sieht der Weg zum Machterhalt für Infantino so aus: Afrika und Südamerika sind die Basis, bringen insgesamt 64 Stimmen. In Ozeanien sind zehn weitere Stimmen realistisch. Einzelne Verbände aus Nordamerika und Asien haben ihre Unterstützung schon zum Ausdruck gebracht. 85 Stimmen sollte Infantino somit – Stand jetzt – schon sicher haben. Blieben weniger als zwei Dutzend FIFA-Länder, die Infantino noch auf seine Seite ziehen müsste. Vor allem in Asien und in der Karibik dürfte der Schweizer fündig werden. Nicht unrealistisch, dass der ein oder andere Mitgliedsverband schon bald in der Instagram-Story von Gianni Infantino auftaucht.

Podcast ntv Sport

Im Podcast von „ntv Sport“ hören Sie eine aktuelle Einschätzung zur Lage im Kampf um die Macht bei der FIFA. Sie finden den Podcast in der ntv-App, bei RTL+, Apple Podcasts und Spotify. Für alle anderen Podcast-Apps können Sie den RSS-Feed verwenden.

Verwendete Quelle: ntv.de

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