Aktuell werden auf Facebook und anderen Plattformen Beiträge geteilt, die Weihrauch oder Weihrauch-Öl als wirksames Mittel gegen Krebs darstellen. Die Behauptungen stützen sich auf wissenschaftliche Studien – ziehen daraus jedoch Schlussfolgerungen, die diese Studien nicht erlauben.
Nach dem derzeitigen Stand der Forschung gibt es keine klinischen Studien, die zeigen, dass Weihrauch oder Weihrauch-Öl Krebserkrankungen beim Menschen heilen oder Tumore verkleinern. Die verbreiteten Aussagen vermischen Laborergebnisse mit klinischen Untersuchungen und erzeugen dadurch einen falschen Eindruck.
Laborversuche sind keine Krebsbehandlung
Tatsächlich existiert eine vorklinische Studie der Universität Leicester aus dem Jahr 2013. Darin wurde untersucht, ob eine Komponente der Boswelliasäure Krebszellen unter Laborbedingungen beeinflussen kann. Solche Untersuchungen erfolgen an Zellkulturen oder in Tierversuchen und dienen dazu, mögliche Wirkstoffe zu identifizieren.
Aus solchen Ergebnissen lässt sich jedoch nicht ableiten, dass eine Substanz beim Menschen wirksam ist. Bevor eine Behandlung empfohlen werden kann, sind umfangreiche klinische Studien erforderlich. Für Weihrauch oder Weihrauch-Öl als alleinige Krebstherapie liegen solche Studien bislang nicht vor.
Deshalb sind Aussagen wie „Weihrauch tötet Krebszellen“ wissenschaftlich nicht haltbar. Sie verkürzen Laborergebnisse zu einem Heilversprechen, das durch klinische Daten nicht belegt ist.
Die zitierte Studie betrifft Gehirnödeme
Ein weiterer häufig genannter Beleg verweist auf eine Studie aus dem Jahr 2011. In sozialen Medien wird daraus die Aussage gemacht, bei 60 Prozent der Patienten seien Schwellungen um 75 Prozent zurückgegangen.
Diese Darstellung lässt jedoch einen entscheidenden Zusammenhang weg: Untersucht wurden therapiebedingte Gehirnödeme, also Schwellungen des Gehirns, die nach einer Bestrahlung auftreten können – nicht das Wachstum oder die Größe von Krebstumoren.
Die Studie liefert lediglich erste Hinweise darauf, dass Boswelliapräparate bei der Behandlung solcher Ödeme hilfreich sein könnten. Auch die Autoren selbst betonen, dass weitere klinische Untersuchungen notwendig sind, bevor daraus belastbare Empfehlungen abgeleitet werden können.
Die Aussage, Weihrauch verkleinere Tumore oder bekämpfe Krebs, wird durch diese Studie daher nicht gestützt.
Nahrungsergänzungsmittel statt zugelassenes Krebsmedikament
Weihrauch stammt aus dem Harz von Boswellia-Bäumen und enthält Boswelliasäuren als pharmakologisch interessante Inhaltsstoffe. Produkte wie Kapseln, Öle oder Cremes werden in Europa überwiegend als Nahrungsergänzungsmittel angeboten.
Ein zugelassenes Arzneimittel zur Behandlung von Krebs auf Basis von Weihrauch existiert in der Europäischen Union derzeit nicht.

Gerade bei schweren Erkrankungen wie Krebs sollten Betroffene Heilversprechen aus sozialen Medien deshalb besonders kritisch prüfen und sich auf medizinisch anerkannte Therapien sowie die Beratung ihrer behandelnden Ärzte verlassen.
Bewertung: Irreführend. Die Beiträge stellen Laborergebnisse und eine Studie zu therapiebedingten Gehirnödemen als Beleg für eine Krebsbehandlung mit Weihrauch dar. Dafür gibt es nach aktuellem Forschungsstand keine klinischen Nachweise.
FAQ: Weihrauch und Krebs
Kann Weihrauch Krebs heilen?
Nein. Dafür gibt es derzeit keine klinischen Belege beim Menschen.
Warum wird oft von „Krebszellen töten“ gesprochen?
Diese Aussage bezieht sich auf Laborversuche mit Zellkulturen. Solche Ergebnisse lassen sich nicht unmittelbar auf Patienten übertragen.
Hat Weihrauch in Studien überhaupt eine Wirkung gezeigt?
Es gibt erste Hinweise, dass Boswelliapräparate therapiebedingte Gehirnödeme nach einer Bestrahlung beeinflussen könnten. Das ist jedoch keine Behandlung des eigentlichen Tumors.
Ist Weihrauch ein Krebsmedikament?
Nein. In der Europäischen Union ist Weihrauch nicht als Arzneimittel zur Behandlung von Krebs zugelassen.
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