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Startseite»Nachrichten»„Singende Föhnwelle“ vor dem Aus: Dieter Thomas Kuhn kündigt seinen Abschied an
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„Singende Föhnwelle“ vor dem Aus: Dieter Thomas Kuhn kündigt seinen Abschied an

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 11, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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„Singende Föhnwelle“ vor dem AusDieter Thomas Kuhn kündigt seinen Abschied an

Die Reise der Kunstfigur Dieter Thomas Kuhn begann Anfang der 90er-Jahre. (Foto: imago stock&people)

Wallendes Haar, Brusthaartoupet und Glitzerfummel – so verkörpert Dieter Thomas Kuhn in den 90ern die perfekte Schlager-Parodie. Aber seine schillernde Erscheinung kommt an. So gut, dass er inzwischen 35 Jahre auf der Bühne steht. Kommendes Jahr jedoch soll damit Schluss sein.

Wo heute bei jedem Auftritt von Dieter-Thomas Kuhn stolz das Brusthaartoupet aus dem offenen Blümchenhemd wuchert, schaut normalerweise eine Eule streng als Tattoo heraus. Der Schlagersänger trägt sie auf der Brust – als Hommage an seine Mutter.

Auf der Bühne aber bleibt er die „singende Föhnwelle“: Mit Schlaghose und Glitzer, Sonnenblumen und künstlichem Brusthaar begeistern er und seine „Kappelle“ seit 35 Jahren die Massen. Nun biegen Figur und Band auf die Zielgerade ein – mit einem Kinofilm und drei Abschiedskonzerten.

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Auch heute noch: Das Brusthaartoupet sitzt. (Foto: IMAGO/Future Image)

Na gut, es ist nicht der erste Abschied. Genau genommen ist es auch nicht der zweite, sondern der dritte. Diesmal aber soll die Entscheidung laut Kuhn aber wirklich endgültig sein. Am 24. Juli 2027 spielt seine Band in der Stuttgarter MHP-Arena, am 6. und 7. August zum letzten Mal in der Berliner Waldbühne. „Es fühlt sich noch nicht wie ein Abschied an“, sagt der 61-Jährige. „Aber jetzt ist das alles sehr gut überlegt.“ Ein bloßes Bühnen-Aus auf Zeit sei nicht geplant.

Aus Kitsch wurde Kult

Ein Satz mit großer Tragweite. Denn der Tübinger und seine Band verabschieden sich nicht nur von einer Tournee, sondern von einem gemeinsamen Bühnenleben, das Anfang der 90er-Jahre als Scherz begonnen hatte. „Als es 1992 losging, habe ich immer gesagt: Das geht ein paar Monate, dann ist Schluss und ich muss wieder etwas anderes machen“, sagt Kuhn.

Dann wurde daraus ein Jahr, noch ein Jahr – und irgendwann war klar, dass das Publikum die singende Föhnwelle nicht wieder gehen lassen wollte. Die Musiker überzeichneten die Schlager der 70er-Jahre so lange, bis aus Kitsch Kult wurde. „Ich glaube, dass die Figur mit ihren ganzen Facetten von Anfang an das Erkennungsmerkmal war: die Föhnwelle, das Brusthaartoupet und die entsprechend auftretende Band.“

Die drei letzten Konzerte sollen ein großes Fest werden – und ein Schlussstrich. Stuttgart wird zum Heimspiel, Berlin zum zweiten Schauplatz des Abschieds. Auslöser für diesen ist vor allem die schwere Erkrankung des Gitarristen Philipp Feldtkeller. In den vergangenen Jahren machte seine gesundheitliche Situation viele Auftritte unmöglich.

Abschied aus Loyalität

Einen Ersatz will Kuhn nicht suchen. „Ich finde es konsequent, wenn wir sagen: Wir machen das zusammen – oder wir machen es gar nicht. Das war immer unser Credo.“ Damit wird das Ende nicht zu einer bloßen Managemententscheidung, sondern zu einer Frage der Loyalität.

Eine Art Abschiedsgeschenk für Fans und Band kommt nun am 17. September in die Kinos: Mehr als 180 Stunden Archivmaterial sichtete Regisseurin Juliane Sauter für „Und es war Sommer“. Außerdem begleitete sie die Band über Monate und auf ihrer Tour 2024. Der Film beginnt mit einem Konzert in Konstanz und führt zurück in die Anfangsjahre. Backstage-Szenen, Einblicke in Tourbus und Garderobe, Haarspray, nackte Haut und viel Musik.

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Wenn man Kuhn privat begegnet, sieht er ein bisschen anders aus. (Foto: picture alliance/dpa)

Sauter wollte einen Film über eine außergewöhnliche Schlagerband drehen. Hinter der Inszenierung entdeckte sie die jahrzehntelange Freundschaft zwischen Kuhn und Feldtkeller. So wird aus der Geschichte einer Bühne auch die Geschichte von Menschen, die gemeinsam älter werden. „Der Film zeigt, dass wir den Spaß, mit dem wir vor 35 Jahren angefangen haben, bis heute bewahrt haben“, sagt Kuhn. „Im Grunde sind wir immer noch dieselben Kindsköpfe.“

„Ein schönes Phänomen“

Dass ein Abschied für Kuhn nicht nur theoretisch ist, zeigt der Rückblick auf 1999. Damals beendete die Band ihre erste Etappe. Kuhn wollte beweisen, mehr zu können als nur die Schlagerfigur. Bei einer Clubtour mit anderer Musik merkte er jedoch: „Das bin nicht mehr ich.“ Der gemeinsame Spaß sei verschwunden. „Deshalb habe ich sehr schnell entschieden, damit aufzuhören. Es hat einfach keinen Spaß gemacht.“

Das Comeback mit den alten Markenzeichen zeigte, wo seine eigentliche Stärke liegt: in der Verbindung von Musik, Übertreibung und Gemeinschaft. Heute wird die Bühnenfigur von einer neuen Generation entdeckt, während die Fans der Anfangszeit geblieben sind. „Ich finde es ein schönes Phänomen, dass unser Publikum die Musik von einer Generation an die nächste weitergibt“, sagt Kuhn. „Nach 35 Jahren bin ich immer noch überrascht, wenn junge Leute vor der Bühne stehen.“

Nun aber soll nach den drei Konzerten wirklich Schluss sein. „Natürlich wird es schwer, sich von der Bühne zu verabschieden. Die Musik hat uns 35 Jahre lang begleitet und war unser grandioses Leben.“ Einen konkreten Plan für die Zeit danach hat Kuhn nicht. „Nach dem letzten Lied in Berlin wird vermutlich erst einmal eine große Leere kommen.“

Quelle: ntv.de, Martin Oversohl, dpa

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