Anschläge auf UmspannwerkeVerband: Brauchen „Backup-System für Notfälle“ im Stromnetz
Erst Brandenburg, dann NRW: Innerhalb kurzer Zeit gibt es zwei Angriffe auf die Stromversorgung. Wenn sich solche Sabotageaktionen schon nicht verhindern lassen, kann man zumindest dafür sorgen, die Folgen weniger gravierend sind, sagt ein Energieverband.
Nach Angriffen auf das Stromnetz in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen plädiert der Bundesverband der Erneuerbaren Energien (BEE) für ein „Backup-System für Notfälle“ im Stromnetz. Bioenergie und Wasserkraft seien beispielsweise schwarzstartfähig, sagte BEE-Präsidentin Ursula Heinen-Esser der „Rheinischen Post“. Das heißt, sie könnten etwa nach einem Stromausfall ohne externe Stromversorgung schnell wieder hochgefahren werden. „Auch Batteriespeicher können im Ernstfall kurzfristig einspringen und günstigen Strom bereitstellen.“
Zugleich räumte Heinen-Esser ein, dass es „keinen vollständigen Schutz vor derartigen Angriffen“ gebe. „Aber wir können in der aktuellen Phase der Energiewende bewusster darauf achten, die Risiken zu minimieren und unsere Energieversorgung so aufstellen, dass mögliche Angriffe früher entdeckt werden und geringere Auswirkungen haben.“ Viele kleinere, dezentrale Erzeuger könnten hierfür ein wichtiger Baustein sein.
Auch die Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft, Kerstin Andreae, fordert nach den Angriffen Maßnahmen. Detaillierte Informationen und Pläne zu kritischen Infrastrukturen dürften potenziellen Angreifern nicht frei zugänglich sein, sagte sie der Zeitung. Datenschutzbestimmungen müssten so angepasst werden, „dass auch angrenzende öffentliche Bereiche rechtssicher per Kamera überwacht werden können“.
Innenminister: Hatten „verdammtes Glück“
Innerhalb kürzester Zeit hatte es in dieser Woche sowohl einen Angriff auf die Stromversorgung des Umspannwerks Turnow-Preilack in Südbrandenburg, als auch eine Störung an einem Umspannwerk in Bergheim bei Köln gegeben. In der Nähe beider Orte wurden nach Angaben der Behörden Abschussvorrichtungen und Pyrotechnik gefunden, die womöglich bereits vor längerer Zeit dort installiert worden waren. In Bergheim hatten Unbekannte Kabel über die Oberleitung gebracht und so einen Kurzschluss verursacht. Die Ermittler gehen davon aus, dass beide Vorfälle auf verfassungsfeindliche Sabotage zurückzuführen sind.
Weder in Brandenburg noch in Nordrhein-Westfalen hatten die Angriffe Auswirkungen auf die allgemeine Stromversorgung. Man habe „verdammtes Glück“ gehabt, sagte Brandenburgs Innenminister Jan Redmann. Nach jetzigem Stand habe nur einer von mehr als einem Dutzend „raketenähnlichen Gegenständen“ mit Treibsatz sein Ziel erreicht, so der CDU-Politiker. Sein nordrhein-westfälischer Amtskollege Herbert Reul sagte, es werde in zwei Richtungen ermittelt: „fremdstaatlich gelenkte Sabotage und Linksextremismus“.
Breiter in den Blick nehmen die Ermittler nun auch den Brand in einem Umspannwerk in Reutlingen im Juni. Er hatte dazu geführt, dass rund 7600 Gebäude und 40.000 Menschen zeitweise ohne Strom waren. Die Ermittler gehen von Brandstiftung aus. In der Vergangenheit gab es bundesweit eine Reihe weiterer mutmaßlicher Sabotageversuche. Die betroffenen Länder wollen sich nun stärker vernetzen.
