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Startseite»Nachrichten»Kampf ums Überleben: Wie die Natur mit Hitzestress und Trockenheit umgeht
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Kampf ums Überleben: Wie die Natur mit Hitzestress und Trockenheit umgeht

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 30, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Kampf ums ÜberlebenWie die Natur mit Hitzestress und Trockenheit umgeht

Eine junge Eiche in der Nähe von Osnabrück hat vertrocknete, braune Blätter infolge extremer Dürre und Hitzeeinwirkung. (Foto: picture alliance / fototronik.de)

Hitze und Dürre kommen in den letzten Jahren immer häufiger vor. Darunter leidet auch die Natur. Viele Pflanzen und Tiere reagieren auf die Extreme mit Stress.

Bäume in Herbstfärbung, Wassermangel in Flüssen: Anhaltende Hitze und Trockenheit hinterließen in den vergangenen Wochen deutliche Spuren. Hohe Temperaturen steigern die Verdunstung, zugleich steht ohne Niederschlag im Boden weniger Wasser zur Verfügung. Bestimmte Exoten und Erreger profitieren allerdings auch.

Viele Bäume reagierten mit früher Gelbfärbung und vorzeitigem Laubfall als Notfall-Schutzreaktion auf den Trocken- und Hitzestress. Mit weniger Blattfläche drosselt ein Baum seinen Wasserverlust. Der vorzeitige Blattverlust sichert so zwar kurzfristig das Überleben, verkürzt jedoch die Aufbauphase. Zudem droht bei wiederholtem Auftreten eine Abwärtsspirale aus Energiemangel, Schäden wie Trockenrissen und erhöhter Anfälligkeit für Krankheiten.

Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) warnte, dass der Klimawandel insbesondere Stabilität und Wuchsleistung fichtenreicher Bestände in Gefahr bringt. Geschwächte Fichten sind zudem anfälliger etwa für den Buchdrucker. Bei höheren Temperaturen kann sich der Borkenkäfer schneller entwickeln und mehr Generationen pro Jahr hervorbringen.

Viele Pflanzen könnten sich bis zu einem gewissen Grad an hohe Temperaturen anpassen, erklärten vom Science Media Center (SMC) befragte Experten. Bei anhaltender Trockenheit fehlt jedoch Wasser. Hitze und Trockenheit haben zudem Einfluss auf Blühzeiten. Wenn Pflanzen und Bestäuber dadurch nicht mehr zur gleichen Zeit aktiv sind, stellt das eine Gefahr vor allem für spezialisierte Arten dar.

Weniger Nahrung und Wasser für Wildtiere

Da Blütenpflanzen frühzeitig verdorrten, fehlte zudem Nektar und Pollen für Bienen, Schwebfliegen und Schmetterlinge. Bei Trockenheit ziehen sich Würmer und Insekten tiefer in den Boden zurück. Jäger wie Igel, Amsel und Drossel finden weniger Nahrung.

Wenn Pfützen, Tümpel und kleine Bäche austrocknen, verlieren Wildtiere zudem Trinkstellen, wie der Deutsche Tierschutzbund warnte. Besonders empfindlich sind Amphibien, die auf feuchte Lebensräume und Gewässer angewiesen sind. Aber auch andere Tiere bekommen Probleme – vielen Insekten zum Beispiel fehlen die nötigen Wasserbrutplätze.

Während der Hitzewelle Ende Juni hatten sich zudem etliche Jungvögel aus ihren glutheißen Nestern fallen lassen. Dem Naturschutzbund (Nabu) gingen viele Meldungen zu gefundenen Vogelküken ein. Pflege- und Auffangstationen gerieten an ihre Kapazitätsgrenzen. Die ungewöhnlich frühe Hitzewelle hatte die Vögel noch in der Brutzeit getroffen – und insbesondere Nester an Gebäuden oder in exponierten Lagen können sich stark aufheizen.

Gewässer erwärmen sich zu sehr oder trocknen ganz aus

Hitze und Trockenheit gefährden nach Angaben von Gewässerökologen vor allem kleine und flache Gewässer. In größeren Seen kann für Fische und andere Wasserorganismen zum Problem werden, wenn es an kühlerem Tiefenwasser als Rückzugsraum zu mangeln beginnt.

Nach Angaben der Experten gibt es weitere Probleme: Je wärmer das Wasser wird, desto weniger Sauerstoff enthält es. Gleichzeitig brauchen aber viele Wasserbewohner mehr Sauerstoff. In warmem, nährstoffreichem Wasser können sich zudem Algen stark vermehren. Beim Abbau großer Algenmengen durch Mikroorganismen wird wiederum Sauerstoff verbraucht – für Fische eine zusätzliche Gefahr.

Exoten und Wärmeliebende profitieren

Die Europäische Gottesanbeterin, früher vor allem im warmen Südwesten Deutschlands heimisch, breitet sich aus. Der Nabu führt dies auch auf die Erwärmung zurück. 2026 gingen bereits mehr als 22.000 Beobachtungen ein – fast dreimal so viele wie im gesamten Vorjahr. Auf Sylt wurden im August wiederum erstmals in Deutschland subtropische Segelquallen angespült.

Experten nehmen zudem an, dass heiße Sommer wie dieser die Ausbreitung des invasiven Ochsenfrosches begünstigen. Es sei davon auszugehen, dass der Ochsenfrosch von zunehmend heißen und länger andauernden Sommertemperaturen profitiert, teilte eine Sprecherin des Regierungspräsidiums Karlsruhe mit.

Da der Ochsenfrosch größere Gewässer bevorzuge, seien die Fortpflanzungsgewässer seltener von einer Austrocknung betroffen. Der Nordamerikanische Ochsenfrosch (Lithobates catesbeianus) kommt in Deutschland bisher nur in der Oberrheinebene bei Karlsruhe vor. Die Tiere werden bis zu 25 Zentimeter groß und fressen im Grunde alles, was ihnen vors Maul kommt: andere Frösche, Fische und auch kleine Vögel. Zudem kann der Frosch Krankheiten wie Pilzinfektionen übertragen.

Gefährliche Erreger verbreiten sich

Steigende Wassertemperaturen in Nord- und Ostsee begünstigen die Vermehrung von Vibrionen. Bei Wassertemperaturen von mehr als 20 Grad können sich die Bakterien nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) in Oberflächengewässern stark vermehren. Sie gelangen über offene Wunden in den Körper und können schwere Wundinfektionen verursachen.

Auch das seit einigen Jahren in Deutschland etablierte West-Nil-Virus (WNV) profitiert, weil höhere Temperaturen die Virusvermehrung in den Überträgermücken beschleunigen und mildere Winter das dauerhafte Überleben in heimischen Stechmücken ermöglichen.

Quelle: ntv.de, Marc Fleischmann, dpa

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